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Die Turbulenzen an den Börsen zwingen die große Container-Reederei, ihre ursprünglichen Börsenpläne zu verkleinern. Noch vor wenigen Wochen sollten sie 1 Mrd. EUR einspielen, jetzt gibt man sich auch mit 265 Mio. EUR zufrieden.

Börsengang
Das Angebot besteht aus bis zu 15,7 Mio. Aktien. Sie können noch bis zum 27. Oktober gezeichnet werden. Bis zu 11,5 Mio. neue Wertpapiere kommen aus einer Kapitalerhöhung. Die genaue Zahl richtet sich nach dem Ausgabepreis, Hapag-Lloyd will durch den Börsengang insgesamt 265 Mio. EUR einnehmen. Außerdem sollen bis zu 4,2 Mio. Aktien des Großaktionärs TUI im Rahmen einer Mehrzuteilung platziert werden. Die Preisspanne liegt zwischen 23 und 29 EUR. Ab 30. Oktober sollen die Aktien im Prime Standard der Frankfurter Börse notieren. Hapag-Lloyd wäre dann an der Börse zwischen 2,7 und 3,4 Mrd. EUR wert. Nach dem IPO sollen sich maximal 14% der Aktien im Streubesitz befinden. Bereits vor viereinhalb Jahren hatte der Konzern Börsenpläne: Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima wurden diese zunächst eingefroren.

Drei Hauptaktionäre bleiben langfristig
Die chilenische Reederei CSAV hält einen Anteil von 34% an Hapag-Lloyd, der Unternehmer Klaus-Michael Kühne (Kühne & Nagel) ist mit 21% beteiligt, die Stadt Hamburg mit 23%. Rund 14% gehören dem Reisekonzern TUI, der als einziger Großaktionär jetzt einen Teil abgeben will. Die drei anderen Hauptaktionäre haben sich für zehn Jahre an das Unternehmen gebunden. Berenberg, Deutsche Bank und Goldman Sachs International begleiten den Börsengang als Joint Global Coordinator und Joint Bookrunner. Weitere Joint Bookrunners sind Citigroup, Crédit Suisse, HSBC und UniCredit. Als Co-Lead Managers wurden DZ Bank, ING und M.M.Warburg & CO mandatiert. Finanzielle Unterstützung bekommt die Reederei von ihren Großaktionären CSAV und Kühne: Beide haben zugesagt, für je 26 Mio. EUR neue Aktien zu kaufen. Dadurch ist bereits gut ein Fünftel der Emission abgesichert.

Unternehmen
Hapag-Lloyd gehört zu den großen Container-Reedereien in der Welt. Durch den Erwerb des Containerschifffahrtsgeschäfts der chilenischen Reederei CSAV im Jahr 2014 ist die Gesellschaft zur nach Kapazität weltweit viertgrößten Reederei aufgestiegen. Das Unternehmen besitzt ein ausgewogenes Portfolio von Handelsrouten, was vor ungünstigen Marktentwicklungen auf einzelnen Routen schützt. Die Flotte besteht aus 188 Containerschiffen mit einer Gesamtkapazität von etwa 1 Mio. TEU (Standardcontainer). Nach Marktanteilen gehört Hapag-Lloyd zu den Marktführern bei den atlantischen und lateinamerikanischen Handelsrouten mit einer starken Präsenz in den Fahrtgebieten Fernost und Transpazifik. Durch die Mitgliedschaft in der G6 Alliance, weltweit die zweitgrößte Allianz, erreicht der Konzern wichtige Größenvorteile, um sich im fragmentierten Weltschifffahrtsmarkt zu behaupten.

 

Hapag-Lloyd AG
2013 2014 2015e 2016e
Umsatz *) 6.567 6.808 9.600 10.000
Nettoergebnis *) -97,4 -603,7 -55,0 5,0
EpS -0,84 -5,19 -0,47 0,04
KGV min. neg. neg. neg. n. ber.
KGV max. neg. neg. neg. n. ber.
*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: GoingPublic Research

 

Geschäftszahlen
Im Geschäftsjahr 2014 erwirtschaftete Hapag-Lloyd einen Nettoverlust von 604 Mio. EUR. Neben schlecht laufenden Geschäften ist er auf Sondereffekte wegen der Fusion mit CSAV zurückzuführen. Zudem gab es Abschreibungen bei 16 älteren Schiffen. Im 1. Halbjahr 2015 stieg die Transportmenge wegen der Zusammenlegung mit dem CSAV-Containergeschäft gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 29% auf rund 3,7 Mio. TEU. Der Umsatz wuchs um fast die Hälfte auf etwa 4,7 Mrd. EUR. Durch die Fusion will Hapag-Lloyd jährliche Synergien von rund 350 Mio. EUR bis 2017 realisieren.

Mittelverwendung
Laut Vorstandschef Rolf Habben Jansen sind für den Börsengang drei Gründe entscheidend: „Wir brauchen das Geld für weiteres Wachstum, unser operatives Geschäft hat sich gut entwickelt und wir haben die Unterstützung der Gesellschafter.“ Für 175 Mio. EUR will er Schiffe erwerben, 90 Mio. EUR sind für Container eingeplant, von denen die meisten bisher nur gemietet sind. Damit will Jansen die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Hinzu kommt, dass Hapag-Lloyd bei der Zusammenlegung der Container-Sparten mit CSAV die Zusage für eine Kapitalspritze gegeben hatte. Das IPO erfüllt auch den Zweck, dieses Versprechen einzulösen.

Fazit
Durch die Fusion mit der ebenfalls defizitären chilenischen Reederei CSAV will Hapag-Lloyd seine Talfahrt seit der Finanzkrise beenden. In einem Markt mit stark umkämpften Preisen können größere Konzerne mit geräumigeren Schiffen Kosten sparen und ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Als Folge der Fusion soll das Transportgeschäft 2015 wieder schwarze Zahlen schreiben. Problematisch ist allerdings, dass auch die Containerraten im vergangenen Jahr um 4% gesunken sind. Und auch die so genannten Bunkerkosten (z.B. für Treibstofflagerung) sind bei Hapag-Lloyd höher als bei Konkurrenten. Wegen des schwierigen Geschäfts und hohen Jahresverlustes war das Investoreninteresse bisher weniger groß. Das Unternehmen hat deshalb die Preisspanne bereits deutlich reduziert.

Hapag-Lloyd AG Emissionsparameter
WKN HLAG47
Zeichnungsfrist vsl. bis 27. Oktober
Erstnotiz vsl. 30. Oktober
Preisspanne 23 bis 29 EUR
MarketCap 2,7 Mrd. bis 3,4 Mrd. EUR
Marktsegment Frankfurt/Main (Prime Standard)
Emissionsprospekt ja
Emissionsvolumen 362 Mio. bis 456 Mio. EUR
Konsortium Berenberg, Dt. Bank, Goldman Sachs (Joint Gl. Coord., Joint BRs)
Citigroup, Credit Suisse, HSBC, UniCredit Bank (Joint BRs);
DZ Bank, ING, M.M.Warburg & CO (Co-Lead Managers)
Free Float max. 14%

 

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