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Nächste Woche beginnt die Zeichnungsfrist für die KMU-Anleihe von Werder Bremen. Parallel dazu geht es in den Saisonendspurt an den letzten beiden Wochenenden.

Im Wertpapierprospekt für die Emission der Anleihe musste in den letzten Wochen wegen nun wieder akuten Möglichkeit eines – finanziell wenig erquicklichen – Abstiegs in die Zweite Liga nochmals nachgebessert werden. Ein mögliches Insolvenzrisiko oder Auflagen der DFL wie ein Punktabzug wurden als mögliche Risiken zusätzlich aufgenommen bzw. betont.

Problem: Eine Anleiheemission ist weiteres Fremdkapital, aber nicht Eigenkapital. Sie kann helfen, einer Liquiditätskrise zuvorzukommen, hilft der Bilanz aber nicht. Bereits 2020 hatten die Hanseaten einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von über 30 Mio. EUR zu verkraften.

In dieser Saison kommen pro Heimspiel ohne Zuschauer mehr als 1 Mio. EUR Fehlbetrag hinzu, in Summe 18 bis 19 Mio. EUR aufgrund von Geisterspielen.

Werders Plan sehe vor, den Klassenerhalt in der Ersten Liga zu bewerkstelligen – q.e.d. –, einen Transferüberschuss von knapp 10 Mio. EUR zu erzielen sowie auf gewisse Erstattungen bei Dauerkartenbesitzern zu verzichten.

Bei entsprechender Fehldeckung in der Bilanz drohen Auflagen der Deutschen Fußball-Liga DFL. Dies wird wahrscheinlich nicht nur für Werder ein Thema, allerdings sind neben den Norddeutschen sonst nur Schalke und Dortmund am Kapitalmarkt unterwegs und müssen in diesem Sinne ‚ihre Hosen für die Öffentlichkeit runterlassen‘ qua Reporting.

Werder Bremen stellt dem Sachverhalt stille Reserven im Spielervermögen von rund 50 Mio. EUR gegenüber. Diese waren auch bei Schalke 2015/16 anlässlich der Anleiheemissionen ein Thema. Nach HGB wird zu Anschaffungskosten bilanziert, stille Reserven also gehoben, wenn darüber hinausgehend erlöst werden kann (damals Draxler, Huntelaar). Zu dem Zeitpunkt also hatte Schalke trotz negativen Eigenkapitals tatsächlich nicht das geringste wirkliche Bilanzthema.

Bei Werder ist die aktuelle Lage deutlich anspruchsvoller. Nur drei Spieler kommen überhaupt auf einen Marktwert im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Bei Rashica wie auch bei Augustinsson könnten ca. 5 Mio. EUR stille Reserven gehoben werden, bei Club-Juwele Eggestein sein gesamter potenzieller Verkaufserlös, da zu Null Anschaffungskosten aus der eigenen Jugend gekommen.

Werder-Boss Klaus Filbry

Allerdings wurde Eggesteins Marktwert von in der Spitze 30 Mio. EUR durch die sportliche Entwicklung des Clubs in den vergangenen Jahren auf ein Drittel reduziert – was besonders bitter ist, denn Eggestein ist erst 24 und damit im besten Alter für erhebliche Marktwertsteigerungen. Ein Verkauf des immer wieder unglücklich wirkenden Sargent würde auch den vollen Erlöspreis heben, da seinerzeit ablösefrei zu Werder gekommen.

Der Punkt mit dem Heben stiller Reserven zur Revitalisierung der Bilanz stimmt also soweit. Es setzt allerdings voraus, dass Werder bei einem betriebsnotwendigen Verkauf von zwei bis vier seiner Stammspieler äußerst geschickt auf dem Transfermarkt in Gegenzug zuschlägt – und auch wieder (Mehr-)Werte generiert. Gelingt dies, und das Beispiel Frankfurt bzw. auch Freiburg etwa zeigen ja, wie es geht, immer wieder Potenziale zu generieren, wären Punktabzug oder sonstige Zwangsmaßnahmen vom Tisch.

Ggf. interessant für Leser:

– Werder kommt mit KMU-Anleihe (12. Mai)

– Interview mit Werder-Chef Klaus Filbry (16. Apr.)

– Interview von BondGuide bei der Deichstube (18. Apr.)

Über den Autor

Falko Bozicevic ist Chefredakteur des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für das Portal BondGuide (www.bondguide.de)