Bildnachweis: Formycon AG.

Die Aktie des Biosimilarspezialisten Formycon (ISIN: DE000A1EWVY8) startet den Börsentag nach der Bilanzpressekonferenz zu den Geschäftszahlen für 2025 mit deutlichen Kursgewinnen. Das Unternehmen hat trotz gesunkener Umsätze den Konzernverlust stärker als erwartet verringert. Um die Aktie mit ihrem aktuellen Börsenwert von rund 330 Mio. EUR wieder ins Laufen zu bringen, setzt das Management in diesem Jahr auf die Markteinführung eines Produkts und auf neue Marketing-Partnerschaften. Von Stefan Riedel

Formycon hat verspätet den testierten Jahresabschluss für 2025 vorgelegt, da die Einführung eines neuen ERP-Systems und Ausfälle im Finanzteam zu Verzögerungen im Prüfungsprozess führten. Trotz der deutlich gesunkenen Umsätze haben sich die operativen Verluste deutlich verringert. Das Konzern-EBITDA verbesserte sich auf minus 3,6 Mio. EUR. Den Ausschlag dafür gab das Zusammenspiel von drei Faktoren: striktes Kostenmanagement, die zeitliche Verschiebung von Entwicklungsausgaben und höher aktivierte Entwicklungsausgaben. Mit 64,7 Mio. EUR Verlust fiel das Konzernergebnis deutlich negativ aus. Die Hauptgründe waren nicht-liquiditätswirksame Abschreibungen auf das Produkt FYB202 und der negative Ergebnisbeitrag der Beteiligung Bioeq.

Der Umsatz lag mit 44,5 Mio. EUR deutlich unter dem avisierten Zielkorridor von 55 bis 65 Mio€. EUR, unter anderem wegen der rückläufigen Entwicklungsvergütungen für FYB201 und FYB203 und den niedrigeren Lizenzerlösen mit FYB201/Cimerli in den USA bedingt durch das temporäre Aussetzen der Vermarktung. Darüber hinaus entwickelten sich die Umsätze aus der Vermarktung von FYB202 trotz eines starken vierten Quartals insgesamt weniger dynamisch als erwartet und führte beim Werthaltigkeitstest zu einer außerplanmäßigen Abschreibung von temporären Vermögenswerten. 2024 hatte Formycon noch 69,7 Mio. EUR Konzernumsatz eingefahren.

Fortschritte in der Pipeline

Zugleich verzeichnete Formycon im Geschäftsjahr 2025 auf drei Ebenen Fortschritte in der Produktentwicklung. FYB201 zur Behandlung von schweren Augen-Netzhauterkrankungen wurde in zusätzlichen Ländern eingeführt. Darüber hinaus erhielt das Produkt eine Darreichungsform in Fertigspritzen und eine zusätzliche Zulassung auf dem US-Markt. Bei FYB202, einem Biosimilar gegen chronische Entzündungskrankheiten, liefen die Markteinführungen in den USA, Kanada und in Europa. Zugleich vergrößerte sich die Entwicklungspipeline mit dem erfolgreichen Technical Proof of Similarity für FYB208, also dem Test, bei dem sich die Wirksamkeitsdaten des Biosimilar-Kandidaten in einem präzise definierten Korridor zum Referenzmolekül bewegen müssen.

2026: positives EBITDA und ein Produktstart

Für 2026 erwartet das Management einen Umsatz im Zielkorridor von 60 bis 70 Mio. EUR und beim adjusted EBITDA einen positiven Wert zwischen 5 und 15 Mio EUR. Das Working Capital soll sich zwischen 20 und 30 Mio. EUR bewegen, was einen deutlichen Rückgang gegenüber den 70,1 Mio. EUR von 2025 bedeuten würde. Als wichtigen strategischen Schritt sieht der Vorstandsvorsitzende Stefan Glombitza die geplante Markteinführung von FYB 203, einem Biosimilar für die Arznei Eylea zur Behandlung von schweren Netzhauterkrankungen und der feuchten altersbedingten Makuladegeneration: „Mit diesem Produkt übernehmen wir erstmals die vollständige Verantwortung für Lieferkette und Marktversorgung und erweitern damit gezielt unser Geschäftsmodell hin zu größerer operativer Kontrolle über die Wertschöpfung.“ Auf Basis der geschlossenen Lizenzvereinbarungen strebt Formycon den Markteintritt in Europa ab Mai und in den USA im vierten Quartal 2026 an und erwartet erste moderate Lizenzeinnahmen.

Hoffnungsträger FYB2026

Bei FYB 206, dem Biosimilar für das weltweit meistverkaufte Krebsmittel Keytruda, hat Formyon die Pharmakokinetik-Studie erfolgreich abgeschlossen

Dr. Stefan Glombitza, Vorstand Formycon AG || Foto: Formycon

An der Vorbereitung der Zulassungsanträge in den USA und der EU wird gearbeitet. Hier könnten 2026 erste Umsatzbeiträge aus fest definierten Meilensteinen fließen. Ende 2025 hatte Formycon mit dem indischen Pharmaunternehmen Zydus eine exklusive Lizenz- und Lieferpartnerschaft für FYB 206 in den USA und Kanada abgeschlossen.

„Zydus verfügt über die notwendige kommerzielle Infrastruktur und die regulatorische Erfahrung, um Biosimilars in den USA erfolgreich zu etablieren. Das Unternehmen hat eine Erfolgsbilanz mit zahlreichen FDA-zugelassenen Produkten, darunter komplexe Injektionspräparate und Krankenhausarzneimittel“, erläutert Firmenchef Glombitza die Gründe für die Partnerwahl. Besonders relevant war laut Glombitza die nachgewiesene Expertise von Zydus bei ärztlich administrierten Medikamenten, zu denen FYB 206 und FYB 201/Nufymco zählen.

Neue Partnerschaften im Visier

Strategisch weiterentwickeln will sich Formycon 2026 auch bei der geografischen Reichweite der Markteintritte. Neben Europa und den USA will Formycon nach den Worten von Glombitza über regional führende Vertriebspartner zunehmend wachstumsstarke Regionen wie MENA oder Lateinamerika erschließen. Diese Diversifikation ist für reine Biosimilarentwickler wie Formycon ein wichtiger Schritt, um die kommerziellen und regulatorischen Risiken für die Produkte in einzelnen Märkten besser auszubalancieren. Bei Formycon hat gerade die negative Entwicklung im Vorjahr gezeigt: für Biosimilars ist der kommerzielle Erfolg nach der Zulassung kein Selbstläufer. Und für Investoren erschweren die Marketing-Partnerschaften die Einschätzung der Aktienbewertung, weil Umsatz- und Gewinnentwicklung weniger transparent sind.

Fazit

Mit drei zugelassenen Biosimilars und einem aussichtsreichen Pipelinekandidaten für das weltweit meistverkaufte Krebsmedikament ist Formycon produktseitig sehr gut aufgestellt. Preiswettbewerb, Rabattverträge und regulatorische Besonderheiten setzen die Margen im Biosimilargeschäft unter Druck. Diese Unsicherheitsfaktoren sind auf dem aktuellen Kursniveau eingepreist. Damit sich die günstig bewertete Aktie wieder deutlich nach oben in Bewegung setzt, muss Formycon in den nächsten Quartalen liefern – mit neuen Marketing-Partnerschaften und steigenden Erlösen. Erste spekulative Positionen können auf dem aktuellen Kursniveau aufgebaut werden.

Autor/Autorin

Stefan Riedel
Finanzredakteur at Büro für Kommunikation

Stefan Riedel ist in den internationalen Finanzmärkten unterwegs. Seit 20 Jahren schreibt der passionierte Börsianer für die Plattformen und Publikationen von GoingPublic Media, unter anderem GoingPublic und die Plattform Life Sciences.