Bildnachweis: Wiener Börse.

Das Coronavirus  sorgte im ersten Quartal für Turbulenzen an den weltweiten Börsenmärkten. Auch die Wiener Börse verzeichnete starke Preisschwankungen bei hohen Handelsumsätzen. Der Aktienumsatz beträgt im ersten Quartal 21,7 Mrd. EUR – ein Plus von 35,63 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Q1 2019: 16 Mrd. EUR).

Ein kontinuierlicher Handel an den Börsen sei besonders in Krisenzeiten wie aktuell von hoher Bedeutung. Von einem Aussetzen des Handels hält der österreichische Börsenbetreiber derweil nichts.  „Mit Inkrafttreten der zeitlich begrenzten Erweiterung der Leerverkaufsregelung erfolgte von der FMA der richtige Schritt für unseren nationalen Markt. Börsen zu schließen, wäre wie das Fieberthermometer wegzuwerfen, wenn sich hohe Temperatur einstellt. Auch wenn die Märkte heiß laufen, verschwindet die Stärke der börsennotierten Unternehmen nicht von heute auf morgen, davon sind die heimischen Wirtschaftskapitäne genauso überzeugt wie ich“, erklärt Christoph Boschan, Vorstandsvorsitzender der Wiener Börse AG. In einem Brief an Investoren demonstrieren über 80 heimische Top-Manager Zusammenhalt und erinnern an die Stärken und Vorzüge österreichischer Unternehmen.

Hohe Monatsumsätze  

1.Quartal-Handel-Wiener-Börse. Quelle: Wiener Börse.
1.Quartal-Handel-Wiener-Börse. Quelle: Wiener Börse.

Mit 7,2 Mrd. EUR ist der durchschnittliche Monatsumsatz 2020 laut Angaben des Börsenbetreibers so hoch wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Allein im Monat März wurden 10,9 Mrd. EUR umgesetzt – ein Plus von 82,64 % im Vergleich zum März 2019 (5,99 Mrd. EUR). Die umsatzstärksten Handelstage 2020 waren der 20. März mit 777 Mio. EUR (Quartalsverfall) gefolgt vom 9. März (765 Mio. EUR) und dem 28. Februar (748 Mio. EUR). Die umsatzstärksten österreichischen Aktien waren 2020 bisher Erste Group Bank AG mit 3,68 Mrd. EUR, vor OMV AG mit 3,04 Mrd. EUR und voestalpine AG mit 1,92 Mrd. EUR. Auf Platz vier und fünf folgten Raiffeisen Bank International AG (1,79 Mrd. EUR) und Verbund AG (1,45 Mrd. EUR).

Bond Listings verdoppeln sich

Auf der Aktienseite gab es im ersten Quartal 2020 zwei Notierungsausdehnungen im geregelten Markt (S Immo AG und Cleen Energy AG) und zwei im Einstiegssegment (NET Energy Technologies AG und Eyemaxx Real Estate AG) mit einem Gesamtvolumen von mehr als 150 Mio. EUR. Auf der Fremdkapital-Seite gab es mit 313 neuen Bond-Listings doppelt so viele wie im Vorjahr. Mit 229 der neuen Anleihen stammt ein Großteil von internationalen Kunden. Darunter finden sich die BBVA, die zweitgrößte Bank Spaniens und eine der 50 größten Banken weltweit. Seit März listet sie den Großteil ihrer neuen Bonds an der Wiener Börse.

ATX leidet

Die Aktienkurse weltweit leiden unter dem Coronavirus. Der heimische ATX fiel im Jahresverlauf 2020 um 37,19 %. Der einzige Kursgewinner im prime market war Semperit AG mit einem Plus von rund 5 %. Die Marktkapitalisierung der an der Wiener Börse notierten Unternehmen sinkt per 31. März 2020 auf 78,21 Mrd. EUR. Damit fällt der Marktwert der heimischen Unternehmen in etwa auf das Niveau zum Zeitpunkt des Brexit-Referendums in Großbritannien Ende Juni 2016 zurück.

„Ja, Aktienkurse reagieren empfindlich auf Veränderungen von Wirtschafts- und

Christoph Boschan, CEO Wiener Börse
Christoph Boschan, CEO Wiener Börse

Unternehmensprognosen. Seit Bestehen weist der österreichische Leitindex jedoch immer noch eine durchschnittliche jährliche Rendite von 5% auf (im Gegensatz zu 7 % vor zwei Monaten),“ betont Boschan.

Dividendenzahlung – Entscheidung soll bei Unternehmen liegen

In Bezug auf Dividenden entstand die Diskussion, ob in Krisenzeiten Auszahlungen stattfinden sollten. Kapitalgeber profitieren von guten Zeiten, wie zum Beispiel im Vorjahr durch Dividenden, und tragen die Konsequenzen von schlechten Zeiten – wie aktuell mit hohen Kursstürzen und Volatilität. Die Wiener Börse ist überzeugt, dass die Unternehmen im Schulterschluss mit allen Beteiligten selbst am besten wissen, ob und welche Dividendenzahlung möglich bleibt.

 

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redaktionsleitern Kapitalmarktmedien bei der GoingPublic Media AG. Ihre Schwerpunktbereiche liegen bei Themen rund um IPOs, Investor Relations, Unternehmensfinanzierung und den Kapitalmärkten in Österreich und der Schweiz.