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Die deutsche Raumfahrtgesellschaft Isar Aerospace hat eine Finanzierungsrunde über 270 Mio. EUR unterschrieben, wie das Münchener Unternehmen gestern bekannt gab. Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen nach eigenen Angaben die Serienproduktion seiner Trägerrakete Spectrum ausbauen, internationale Startkapazitäten erweitern und den Zugang zum Weltraum für staatliche sowie kommerzielle Kunden stärken. Die Finanzierung erfolgt kurz vor dem geplanten Qualifikationsflug der Rakete Spectrum, dessen Startfenster Mitte Juni geöffnet wird. Von Jenny Gspahn
Finanzierung soll globale Expansion beschleunigen
Wie das Unternehmen mitteilt, umfasst die nun unterzeichnete Series-D-Finanzierungsrunde 270 Mio. EUR. Zu den neuen Investoren gehören den Angaben zufolge Island Green Capital und Molten Ventures. Darüber hinaus beteiligten sich bestehende Investoren wie HV Capital, Lakestar sowie UVC Partners gemeinsam mit KfW Capital erneut an der Finanzierung.
Mit der aktuellen Runde erhöht sich das bislang eingeworbene Kapital auf rund 700 Mio. EUR. Damit zählt Isar Aerospace zu den am stärksten finanzierten privaten Raumfahrtunternehmen Europas. Die Unternehmensbewertung wird Branchenexperten zufolge auf etwa 1,6 Mrd. EUR geschätzt. Trotz der umfangreichen Finanzierung verbleibt die Kontrolle weiterhin maßgeblich bei den Gründern: Nach aktuellen Angaben halten die Gründer auch nach mehreren Finanzierungsrunden zusammen rund 30 % der Anteile und bleiben damit die größten Einzelgesellschafter des Unternehmens. Weitere bedeutende Anteilseigner sind der strategische Partner Porsche SE (> 10 %) sowie Investoren wie HV Capital und Lombard Odier.
Laut Isar Aerospace soll das Kapital vor allem dazu genutzt werden, die Produktionskapazitäten auszubauen und die internationale Expansion voranzutreiben. Das Unternehmen verweist dabei auf eine steigende Nachfrage nach unabhängigen Startmöglichkeiten für Satellitenmissionen.
CEO und Mitgründer Daniel Metzler bezeichnete den Weltraum als strategische Infrastruktur und erklärte, die Finanzierung solle dazu beitragen, den Zugang zum Orbit für staatliche und kommerzielle Kunden weltweit zu erweitern.
Serienproduktion in Parsdorf
Ein zentraler Bestandteil der Wachstumsstrategie ist die neue Produktionsanlage in Parsdorf bei München. Die Anlage sei darauf ausgelegt, künftig bis zu 40 Spectrum-Raketen pro Jahr zu produzieren. Isar Aerospace setzt dabei auf einen hohen Automatisierungsgrad und eine weitgehende Kontrolle der Wertschöpfungskette durch eigene Entwicklung und Fertigung.
Der Ausbau der Produktionskapazitäten gilt als wesentliche Voraussetzung, um die angestrebte Skalierung des Geschäftsmodells zu erreichen und regelmäßige Starts anbieten zu können.
Zweiter Startplatz in Kanada geplant
Neben der Produktion erweitert Isar Aerospace auch seine Startinfrastruktur. Bislang verfügt das Unternehmen über einen eigenen Startkomplex am norwegischen Raumfahrtstandort Andøya.
Nun soll mit Spaceport Nova Scotia in Kanada ein weiterer Startplatz hinzukommen. Laut Unternehmen wurde hierzu bereits ein Letter of Intent mit Maritime Launch Services unterzeichnet.
Mit zusätzlichen Startmöglichkeiten sollen künftig weitere Umlaufbahnen bedient werden können. Dies betrifft insbesondere Missionen für Erdbeobachtung, Kommunikation und sicherheitsrelevante Anwendungen.
Darüber hinaus befindet sich Isar Aerospace nach eigenen Angaben weltweit mit weiteren potenziellen Standorten in Gesprächen.
Wachsende Bedeutung für Verteidigungs- und Sicherheitsanwendungen
Isar Aerospace sieht sich zunehmend als Anbieter strategischer Infrastruktur für Europa und seine Verbündeten. Das Unternehmen verweist darauf, dass unabhängige Startkapazitäten angesichts geopolitischer Entwicklungen und wachsender Anforderungen an die Verteidigungsfähigkeit an Bedeutung gewinnen.
Nach Unternehmensangaben hat sich die Nachfrage in den vergangenen zwölf Monaten deutlich verändert. Während zuvor überwiegend zivile Missionen angefragt wurden, entfielen zuletzt rund 60 % der Nachfrage auf Verteidigungs- und Sicherheitsanwendungen.
Zudem arbeitet Isar Aerospace nach eigenen Angaben mit dem Marine- und Rüstungskonzern TKMS im Rahmen des Canadian Patrol Submarine Project zusammen. Ziel sei die Einbindung souveräner Startkapazitäten in sicherheitsrelevante Beschaffungsprogramme.
Qualifikationsflug rückt näher
Parallel zur Finanzierung bereitet das Unternehmen den ersten Qualifikationsflug der Spectrum-Rakete vor. Die Mission mit dem Namen „Onward and Upward“ soll vom norwegischen Startplatz Andøya aus durchgeführt werden.
Das Startfenster ist vom 15. bis 21. Juni 2026 vorgesehen. An Bord sollen sich fünf CubeSats sowie ein Experiment des ESA-Förderprogramms Boost! befinden.
Mit dem Qualifikationsflug solle die technische Leistungsfähigkeit des Trägersystems unter realen Einsatzbedingungen nachgewiesen werden.
Über Isar Aerospace
Isar Aerospace entwickelt und produziert Trägerraketen für den Transport kleiner und mittelgroßer Satelliten in den Orbit. Das 2018 gegründete Unternehmen mit Sitz bei München verfolgt dabei einen vertikal integrierten Ansatz: Entwicklung, Fertigung und Tests der Raketen erfolgen weitgehend im eigenen Haus.
Mit mehr als 400 Mitarbeitern an mehreren internationalen Standorten zählt Isar Aerospace zu den bekanntesten privaten Raumfahrtunternehmen Europas. Im Mittelpunkt steht die zweistufige Trägerrakete Spectrum, die künftig Satelliten und Satellitenkonstellationen in verschiedene Umlaufbahnen transportieren soll.
Fazit
Mit der weiteren Finanzierung über 270 Mio. EUR bei einer Unternehmensbewertung > 1 Mrd. EUR zählt Isar Aerospace weiterhin zu den aussichtsreichsten Raumfahrt-Unicorns in Europa. Das frische Kapital verschafft dem Unternehmen zusätzliche Mittel für den Ausbau seiner Produktionskapazitäten und die internationale Erweiterung seines Startnetzwerks. Strategisch positioniert sich Isar Aerospace zunehmend als Anbieter souveräner Startkapazitäten für Europa und verbündete Staaten. Ob das Unternehmen diese Rolle langfristig einnehmen kann, dürfte jedoch maßgeblich vom Erfolg der bevorstehenden Spectrum-Flüge und dem anschließenden Hochlauf der Serienproduktion abhängen. Der anstehende Qualifikationsflug wird daher von Investoren und Branchenbeobachtern besonders aufmerksam verfolgt werden. Über etwaige Börsenpläne ist derzeit noch nichts bekannt.
Autor/Autorin
Jenny Gspahn ist Content Managerin für die Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). In ihrer täglichen Arbeit beschäftigt sie sich mit Themen rund um den Aktienmarkt, aktuelle Börsengänge sowie alle Aspekte rund um die Börsennotiz von Unternehmen.





