Das Börsendebüt von VINCORION kam für viele Marktbeobachter schneller als erwartet. Zwar hatte der deutsche Rüstungszulieferer Anfang März angekündigt, dass das IPO im ersten Halbjahr erfolgen soll – die Notierung am 20. März kam aber durchaus überraschend. Beim festen Platzierungspreis von 17 EUR je Aktie ergab sich ein stolzer Börsenwert von 850 Mio. EUR. Die Aktie stieg am ersten Handelstag trotzdem noch rund 14 %, notiert aber inzwischen wieder bei rund 17 EUR. Von Gian Hessami
Zur Zeichnung standen 20,3 Mio. VINCORION-Aktien, für die es kein Bookbuilding, sondern ein Festpreisverfahren gab. Weitere Besonderheit: Es wurden ausschließlich Aktien des Großaktionärs STAR Capital veräußert, der VINCORION im Jahr 2022 vom Technologiekonzern JENOPTIK für kolportierte 130 Mio. EUR erworben hatte und nun allein über die Aktienplatzierung rund 345 Mio. EUR erlöste. Die Beteiligung des Investors aus Großbritannien, der auf eine Versiebenfachung seines Investments blicken konnte, reduzierte sich nun von 88,1 % auf 47,5 %. STAR Capital bleibt jedoch weiterhin Hauptaktionär.
Gelungener Börsenstart
Getragen wurde der VINCORION-Börsengang durch feste Kaufzusagen von Kernaktionären. So erwarben die Fondsgesellschaften Fidelity International und Invesco Asset Management sowie der Investor T. Rowe Price zusammen Aktien für 105 Mio. EUR. Der erste Börsenkurs lag bei 19,30 EUR – und damit 13,5 % über dem Ausgabepreis von 17 EUR. „Unser erfolgreicher Börsengang belegt deutlich die Stärke unseres Geschäftsmodells und das hohe Vertrauen der Investoren in unsere Wachstumsstrategie. Wir haben das klare Ziel, unsere Position als ein führender Hersteller von Energie- und Mechatroniklösungen für Verteidigungsplattformen und fortschrittliche Luftfahrtsysteme weiter auszubauen“, kommentierte VINCORION-CEO Kajetan von Mentzingen den Börsenstart. „Die positive Resonanz internationaler Investoren bestätigt die außergewöhnliche Positionierung von VINCORION. Als engagierter Hauptaktionär freuen wir uns darauf, das Unternehmen auch in der nächsten Wachstums- und Wertschöpfungsphase zu unterstützen“, so Philipp Gensch, Partner bei STAR Capital.
Hoher Auftragsbestand, Umsatz- und Gewinnwachstum

Mit rund 900 Vollzeitbeschäftigten an Standorten in Deutschland und den USA erwirtschaftete VINCORION 2025 rund 240 Mio. EUR Umsatz. Das Wachstum ist beachtlich. 2024 lag der Umsatz bei rund 204 Mio. EUR. Der Nettogewinn wurde von 8,4 Mio. EUR (2024) auf 19,4 Mio. EUR (2025) gesteigert. Der Auftragsbestand – hierin rechnet VINCORION auch erwartete Bestellungen – lag Ende 2025 bei stattlichen 1,1 Mrd. EUR.
Aktie hoch bewertet
Zuletzt kam die Aktie etwas zurück und notiert aktuell wieder bei rund 17 EUR (Börsenwert 850 Mio. EUR). Das Bewertungsniveau ist damit ambitioniert: Mit dem 3,75-Fachen des Umsatzes (2025) und angesichts des Ergebnis pro Aktie 2025 in Höhe von 0,39 EUR und somit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV 2025) von 46 ist die Aktie kein Schnäppchen mehr. Andererseits sind derzeit beträchtliche Bewertungen in der Branche angesichts des Rüstungsbooms nicht ungewöhnlich. Zum Vergleich die 2025er-KGVs anderer deutscher Aktien des Sektors: HENSOLDT liegt bei 95, RENK bei 53, Rheinmetall wird gar mit dem mehr als 100-Fachen des Gewinns 2025 bewertet. Auch wenn die Gewinne 2026 bei allen kräftig sprudeln sollen und sich damit die Bewertungen etwas relativieren, scheint die aktuelle Marktkapitalisierung hoch.
Fazit
Mit dem schnellen Börsengang nutzte VINCORION die aktuelle Sonderkonjunktur im Verteidigungssektor und folgte dem tschechischen Rüstungsunternehmen CSG (Börsengang an der Euronext Anfang 2026, Market Cap 25 Mrd. EUR) und der Gabler Group, die erst am 9. März an der Frankfurter Wertpapierbörse debütierte. Der hohe Auftragsbestand bei VINCORION zeigt den großen Bedarf des Markts und zugleich, dass die Norddeutschen kein kleines Licht mehr in der Branche sind. Die Volatilität der Aktie dürfte wie üblich bei Papieren aus der Branche hoch bleiben. VINCORION ist zudem von den staatlichen Verteidigungsausgaben und Exportgenehmigungen der Bundesregierung abhängig. Bei der aktuellen Börsenbewertung erscheinen weitere Kurspotenziale begrenzt. Mutige haben aktuell noch einmal die Chance, zum Emissionspreis 17 EUR über den Markt Aktien zu bekommen.
„Der Börsengang hilft uns beim weiteren Wachstumskurs“Interview mit Dieter Holst, Chief Financial Officer (CFO), VINCORION GoingPublic: Herr Holst, VINCORION vermeldete Anfang März, im ersten Halbjahr 2026 an die Börse zu gehen. Innerhalb kürzester Zeit, am 20. März, war es dann so weit. Was waren die Beweggründe, das IPO dann so schnell umzusetzen? Holst: Das Projekt Börsengang haben wir mit unserem Mehrheitseigentümer STAR Capital systematisch vorbereitet und gemeinsam mit unseren Banken und Beratern Schritt für Schritt umgesetzt. Dass am Ende alles so schnell ging, lag dann natürlich auch am großen Interesse und den festen Zusagen von Ankerinvestoren auf der Grundlage garantierter Zuteilungen in Höhe von insgesamt rund 105 Mio. EUR. VINCORION nimmt eine herausragende Stellung im Verteidigungs- und Luftfahrtsektor ein. Der Börsengang hilft uns, den erfolgreichen Wachstumskurs weiter zu verfolgen. Wie ist der Börsengang aus Ihrer Sicht gelaufen? Sind Sie mit dem Start und dem bisherigen Verlauf zufrieden? Der Börsengang war eine großartige Teamleistung und wir sind sehr zufrieden mit dem Handelsstart an der Frankfurter Wertpapierbörse, der das große Interesse des Markts bestätigt hat. Wir konzentrieren uns nun darauf, unsere strategischen Ziele zu erreichen. VINCORION ist ein Rüstungszulieferer. Wirkt sich der Irankrieg auf Ihr Geschäft aus? Wir beobachten die aktuellen geopolitischen Entwicklungen aufmerksam und bewerten deren mögliche Auswirkungen auf unser Geschäft, auf unsere Lieferketten, auf die Energiemärkte und die allgemeinen Marktbedingungen. Derzeit sehen wir keine wesentlichen Auswirkungen, die eine Änderung unserer strategischen Prioritäten erfordern würden. In welchen Geschäftsbereichen gibt es bei Ihnen weiteres Potenzial? Unsere drei Segmente Vehicle Systems, Power Systems und Aviation haben alle hohes Wachstumspotenzial. VINCORION betreibt skalierbare Plattformen, die integrierte, modulare Systeme für die Energieerzeugung, das Energiemanagement und die Energiespeicherung in zukunftsträchtigen Systemen bereitstellen. Wo sehen Sie Ihre besonderen Stärken, und welchen Risiken begegnen Sie? Unsere Systeme sind auf Anpassungsfähigkeit ausgelegt, sodass wir unsere schlanken Produktionskapazitäten schnell an sich ändernde Anforderungen anpassen können. Das ist eine wichtige Stärke in unserem Marktumfeld. Ein Risiko, dem wir als Industrie gemeinsam begegnen müssen, sind Herausforderungen in den Lieferketten. Wir arbeiten kontinuierlich daran, unseren Lieferantenstamm zu diversifizieren und resilient aufzustellen, die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu verringern und langfristige Rahmenverträge abzuschließen, um die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten jederzeit zu gewährleisten. Herr Holst, wir danken Ihnen für das Gespräch. Das Interview führte Gian Hessami. |
Zum Interviewpartner

Dieter Holst leitet seit 2022 die Finanz- und Geschäftsführung von VINCORION in Hamburg. Er ist verantwortlich für Finanzen, Controlling, IT, Beschaffung und Immobilienmanagement. Mit seiner Erfahrung in Wachstumsstrategien, Profitabilitätssteigerung und M&A treibt er die Entwicklung des Unternehmens voran. Zuvor war er mehrere Jahre als Division CFO und Geschäftsführer innerhalb der JENOPTIK-Gruppe tätig.
Autor/Autorin

Gian Hessami
Gian Hessami gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Als Finanzjournalist beleuchtet er regelmäßig aktuelle Entwicklungen an der Börse und ist Autor von Beiträgen und Aktienanalysen. Mit den Finanzmärkten beschäftigt sich der gelernte Zeitungsredakteur bereits seit 2004.





