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Großbritannien lässt den zweiten Impfstoff gegen das Coronavirus zu. Schon ab 4. Januar sollen die Briten sich mit dem Wirkstoff des heimischen Pharmaunternehmens AstraZeneca impfen lassen können – dem Aktienkurs der Firma tut das gut, im frühen Handel steigt das Papier um 2%. Anders sieht es bei der Konkurrenz aus: Vor allem CureVac kommt in Bedrängnis – werden die Tübinger im Impfstoff-Rennen abgehängt?

Mit dem heutigen Tag haben drei Impfstoffe gegen das Coronavirus eine Zulassung: Das Vakzin von BioNTech und Pfizer ist in Großbritannien, der EU und den USA zugelassen, die US-amerikanische Firma Moderna hat in den USA bereits eine Zulassung, die EU will zügig folgen. Und jetzt ist auch der Impfstoff von AstraZeneca im ersten Land zugelassen – Großbritannien will bereits ab 4. Januar mit dem Wirkstoff impfen. Die Eindämmung der Corona-Pandemie hat eine neue Phase erreicht. Das Bild ist ein anderes, als noch kurz vor Weihnachten.

Investoren reagieren auf die Entwicklungen. Die Aktien von BioNTech und Moderna notieren etwa ein Drittel unter bisherigen Höchstständen. Händler erklären die Verluste mit Gewinnmitnahmen, nachdem die Impfkampagnen nun tatsächlich angelaufen sind. BioNTech erreicht damit noch eine MarketCap von 16 Mrd. EUR, Moderna von 33 Mrd. EUR. Die Aktie von AstraZeneca hingegen legte heute im frühen Handel nach der frohen Zulassungsbotschaft erwartungsgemäß um 2% zu.

Unbestritten verschärft sich das Rennen um den Impfstoff. Vor allem die Hersteller, die noch in der Entwicklung festhängen, geraten unter Druck – allen voran das Tübinger Biotech CureVac. Am gestrigen Dienstag verlor die Aktie des Unternehmens fast 12%. Vergleicht man den Kurs mit dem Spitzenwert aus dem Dezember, hat das Papier beinahe die Hälfte seines damaligen Wertes verloren.

Wie BioNTech und Moderna entwickelt CureVac einen Impfstoff aus mRNA. Anders als die beiden Wettbewerber haben die Tübinger die entscheidende Phase 3-Studie aber erst Mitte Dezember gestartet. Mit Daten ist nicht vor März 2021 zu rechnen, eine Zulassung ist damit erst Ende des ersten Quartals oder Anfang des zweiten Quartals des kommenden Jahres realistisch.

Nun hat auch AstraZeneca CureVac überholt – obwohl die Briten durchaus nicht ohne Probleme durch die Impfstoffentwicklung gekommen sind. Anders als die Vakzine von BioNTech, Moderna und CureVac ist das Mittel von AstraZeneca durchschnittlich nur zu 70% wirksam. Zwei verschiedene Dosierungsvarianten führten zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen, was das Vertrauen in den Impfstoff nicht nährte. Inzwischen habe man aber eine Dosierung gefunden, die die Wirksamkeit des eigenen Impfstoffs auf das hohe Niveau der anderen Produkte bringen, erklärte AstraZeneca kurz vor der Zulassung durch Großbritannien.

Zudem hat das Mittel der Briten auch entscheidende Vorteile: Es basiert eben nicht auf mRNA sondern einer abgeschwächten Form eines Erkältungsvirus von Schimpansen, wirkt zweifach und soll sowohl die Bildung von Antikörpern als auch von T-Zellen fördern. Außerdem ist der Impfstoff einfacher in der Anwendung: Es reicht, ihn bei Kühlschranktemperaturen zu lagern – dadurch fallen die komplizierten Kühlketten weg, die bei den mRNA-Varianten nötig sind.

Ebenfalls im Rennen um die nächste Zulassung sind der US-Konzern Johnson&Johnson, der ebenfalls einen Impfstoff auf Basis modifizierter Viren entwickelt, sowie das Biotech Novavax, das an einem proteinbasierten Impfstoff arbeitet. Beide Hersteller rechnen im Februar mit Daten aus ihren groß angelegten Studien. Sind die Ergebnisse positiv, werden auch diese beiden Unternehmen schneller sein als CureVac. Allein, um Abnehmer brauchen sich die Tübinger dennoch keine Sorgen zu machen – die EU hat 225 Millionen Dosen des Impfstoffs geordert. Sie wird noch eine Weile darauf warten müssen.