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Auf Deutschlands schnellste – gleichwohl stärkste – Rezession seit der Nachkriegszeit, folgt auch der schnellste Aufschwung der Geschichte. Von Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa

Der ifo Index hat im August nochmals zugelegt: Der Index stieg von 90,4 Punkten auf 92,6 Punkte. Dabei hat sich vor allem die Beurteilung der aktuellen Lage kräftig verbessert (von 84,5 auf 87,9 Punkte) während die Geschäftserwartungen nur geringfügig zulegten (von 96,7 auf 97,5 Punkte). Diese sind inzwischen so gut, dass die „ifo-Uhr“ den Aufschwung bereits hinter sich gelassen hat und sich Deutschland nun „offiziell“ schon wieder im Boom befindet. Das ist sicherlich die merkwürdigste konjunkturelle Entwicklung, die Deutschland je genommen hat: Die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte dauerte kaum drei Monate und die folgende Erholung nur einen Monat.

Auch wenn man Deutschland insgesamt ein gutes Zeugnis ausstellen muss, sowohl was die Bewältigung der Pandemie als auch die des wirtschaftlichen Schadens betrifft, so bleibt die Frage, ob es jetzt so gut weitergeht. Die anziehenden Infektionszahlen lassen Politiker bereits wieder über Reisewarnungen und andere Verschärfungen der Gegenmaßnahmen nachdenken, obwohl – Gott sei Dank – die Anzahl der Todesfälle in Europa weiterhin sehr niedrig ist.

Gleichwohl sollte all das nicht darüber hinwegtäuschen, dass vor Deutschland und Europa insgesamt noch ein sehr weiter Weg liegt, bis alles wieder ganz beim Alten ist. Von jetzt an dürfte die Dynamik der Entwicklung nachlassen. Die Zahlen zum deutschen Bruttoinlandsprodukt heute Morgen zeigen, welch tiefe Spuren der Einbruch im Gefüge der deutschen Wirtschaft hinterlassen hat – nicht zuletzt in den öffentlichen Finanzen.