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Obwohl Österreichs Volkswirtschaft vom Mittelstand geprägt ist, fliegen viele Small- und Micro Caps bei Investoren unter dem Radar. Mit ihrem neuen Researchprodukt Spotlight Research ist die Raiffeisen Centrobank aus Wien bestrebt, die Aufmerksamkeit auf genau jene Unternehmen zu lenken.

GoingPublic: Herr Maurer, Herr della Torre, erklären Sie doch bitte unseren Lesern zunächst Ihr neues Researchprodukt und wie dies im Zusammenhang zu Small- und Micro Caps in Europa steht.

Maurer: Wir haben ein neues Researchprodukt mit dem Namen Spotlight Research aufgelegt, was sich speziell an europäische Small- und Micro Caps richtet. Viele solcher Unternehmen sind absolute Nischenplayer, bekommen aber oft nicht die Aufmerksamkeit von Investoren, die sie eigentlich verdienen. Das soll sich mit dem neuen Produkt ändern. Dabei werden die wichtigsten Punkte, die für eine Anlageentscheidung bedeutend sind, übersichtlich und unabhängig dargestellt. Wichtig ist zudem, dass es für die Beauftragung unseres Researches völlig egal ist, in welchem Segment oder an welcher Börse das Unternehmen gelistet ist. Das können z.B. österreichische Unternehmen aus dem prime market oder dem neu gegründeten direct market plus sein. Darüber hinaus gibt es zwei Updates pro Jahr, das Research ist uneingeschränkt öffentlich zugänglich und wir geben laufendes Investorenfeedback. Somit fungieren unsere Analysten als Sparringspartner für das entsprechende Unternehmen.

„Hauptproblem für kleine Unternehmen ist, dass Sponsored Research für sie oft sehr teuer ist“.

Naiv gefragt: Wieso lohnen sich Investments in europäische Nebenwerte?

della Torre: Das Interessante für den Investor ist, dass es gerade im Small-und-Micro-Caps-Bereich noch viele „unentdeckte Perlen“ gibt. Anleger haben somit noch die Möglichkeit, diese echten „Perlen“ aufzufinden, die noch deutlich unterbewertet sind. Unser Researchprodukt eignet sich besonders für solche Fälle. Hauptproblem für kleine Unternehmen ist, dass Sponsored Research für sie oft sehr teuer ist. Wir hingegen bieten dem Unternehmen das Research für einen sehr attraktiven Preis. Das Unternehmen kann das Research dann auf seiner Website verschiedenen Stakeholdern frei zugänglich zur Verfügung stellen. Wir geben auch keine Anlageempfehlung und Analystenschätzung. Es ist demnach sehr an die Bedürfnisse von KMU angepasst. Unser Hauptmotiv ist, sich möglichst früh als verlässlicher Begleiter von interessierten Unternehmen zu etablieren.

Das heißt, Sie begleiten die Unternehmen bereits, bevor sie an die Börse gehen?

Maurer: Ja. Der Vorteil ist, dass das Researchprodukt auch für nicht-gelistete Unternehmen geeignet ist. Im Normalfall ist es aber tatsächlich eher so, dass wir das Research für bereits börsennotierte Unternehmen anbieten, die ihre Aufmerksamkeit für Anleger steigern möchten – oder eben für jene, die das Marktsegment wechseln und dadurch ihren Fokus auf neue Investoren legen wollen. Es geht also darum, dem Unternehmen durch unser Research adäquat am Kapitalmarkt zu präsentieren.

della Torre: Ich kann Ihnen zwei Beispiele für klassische Anwendungsfälle von Spotlight Research nennen. Ein Unternehmen mit einer Market Cap von ca. 10 Mio. EUR hat in den letzten Jahren Restrukturierungsmaßnahmen durchgeführt und möchte wieder am Kapitalmarkt aktiv werden. Dafür ist unser Produkt genau das Richtige. Oder nehmen Sie ein Unternehmen mit einer Market Cap von 100 Mio. EUR, jedoch einem sehr geringen Free Float. Der Streubesitz soll mittel- bis langfristig deutlich erhöht werden, weshalb das Unternehmen schon jetzt seine Visibilität am Kapitalmarkt durch unser Spotlight Research steigern möchte. Der Investor bekommt durch das Produkt einen schnellen Überblick über die aktuelle Lage des Unternehmens und kann demnach gezielt seine Anlageentscheidung fällen.

„Erst wenn überhaupt Research zu einem Unternehmen existiert, befindet sich dieses auf dem Radar von Investoren.“

Wieso fallen Small- und Micro Caps oftmals unters Radar, wo sie doch so viel Potenzial bergen?

della Torre: Investoren interessieren sich in der Regel für hochliquide und hochkapitalisierte Unternehmen, weshalb kleinere Unternehmen oftmals nicht viel Aufmerksamkeit erhalten. Zusätzlich belastet uns immer noch die mehr als zehn Jahre zurückliegende Finanzkrise. Assetmanager achten seitdem besonders auf die Liquidität einer Aktie, weshalb kleinere Titel oftmals unters Radar fielen. Dennoch gibt es im Gegenzug zum Glück immer noch genügend Anleger, die auf weniger liquide und entwickelte Marktsegmente schauen. Wie bereits erwähnt gibt es dort viele unentdeckte Perlen. Diese versuchen wir mit gezieltem Research zu finden. Jeder Investor kann sich dieses öffentliche Research anschauen und damit einen Überblick über den Markt bekommen. Für das Unternehmen bietet sich damit ein tolles Kommunikationstool, das alle Stakeholder – seien es Investoren, Mitarbeiter etc. – bedient.

Maurer: Die Rolle des Analysten im Rahmen unseres neuen Produkts sollte hier nochmals besonders betont werden. Der Analyst gilt in dem Fall als Multiplikator, der durch stetigen Kontakt zum Investor die Aufmerksamkeit am entsprechenden Unternehmen erhöht. Erst wenn ein Unternehmen vom Researchhaus vermarktet wird, wird auch dadurch Investoreninteresse generiert. Somit gilt: Erst wenn überhaupt Research zu einem Unternehmen existiert, befindet sich dieses auf dem Radar von Investoren.

Welche Bedeutung hat der Mittelstand für Österreichs Wirtschaft generell?

Maurer: Die österreichische Wirtschaft ist noch stärker als der deutsche Markt vom Mittelstand geprägt. Bezogen auf die Börsenlandschaft haben wir nur eine Handvoll Unternehmen, die eine Marktkapitalisierung von über 5 Mrd. EUR aufweisen. Der Leitindex besteht demnach bereits aus vielen Mid Caps, zumindest aus internationaler Investorensicht betrachtet.

„Der Trend geht ganz nachweislich vom aktiven zum passiven Assetmanagement.“

… und wünschen Sie sich demnach mehr kleine Unternehmen an der Börse?

della Torre: Prinzipiell wünsche ich mir erst mal möglichst viele Unternehmen unterschiedlicher Größe an der Wiener Börse. Spotlight Research richtet sich ja wie bereits erwähnt vor allem an Small- wie auch Micro Caps und soll deshalb diesen auch das Börsenparkett schmackhaft machen. In Zeiten einer abschwächenden Weltwirtschaft ist eine solide Eigenkapitalausstattung eine gute Basis, langfristiges Wachstum zu finanzieren. In den Vereinigten Staaten gibt es viele Private-Equity-Investoren, die sich speziell auf solche kleinen und mittelständischen Unternehmen fokussiert haben. Die Private-Equity-Kultur haben wir hier in Österreich leider nicht in diesem Ausmaß, weshalb die Wiener Börse nach wie vor die ideale Basis für eine gesunde Eigenkapitalfinanzierung bietet.

Welche Trends und Herausforderungen können Sie neben zunehmender Regulatorik noch am Researchmarkt identifizieren?

Maurer: Der Trend geht ganz nachweislich vom aktiven zum passiven Assetmanagement. Da kleine Unternehmen meist nicht in wichtigen Indices oder Benchmarks vertreten sind, können diese von wachsenden Volumen passiver Veranlagungsprodukten kaum profitieren. Daher ist die Vermarktung dieser Small- und Micro Caps mit einem passenden Researchprodukt besonders wichtig.

Ist der direkt marktet plus, dessen Startschuss Anfang des Jahres fiel, ein guter Weg, mehr kleine Unternehmen an die Börse zu locken?

Maurer: Selbstverständlich. Das neue Segment bietet gerade Small- und Micro Caps eine gute Gelegenheit, erste Börsenluft zu schnuppern, um später bei entsprechendem Wachstum und durch mögliche Kapitalerhöhungen in ein höheres Börsensegment wie den prime market zu wechseln. Man kann auch bereits beobachten, dass viele Unternehmen durch diese vereinfachte Börsenzulassung und geringere Kosten sich verstärkt für eine potenzielle Börsennotierung interessieren. Die Einstiegshürden sind verringert worden, weshalb die Realisierung eines IPOs leichter geworden ist. Die Wiener Börse hat aber trotz dieser niedrigeren Hürden klare Transparenzregeln und Qualitätskriterien aufgestellt, was in diesem Segment natürlich extrem wichtig ist. Wir begrüßen dieses Segment daher sehr.

Herr Maurer, Herr della Torre – danke, dass Sie uns Rede und Antwort standen!

Interview: Svenja Liebig. Das Interview ist eine Vorabveröffentlichung der Specialausgabe „Kapitalmarkt Österreich 2019“, die demnächst erscheint.

 

 

 

Über den Autor

Bernd Maurer, Raiffeisen Centrobank

Bernd Maurer

Bernd Maurer leitet den Bereich Company Research der Raiffeisen Centrobank AG seit 2017. Sein Team von 18 Analysten in Wien & CEE vereint langjährige Erfahrung, lokales Markt-Know-how sowie Expertise in wesentlichen Sektoren und berichtet über ca. 120 Aktien in Österreich & Osteuropa (inkl. Russland). Maurer trat 2005 in die Raiffeisen Centrobank ein.

Klaus della Torre, Raiffeisen Centrobank

Klaus della Torre

Klaus della Torre verantwortet seit 2019 den Bereich Equity Sales & Sales Trading bei der Raiffeisen Centrobank AG. In seiner Funktion leitet er sowohl den Bereich Wertpapierhandel als auch die Corporate-Access-Aktivitäten, wie Investorenkonferenzen und Roadshows. Della Torre begann seine Karriere bei der Raiffeisen Centrobank im Jahr 2002.