Bildnachweis: Alina – stock.adobe.com .

Laborflächen gehören zu den größten Wachstumshemmnissen für Life-Science-Start-ups in Deutschland. Mit dem neuen „Shared Lab for Life Sciences“ reagiert die Gateway Factory auf dem BioCampus Cologne genau auf diesen Engpass – und investiert gemeinsam mit Partnern rund eine Mio. EUR in Laborinfrastruktur für junge DeepTech- und Health-Start-ups. Dahinter steht mehr als nur ein neues Labor: Es geht um die Frage, wie Deutschland seine Innovationsketten finanziert und verhindert, dass wissenschaftliche Gründungen frühzeitig ins Ausland abwandern. Von Urs Moesenfechtel

Bei der Erföffnungsfeier am Mittwoch letzter Woche (29.4.26) wurde viel von „Innovationslöchern auf der Innovationsautobahn“ gesprochen – gemeint sind fehlende Laborflächen, hohe Anfangsinvestitionen und mangelnde Infrastruktur für wissenschaftsbasierte Start-ups. Genau diese Lücken sollen nun in Köln geschlossen werden. Mit dem neuen Shared Lab for Life Sciences hat die Gateway Factory auf dem BioCampus Cologne eine Infrastruktur geschaffen, die wissenschaftsbasierten Start-ups den Einstieg erleichtern soll. Auf rund 450 Quadratmetern entstanden 19 vollständig ausgestattete Laborarbeitsplätze mit moderner Geräteinfrastruktur innerhalb von nur sechs Monaten – ein für vergleichbare Life-Science-Infrastrukturprojekte ungewöhnlich kurzer Zeitraum.

Erste Start-ups haben ihre Arbeit bereits aufgenommen, weitere Plätze sind nach Angaben der Beteiligten schon vergeben. Aktuell unterstützt die Gateway Factory rund 20 Health- und Life-Science-Start-ups in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Die Gateway Factory ist eine bundesgeförderte Plattform zur Förderung wissenschaftsbasierter Ausgründungen im DeepTech- und Life-Science-Bereich. Ziel ist es, Forschung schneller in marktfähige Unternehmen zu überführen und die Region langfristig als europäischen DeepTech-Standort zu stärken.

Eine Million Euro gegen den Infrastrukturengpass

Großer Andrang bei der Eröffenungsfeier.
Großer Andrang bei der Eröffenungsfeier.

Hinter dem Shared-Lab-Modell steht die Idee, teure Laborinfrastruktur gemeinschaftlich nutzbar zu machen, statt dass jedes Start-up eigene Flächen und Geräte mit hohem Kapitalaufwand finanzieren muss. Ressourcen werden zentral bereitgestellt und gemeinsam genutzt – das senkt den Kapitalbedarf in der frühen Unternehmensphase erheblich. Für Investoren bedeutet das zugleich, dass Kapital stärker in Forschung, Produktentwicklung und Validierung fließen kann statt in nicht skalierbare Infrastruktur. Die rund eine Mio. EUR für das Shared Lab stammen aus einem Zusammenspiel verschiedener Partner und Finanzierungsbausteine. Beteiligt waren neben der Gateway Factory der BioCampus Cologne als Standort- und Infrastrukturpartner sowie die CellCoLab GmbH, die Planung und Betrieb des Labors übernimmt. Hinzu kamen Industrie- und Gerätesponsoren. Rund 500.000 EUR der einen Mio. stammen aus Mitteln der Gateway Factory, weitere rund 500.000 EUR entfallen auf die Leihgeräte von Industrie- und Gerätepartnern. Insgesamt beteiligten sich 21 Unternehmen (siehe Bild unten) an der Bereitstellung von Geräten und Infrastruktur.

Beteiligung zahlreicher Partner.
Beteiligung zahlreicher Partner.

Finanzierungshürde statt Technologierisiko

Gerade im Life-Science-Sektor entstehen die größten Probleme häufig nicht erst bei der Skalierung, sondern bereits vor der eigentlichen Unternehmensentwicklung. Während Software-Start-ups oft mit vergleichsweise geringem Kapitalbedarf starten können, benötigen Biotech-, Medtech- oder Health-Tech-Teams von Beginn an spezialisierte Infrastruktur, regulatorische Standards und Laborausstattung. Dr. Janina Jänsch, Abteilungsleiterin Mittelstandspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, beschrieb den strukturellen Engpass bei der Eröffnung deutlich: „Gerade im Life-Science-Bereich stehen viele Gründungsteams ganz am Anfang vor der Frage, wo sie überhaupt arbeiten können. Ein Labor aufzubauen und zu finanzieren bedeutet hohe Investitionen und dauert lange. Oft besteht zudem gar kein Zugang zu entsprechenden Möglichkeiten. Das bremst aus, bevor man überhaupt angefangen hat. Genau deshalb ist das Shared Lab for Life Sciences der Gateway Factory wichtig.“ Das Projekt adressiere damit eine zentrale Schwäche des deutschen Innovationssystems: Forschungsexzellenz ist vorhanden, die Übersetzung in skalierbare Unternehmen scheitert jedoch häufig an fehlender Infrastruktur und hohen Anfangsinvestitionen.

Fahrt zu den Laboren.
Fahrt zu den Laboren.

Öffentliche Förderung als Hebel für privates Wachstum

Seit 2025 zählt die Gateway Factory zu den zehn bundesweit ausgewählten Startup Factories im Leuchtturmwettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Initiative kann dabei Fördermittel von bis zu zehn Mio. EUR erhalten, um wissenschaftsbasierte Start-ups schneller zur Marktreife zu bringen. Gemeinsam mit den Universitäten Aachen, Köln und Düsseldorf sowie der Start2 Group verbindet die Gateway Factory Forschungseinrichtungen, Industriepartner und Kapitalgeber. Ziel ist es, wissenschaftliche Innovationen schneller in globale Scale-ups zu überführen und die Region international sichtbarer zu machen. Die Finanzierungsstruktur der Gateway Factory basiert dabei auf einem Public-Private-Modell: Bereits vor dem Start wurden rund zehn Mio. EUR aus Wirtschaft und privatem Umfeld eingesammelt, die der Bund über einen Zeitraum von fünf Jahren verdoppelt. Die Mittel für das Shared Lab waren damit Teil einer bereits strategisch geplanten Infrastrukturinitiative und wurden nicht eigens neu akquiriert.

Im Zentrum der Gateway Factory steht eine wirtschaftspolitische Kernfrage: Wie bleibt die Wertschöpfung in der Region? Denn bislang verlassen viele erfolgreiche Gründungen Deutschland oder Europa in frühen Wachstumsphasen – häufig, weil andernorts bessere Infrastruktur- und Skalierungsbedingungen existieren. Die Start-ups aus dem „Ready to Scale“-Programm der Gateway Factory konnten bislang bereits rund 66 Mio. EUR an Investments einwerben.

Eröffnung der Labore.
Shared Lab-Eröffnung..V. l. n. r. Dr. Tim Hiddemann, Tanja Bloser, Tanja Zirnstein, Dr. Janina Jänsch, Paul Höller. © Gateway Factory

Der BioCampus als Skalierungsplattform

Der Standort auf dem BioCampus Cologne soll genau dieses Problem adressieren. Neben dem Shared Lab stehen dort erhebliche Entwicklungsflächen zur Verfügung. André van Hall, CEO von BioCampus Cologne und RTZ Köln, verwies bei der Eröffnung auf rund elf Hektar Baulandreserve. Ziel sei es, nicht nur die frühe Inkubation von Start-ups zu ermöglichen, sondern auch spätere Wachstumsphasen am Standort abzubilden. Mit dem Shared Lab entstehe nun zunächst die „Startrampe“ für wissenschaftsbasierte Gründungen. Perspektivisch soll daraus ein durchgängiger Wachstumspfad entstehen – möglichst ohne die „Schlaglöcher“, an denen junge Unternehmen bislang häufig scheitern. Die Strategie folgt damit einem klassischen Clusteransatz: Inkubation, frühe Skalierung und spätere Expansion sollen räumlich und organisatorisch miteinander verbunden werden.

Geräte
Laborarbeitsplätze mit moderner Geräteinfrastruktur

Infrastruktur wird zur Standortpolitik

Die Eröffnung des Shared Lab zeigt, dass Innovationspolitik zunehmend zur Infrastrukturpolitik wird. Während in den vergangenen Jahren vor allem über Venture Capital, Förderprogramme oder Technologietransfer diskutiert wurde, rückt nun stärker die physische Basis von Innovation in den Fokus: Laborflächen, Gerätezugang, regulatorische Infrastruktur und skalierbare Campusmodelle. Für den Standort Rheinland könnte das entscheidend werden. Die Region verfügt mit ihren Hochschulen, Kliniken und Forschungseinrichtungen über eine hohe wissenschaftliche Dichte. Gleichzeitig fehlten bislang vielerorts die Übergangsstationen zwischen universitärer Forschung und industrieller Skalierung. Genau dort setze die Gateway Factory an, so Geschäftsführer Dr. Tim Hiddemann, der das Ziel bei der Eröffnung so formulierte: „Es geht darum, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, damit die nächste Generation von Durchbrüchen hier entsteht und Unternehmen gar nicht erst abwandern müssen“. Ob daraus tatsächlich ein international wettbewerbsfähiger Life-Science-Hub entsteht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist jedoch schon jetzt: Ohne finanzierbare Infrastruktur bleiben viele wissenschaftliche Innovationen buchstäblich auf der Strecke.

Autor/Autorin

Redaktionsleiter Plattform Life Sciences at  | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.