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Die Medizin der Zukunft wird individueller – und datengetrieben. Genau auf dieser Schnittstelle positioniert sich die Darwin AG (ISIN: DE000A3C35W0): Das Münchner Life-Sciences-Unternehmen verbindet genetische Analytik mit personalisierten Gesundheitsprodukten und erschließt damit einen Markt, der von Präzisionsmedizin bis zu maßgeschneiderter Ernährung reicht. Von Christian Euler
Dieser Beitrag erscheint auch in GoingPublic 1/26 am 27. März!
Die Darwin AG positioniert sich als europäischer Spezialist für Humangenetik und die darauf basierende Entwicklung personalisierter Gesundheitsprodukte. Im unternehmenseigenen Labor entstehen genetische Analysen, die sowohl in Diagnostik und Therapie als auch in der Prävention sowie bei der Entwicklung maßgeschneiderter Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika zum Einsatz kommen.
Darüber hinaus versteht sich das seit 2021 börsennotierte Unternehmen als strategischer Partner für Ärzte, Therapeuten, Apotheker, Ernährungsberater und Fitnesstrainer, um den Endkunden Betreuung und ein nachhaltiges Konzept an die Hand zu geben. Flankierend dazu hält Darwin Beteiligungen an innovativen Unternehmen aus den Bereichen Biotechnologie, Healthcare und Life Sciences.
Das Geschäftsmodell folgt einem klaren Leitgedanken: medizinische und gesundheitsbezogene Entscheidungen nicht pauschal, sondern datenbasiert und individualisiert entlang der genetischen Disposition des Einzelnen auszurichten. Den zentralen Baustein bilden die DNA-Analysen, die die 100-%ige Tochtergesellschaft Novogenia in Salzburg durchführt.
Umsatzplus dank Präzisionsmedizin
Im Geschäftsjahr 2025 haben die Münchner nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von rund 55 Mio. EUR erzielt – nach 25,3 Mio. EUR im Vorjahr. Damit legte der Erlös im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 117 % zu. Zugleich stellt das Management um CEO Dr. Daniel Wallerstorfer, der 47 % der Aktien hält, ein positives Konzernergebnis in Aussicht und unterstreicht damit die operative Dynamik des abgelaufenen Geschäftsjahres. Mit einem Nettofinanzvermögen in Höhe von 75,3 Mio. EUR verfügt Darwin über genügend Kapital, um das organische Wachstum voranzutreiben und Akquisitionen zu tätigen.
Kernstück der Wachstumsstrategie ist die im November 2025 angekündigte Einbindung der Darwin AG in das ambitionierte Gesundheitsprojekt in Abu Dhabi, das auf personalisierte Gesundheitsoptimierung setzt. Das Emirat strebt an, bis 2030 zum gesündesten Land der Welt aufzusteigen. In diesem Kontext ist vorgesehen, dass jeder Einwohner einen Speicheltest von Darwin absolviert. Durch ihre Tochtergesellschaft Novogenia wird die Darwin AG sowohl die genetischen Analysen als auch die Produktion der personalisierten Mikronährstoffformulierungen exklusiv übernehmen.
Attraktive Rendite und starkes Wachstumspotenzial
Für ein Biotech- und Life-Sciences-Unternehmen eher ungewöhnlich: Darwin schüttet regelmäßig Dividenden aus. GBC Investment Research erwartet für das Geschäftsjahr 2025 eine Zahlung von 0,56 EUR je Aktie – beim aktuellen Kurs von 8,50 EUR errechnet sich daraus eine Rendite von 6,5 %. „Bereits ab 2026 sollte das EBIT die Gewinnschwelle überschreiten, und wir erwarten ab dem Geschäftsjahr 2028 eine nachhaltig erreichbare EBIT-Marge von über 20 %“, schreiben die GBC-Analysten Cosmin Filker und Matthias Greiffenberger und sehen per Jahresende ein Kursziel von 30 EUR.
ODDO BHF hat Ende Januar die Coverage der Darwin-Aktie mit einem Kursziel von 22 EUR aufgenommen. „Die Darwin AG dürfte von den anhaltenden Megatrends zu einem gesünderen Lebensstil und einer zunehmenden Individualisierung von Produkten profitieren, was in den kommenden Jahren zu einem weiteren Wachstum führen sollte“, so Analyst Klaus Breitenbach.
Fazit
Die Darwin AG präsentiert sich als wachstumsstarker Akteur im europäischen Life-Sciences-Sektor und spannende Story für risikobereite Investoren. Das Unternehmen verfügt über ein solides Nettofinanzvermögen sowie attraktive Beteiligungen und profitiert von Trends wie auf Genanalyse basierenden individualisierten Produkte wie Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika. Insbesondere die Kooperationen mit 10xHealth (USA) sowie M42 (Abu Dhabi) könnten das Umsatzpotenzial in den kommenden Jahren deutlich steigern. Gleichzeitig bleibt spannend, in welchem Umfang Darwin die ambitionierten Prognosen umsetzen und die geplanten operativen wie internationalen Expansionsschritte erfolgreich realisieren wird.
„Wir sehen für 2027 eine EBIT-Marge von mindestens 10 %“Interview mit Dr. Daniel Wallerstorfer, Vorstand, Darwin AG GoingPublic: Herr Dr. Wallerstorfer, Darwin hat den Konzernumsatz 2025 mehr als verdoppelt. Welche Treiber sehen Sie für dieses außergewöhnliche Wachstum – und wie wollen Sie die Dynamik in den kommenden Jahren aufrechterhalten? Dr. Wallerstorfer: Dieser Erfolg ist das Ergebnis konsequenter strategischer Arbeit über mehrere Jahre, auch durch anorganisches Wachstum. Unser Kerngeschäft haben wir im Bereich humaner Genanalysen sowie darauf basierender personalisierter Produkte signifikant ausbauen können. Insbesondere die erfolgreiche Internationalisierung durch den Ausbau von Partnerschaften, wie etwa mit 10xHealth in den USA, hat zur Skalierung beigetragen. Wir rechnen für 2026 mit einem Umsatz von rund 65 Mio. EUR und einem positiven EBIT. Unser künftiges organisches Wachstum wollen wir durch die Marktpräsenz in Schlüsselmärkten ausbauen. Neben unseren Aktivitäten in Europa werden wir unsere internationalen Großprojekte mit unseren Kooperationspartnern 10xHealth und M42 (Abu Dhabi) weiter vorantreiben, begleitet von Innovationen im Bereich Diagnostik und Personalized Health. Wir sehen hier für 2027 Umsätze über 100 Mio. EUR und eine EBIT-Marge von mindestens 10 % bei deutlicher Steigerung in den nächsten Jahren. Die Einbindung in das Gesundheitsprojekt in Abu Dhabi, bei dem genetische Tests flächendeckend eingesetzt werden sollen, birgt enormes Potenzial. Welche strategischen Herausforderungen und Chancen sehen Sie in den Vereinigten Arabischen Emiraten? Das Projekt M42 stärkt die bestehende Zusammenarbeit mit internationalen Partnern im Bereich der Nutrigenetik, um neue Standards für personalisierte Ernährung und Longevity zu setzen, und ist ein strategisch bedeutender Meilenstein. Chancen ergeben sich hier in mehrfacher Hinsicht: Wir können unsere Labor- und Produktkompetenz in einem hochskalierbaren Kontext einsetzen, Zugang zu neuen Kundensegmenten gewinnen und eine Plattform schaffen, die sich über die gesamte Golfregion ausdehnen könnte. Zudem positioniert dieses Projekt Darwin im internationalen Wettbewerb als Anbieter für wissenschaftlich fundierte, datenbasierte Personalized-Health-Lösungen mit realer Implementierung. Herausforderungen liegen vor allem im regulatorischen Umfeld und in der Anpassung unserer Angebote an die lokalen Marktgegebenheiten. Die Darwin AG sieht sich in einer komfortablen Liquiditätsposition. Was könnte sich als Hemmschuh erweisen? Unsere solide Bilanz gibt uns Flexibilität, sowohl organisches Wachstum als auch strategische Initiativen zu finanzieren. Gleichzeitig dürfen wir nicht übersehen, dass z.B. geopolitische Unsicherheiten, regulatorische Anforderungen und der zunehmende internationale Wettbewerb im Bereich personalisierter Supplement- und Diagnostiklösungen Herausforderungen darstellen. Hier setzen wir auf vorausschauendes Risikomanagement, Diversifikation in mehreren Märkten, unsere getätigten Investitionen und vor allem eine wissenschaftlich fundierte Produktdifferenzierung, um in einem herausfordernden Marktumfeld erfolgreich zu sein. Einem positiven Jahresüberschuss zum Trotz war der operative Cashflow im Geschäftsjahr 2024 negativ. Ist dies auch für 2025 zu erwarten? Wenn ja – wie erklären Sie diese Diskrepanz? Wir haben in den vergangenen Jahren stark in unsere Software und Digitalisierung investiert. Solche Investitionen können zu einer zeitweiligen operativen Cashflow-Belastung führen, auch wenn das Unternehmen insgesamt profitabel arbeitet. Auch das erste Halbjahr 2025 ist noch vom Ausbau unserer Softwaresysteme geprägt. Im zweiten Halbjahr wurden wesentliche Projekte abgeschlossen, sodass sich die Profitabilität verbessert hat. Im Rahmen unserer Wachstumsstrategie investieren wir weiter in Digitalisierung und verstärkt in unsere Kapazitätserweiterung. Sehr geehrter Herr Dr. Wallerstorfer, vielen Dank für diese interessanten Einblicke. Das Interview führte Christian Euler. |
Zum Interviewpartner

Dr. Daniel Wallerstorfer ist ein österreichischer Biotechnologe und Unternehmer, CEO der DARWIN AG, Gründer von Novogenia und Visionär auf dem Gebiet personalisierter Medizin. Er entwickelte innovative Gentests, KI-gestützte Genomanalyse und personalisierte Gesundheitsprodukte und engagiert sich öffentlich für die Anwendung von Genetik zur Krankheitsprävention und Therapieoptimierung.
Autor/Autorin

Christian Euler
Christian Euler gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de) und ist regelmäßig Autor von Beiträgen und Aktienanalysen. Als Redakteur beschäftigt er sich schon seit über 20 Jahren mit Wirtschaft und Finanzen.




