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Bildnachweis: United Internet.

Die von Ralph Dommermuth mitgegründete und seit über 20 Jahren an der Börse notierte United Internet AG beginnt in Kürze mit dem Aufbau eines eigenen 5G-Netzes. Damit will sich das Unternehmen aus Montabaur als vierter deutscher Netzbetreiber etablieren.

Unternehmenshintergrund

Nach der Gründung der 1&1 EDV-Marketing GmbH 1988 durch Ralph Dommermuth und Wendelin Abresch und der Umfirmierung 1998 in United Internet folgte im März 1998 der Börsengang (mit einem Zeichnungsgewinn von 200%). Fortan wuchs das Unternehmen kontinuierlich, dabei stets auch durch Übernahmen wie WEB.DE, united-domains AG, freenet AG, STRATO sowie 74,9% an der Versatel GmbH und 73% an Drillisch.

Heute ist United Internet (MDAX) ein europaweit diversifizierter Internetkonzern mit etwa 10.000 Mitarbeitern und bietet Privat- wie auch Geschäftskunden Abonnements für festnetz- und mobilfunkbasierte Internetservices und Cloudapplikationen. Die Geschäftsbereiche unterscheiden sich in Consumer/Business-Access und -Applications. Das Access-Segment wird unter anderem durch die Marken 1&1 und 1&1 Versatel vertrieben, das Applications-Segment über GMX und WEB.DE sowie im Geschäftskundenbereich via IONOS und STRATO. Insgesamt kommt United Internet weltweit auf 25 Mio. Kundenverträge und knapp 40 Mio. Free Accounts. Gründer Dommermuth ist nach wie vor Mehrheitseigner.

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5G-Netzaufbau startet noch 2021

Während United Internet in der Vergangenheit Netzkapazitäten bei bestehenden Betreibern einkaufte, hatten diese zuletzt kaum Interesse mehr an Wettbewerbern ohne eigenes Netz. Seit der mehrheitlichen Übernahme von Drillisch, die vor dem Hintergrund erfolgte, dass Telefónica auf Drängen der EU 2014 bis zu 30% der Netzkapazität an einen Wettbewerber verkaufen musste, um E-Plus übernehmen zu dürfen, baut United Internet ein eigenes Mobilfunknetz in Deutschland. Zu diesem Zweck hat das Unternehmen 2019 für rund 1 Mrd. EUR 5G-Frequenzen ersteigert. Mit der Ersteigerung sind Verpflichtungen verbunden: Bis Ende 2022 müssen 1.000 5G-Antennen gebaut und eine Haushaltsabdeckung von 25% bis Ende 2025 bzw. 50% bis Ende 2030 erreicht sein. Der Zugriff auf die Frequenzen besteht zunächst bis 2034. Den Startschuss für den Aufbau der ersten eigenen Mobilfunkmasten plant United Internet noch in diesem Jahr.

Netzfunktionen in der Cloud

Gebaut werden soll ein modernes Netz mit neuester Architektur, das durch Open RAN mit verschiedenen Netzwerkausrüstern kombiniert werden kann. Sämtliche Netzfunktionen liegen dabei in der Cloud und werden über zentrale wie auch dezentrale Rechenzentren gesteuert und verbunden. United Internet setzt somit nicht auf geschlossene und proprietäre, sondern auf herstellerunabhängige, offene Netze.

Darüber hinaus investiert das Unternehmen aktuell auch verstärkt in den Ausbau des Glasfasernetzes. Gemeinsam mit Morgan Stanley Infrastructure wurde zuletzt Tele Columbus übernommen, um in den kommenden Jahren aus dem TV-Kabel- einen Glasfaseranbieter zu machen. Auch das Cloudinfrastrukturgeschäft von IONOS soll ausgebaut werden. Für IONOS ist zudem in etwa zwei Jahren ein IPO avisiert.

Umsatz über den Erwartungen

Nach einem durchwachsenem Jahr 2020 bei einem Umsatz von 5,2 Mrd. EUR (+3,3% ggü. 2019) und einem Rückgang beim EBITDA um gut 5% auf knapp 1,2 Mrd. EUR ist United Internet besser als erwartet ins Geschäftsjahr 2021 gestartet. Durch den Zuwachs an Verträgen auf nun insgesamt fast 26 Millionen Kunden steigerte sich der Umsatz um 4,7% im ersten Quartal 2021 auf fast 1,4 Mrd. EUR. Das EBITDA erhöhte sich gegenüber dem Vorjahresquartal wieder um 3,8% auf 347 Mio. EUR. Umsatz und operativer Gewinn fielen etwas höher aus als von Analysten erwartet.

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Anfang 2021 wurde auch die we22 AG übernommen, die Software zur Erstellung, Pflege und zum Hosting von Webseiten für Unternehmen und Freiberufler entwickelt. Produkte und Services von we22 sollen künftig IONOS-Kunden zur Verfügung stehen.

Die Kosten für den Bau des 5G-Netzes beliefen sich auf 7,2 Mio. EUR, die Investitionen ins Cloudgeschäft von IONOS auf 10 Mio. EUR. United Internet bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr 2021 und erwartet ein Umsatzwachstum auf etwa 5,5 Mrd. EUR sowie einen EBITDA-Anstieg auf ca. 1,22 Mrd. EUR. In der ersten Augustwoche wird der Halbjahresbericht erwartet.

Stärken & Herausforderungen

+ Abonnementbasierte Kundenverträge bieten stabile Cashflows
+ dynamische Marktentwicklung vor allem beim mobilen Internet und Cloudapplikationen
+ starke Positionierung im Access-Geschäft durch Kombination eigener Infrastruktur mit standardisierten Netzleistungen
+ breite Abdeckung der Wertschöpfungskette im Applikationengeschäft

– Netzqualität von Telefónica hinkt im ländlichen Raum noch hinterher
– Ersteigerung der Frequenzen nur für kurze Distanzen, das Angebot für ab 2025 zu versteigernde Flächenfrequenzen ist sehr begrenzt

Aktienentwicklung

Nachdem die Aktie Anlegern bis Mitte 2018 im Großen und Ganzen stets Kurssteigerungen beschert hatte (Startkurs 1998: 2,50 EUR) und bis auf fast 60 EUR geklettert war, ging es seitdem eher bergab. Derzeit mäandert das Papier bei 35 EUR. Die breit gestreute Analystencoverage kommt aber mehrheitlich zum Schluss, dass United Internet ein Kauftitel sei, bei einigen Halten-Empfehlungen. Das Kursziel schwankt dabei zwischen 35 und 55 EUR.

Wie bei den großen Telco-Playern üblich, bieten die Kennzahlen auch vergleichsweise gute Werte. Die Marktkapitalisierung wird für 2021 im Verhältnis zum Umsatz auf den geringen Faktor 1,43 geschätzt, für 2022 wird eine Ratio von sogar nur 1,36 taxiert. Die KGVs sind bei Schätzungen von 16,3 für 2021 und 15,9 für 2022 entsprechend ebenso moderat. United Internet und Drillisch schütteten auch stets hohe Dividenden aus – durch den begonnenen Netzausbau mussten diese allerdings etwas eingedampft werden.

Letztlich bleibt der Fortschritt beim Ausbau des eigenen Netzes der maßgebliche Treiber für die Aktienentwicklung. Sollte der Start 2021 noch gelingen, besteht Aufwärtspotenzial. Der Weg zurück bis auf 60 EUR dürfte aber noch zäh werden. Die Investitionen werden die Profitabilität wohl in nächster Zeit auch noch auf den aktuell eher moderaten einstelligen Niveaus halten.

Über den Autor

Ike Nünchert

Ike Nünchert ist freier Autor für das GoingPublic Magazin sowie für GoingPublic Online.