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Bildnachweis: Northern Data, Nothern Data.

Aroosh Thillainathan*, CEO der Northern Data AG, einem der führenden Unternehmen im High Performance Computing (HPC), erklärt im Interview die Gründe des jüngsten Nachfrageplus. Zudem spricht er über den Entwicklungshorizont und Herausforderungen der Branche.

Herr Thillainathan, einmal in eigenen Worten bitte: Was macht die Northern Data?

Die Northern Data AG entwickelt und betreibt globale Infrastrukturlösungen im Bereich High Performance Computing, HPC. Wir liefern und betreiben für unsere Kunden Rechenleistung für HPC-Anwendungen in Bereichen wie Bitcoin Mining, Künstliche Intelligenz, Blockchain, Big Data Analytics, IoT oder Rendering. Für unser heutiges Standing können wir auf tiefes Knowhow zurückgreifen, das wir in rund acht Jahren erworben haben. Während dieser Zeitspanne haben wir die technologische Erfahrung gesammelt, Rechenzentren für HPC zu entwickeln, zu bauen und sehr effizient zu betreiben.

Wer sind die Kunden, wer nutzt diese Power?

Unsere Kunden sind in der Regel globale Konzerne. Das Wachstum von Northern Data verdanken wir primär der Tatsache, dass wir zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Konzept am Markt gestartet sind. Die Folge: Heute treffen wir auf eine massive Nachfrage nach HPC-Rechenkapazitäten. 2020 war das erste Geschäftsjahr der neuen AG, die aus dem Zusammenschluss zweier Vorläufergesellschaften hervorgegangen ist: aus der Northern Bitcoin AG und der Whinstone US Inc.

Sie betreiben zurzeit Hochleistungsrechenzentren in Nordamerika, in Skandinavien sowie den Niederlanden. Wozu diese Streuung, und gibt es dabei große regionale Besonderheiten, die man kennen sollte?

Unsere Suche nach den besten Standorten ist weltweit ausgerichtet, dabei geht vor allem um Aspekte der Energieversorgung. Zu einem global orientierten Unternehmen gehört es aber auch, verschiedene Regionen der Welt abzudecken, um so auch Kundenbedürfnisse hinsichtlich Sicherheit, Latenz oder Redundanz zu bedienen. Unser Geschäftsmodell zielt auch darauf ab, möglichst nah an den Bedürfnissen der Kunden, die mittlerweile aus hochdivergenten Branchen kommen, anzusetzen. Dabei ist die Möglichkeit, unter verschiedenen Standorten wählen zu können, ein Angebot, das von den Kunden gerne angenommen wird. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil unserer europäischen Standorte liegt beispielsweise darin, dass sie nicht dem amerikanischen ‚Patriot Act‘[1] unterliegen.

Die ursprüngliche Anwendung war ja Bitcoin-Mining. Ist das heute immer noch so, und welche anderen Anwendungsmöglichkeiten sehen Sie, möglicherweise auch in ferner Zukunft?

In der Vergangenheit waren Blockchain und Bitcoin-Mining sicherlich die ersten Anwendungsfelder für HPC. Kunden aus diesem Bereich fordern konstant hohe Rechenleistungen an. Die aktuelle Entwicklung rund um den Bitcoin-Hype hat diese Nachfrage noch einmal verstärkt. Immer mehr Branchen profitieren außerdem von künstlicher Intelligenz mit Deep Learning und maschinellem Lernen sowie Big-Data-Analysen. Auch hier werden extrem hohe Rechenleistungen benötigt, die anders als Bitcoin-Mining aber nicht auf ASICS-Chips, sondern auf Grafikprozessoren, den sogenannten GPUs, beruhen.

Gibt es weitere Beispiele?

Ja, so wächst der Bedarf nach HPC-Lösungen in vielen Branchen. Denken Sie nur an die Simulation von Prototypen oder Crashtests in der Automobilbranche. Oder im medizinischen Bereich: Hier wird Rechenleistung on top für die Entwicklung von Arzneimitteln gebraucht. HPC hat dort insofern einen entscheidenden Beitrag für die schnelle Verfügbarkeit eines Corona-Impfstoffes geleistet. Auch beim Rendering von Filmen wird eine enorme Rechenleistung gebraucht, gerade für alle möglichen Animationen, um beispielsweise ausgestorbene Urzeitlebewesen auf der Leinwand zu neuem Leben zu erwecken. Nicht zuletzt brauchen wir HPC im Finanzsektor, zum Beispiel für die Betrugserkennung – die Beispiele sind so unterschiedlich wie zahlreich. So gesehen werden GPU-basierte HPC-Projekte schon in sehr vielen Industriezweigen genutzt und werden ebenfalls am Standort Deutschland eine immer wichtigere Rolle spielen. Schon Deep Learning wird laut Experten bis spätestens 2040 starke 30 Bio. USD zur Kapitalisierung des globalen Aktienmarkts beitragen. Ein extremes Potential also für HPC-Lösungen.

Rechenzentren müssen ja auch immer wieder ziemlich Schelte einstecken eben wegen ihres Stromverbrauchs. Lässt sich das so aufsetzen, dass Sie Klimaschützern etwas den Wind aus den Segeln nehmen können?

Das Thema Energieeffizienz ist einer der wichtigsten Bausteine unseres Geschäftsmodells. Wir legen einen hohen Wert darauf, unsere HPC- Infrastruktur so energieeffizient wie nur möglich zu betreiben. Diesen ressourcenschonenden Ansatz verwirklichen wir hauptsächlich auf Basis zweier Faktoren. Auf der einen Seite überwacht und steuert eine von uns entwickelte künstliche Intelligenz in unseren Rechenzentren jeden einzelnen Server. Darüber hinaus steuern wir mit einem eigenen System gezielt die hohe Abwärme, die bei unseren HPC-Anwendungen auftritt. Die Folge: Wir halten unsere PUE-Werte, die Energieeffizienz, auf einem Level von 1,1 und darunter. Teilweise sind wir schon bei 1,03. Branchenüblich ist ein Wert von 1,6.

…da müssten Sie glaube ich nochmal etwas ausführen…

Gern, der PUE-Wert steht für die Power Usage Effectiveness und zeigt das Verhältnis des Gesamtenergieverbrauchs einer HPC-Anlage zu der tatsächlich rein für das Rechnen genutzten Energie. Je näher bei 1, desto effizienter. Im Übrigen entwickeln wir auch die Hardware, die wir einsetzen, abgestimmt auf die jeweilige Aufgabe, mit unseren Partnern AMD und Gigabyte. Auch damit können wir beträchtliche Mengen an Energie sparen. Was die Umweltrelevanz betrifft, sind wir bestrebt, vorrangig erneuerbare Energien zu nutzen: Das ist insbesondere an unseren skandinavischen Standorten der Fall.

Es gab 2020 die eingangs erwähnte Fusion mit Whinstone, so dass Northern Data heute eine ganz andere Company ist als vor zwei Jahren. Sind Sie jetzt weiterhin in der Wachstumsphase, oder beginnt schon die Erntephase hinsichtlich Geschäftszahlen und Stoßrichtung?

Wir sind tatsächlich ein komplett anderes Unternehmen als noch vor zwei Jahren, weil wir nicht mehr auf eigene Rechnung den Bitcoin schürfen, sondern HPC-Rechenleistung für unsere Kunden erbringen. Dazu gehören auch Kunden, die Bitcoin-Mining betreiben. Darüber profitieren wir ebenfalls vom steigenden Bitcoin-Kurs. Wir befinden uns weiterhin in der Wachstumsphase. Sie wird zum einen getrieben von der extremen Nachfrage nach HPC-Rechenleistung, sowie zum anderen von unserer Expertise, unseren Kunden diese Rechenleistung zugeschnitten auf die jeweilige Aufgabe, schnell, skalierbar und vor allem kostengünstig anzubieten. Wir sehen uns dabei in einer permanenten Weiterentwicklung, unseren Kunden bestmögliche Lösungen anzubieten und global weiter an Handlungsfähigkeit zu gewinnen. Unser Ziel bleibt es, bestimmte Standorte auszubauen und neue zu erschließen, um unseren Anspruch auf eine Führungsposition zunehmend deutlicher zu machen.

Herr Thillainathan, ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit und die interessanten Einblicke!

Aroosh Thillainathan

*) Gebürtig stammt Aroosh Thillainathan aus dem hessischen Hanau. 2014 gründete Thillainathan die Whinstone Group und leitete sie als Managing Director. 2020 wurde er Gründer und CEO der Northern Data AG.

[1] Gesetz des US-Kongresses, das von US-Präsident George W. Bush am 26. Oktober 2001 unterzeichnet wurde. Der Patriot Act wurde nach ‚9/11‘ verfasst, um die nationale Sicherheit der USA drastisch zu verschärfen, insbesondere in Bezug auf ausländischen Terrorismus.

Über den Autor

Falko Bozicevic ist Mitglied des Redaktionsteams des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für das Portal BondGuide (www.bondguide.de)