Bildnachweis: ASTA.

ASTA Energy Solutions positioniert sich im Zentrum eines globalen Infrastrukturbooms: Der massive Ausbau von Stromnetzen und die steigende Bedeutung von Elektrizität als Energieform treiben die Nachfrage nach Schlüsselkomponenten. Als spezialisierter Zulieferer für Transformatoren will man von diesem langfristigen Trend überproportional profitieren – trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds. Von Christian Euler


Es war der erste Börsengang des Jahres 2026 in Deutschland – und mit einem Kurssprung von rund 45 Prozent über den Ausgabepreis erwies er sich als ausgesprochen erfolgreich. Letztlich beendeten die Papiere ihren ersten Handelstag bei 40,00 EUR. Insgesamt platzierte ASTA Energy Solutions (ISIN AT100ASTA001) am 30. Januar 6,45 Millionen Aktien, was einem Emissionsvolumen von rund 190 Mio. EUR entsprach. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 570 Mio. EUR. Der Krieg im Iran und die damit verbundenen Unsicherheiten haben den Kurs zwischenzeitlich unter das Niveau des ersten Handelstages gedrückt.

Das in Oed bei Wien ansässige Unternehmen beschäftigt rund 1.400 Mitarbeiter und unterhält sechs Produktionsstandorte in Europa, Brasilien, China und Indien. Das fundamentale Umfeld zeigt sich vielversprechend: Getrieben von Elektrifizierung, künstlicher Intelligenz und Dekarbonisierung, aber auch durch die Urbanisierung, Wärmepumpen und Klimaanlagen steigt die globale Stromnachfrage dynamisch an. „Im Energiemix wird Elektrizität im Jahr 2050 mehr als 50 Prozent Anteil haben“, betont ASTA-CEO Karl Schäcke gegenüber GoingPublic. „Das ist eine Verdreifachung im Vergleich zum Jahr 2010. Dafür brauchen wir eine völlige Neuaufstellung der Energieinfrastruktur.“

Energiewende unter Hochspannung

Bis 2030 seien europaweit Investitionen von mehr als 580 Mrd. EUR allein in Elektrizitätsnetze erforderlich. Weltweit müssen in diesem Zeitraum Investitionen von ca. 3,1 Bio. EUR in den Ausbau bzw. die Modernisierung der Strominfrastruktur fließen und rund 18 Millionen Netzkilometer aufgebaut werden, prognostiziert Schäcke. „Insgesamt sprechen wir von einer Verdreifachung der globalen Netzinfrastruktur bis 2050.“

Transformatoren, deren zentrale Komponente Kupfer bildet, avancieren damit zu Schlüsseltechnologien. ASTA Energy Solutions positioniert sich genau in diesem Segment – als Zulieferer für kritische Infrastruktur, der – so sieht es der Vorstandschef – von einem langfristigen „Superzyklus“ profitieren dürfte. „Die technischen Erfolgsfaktoren von ASTA sind extrem dünne Isolierungen, präziseste Mechanik und die Möglichkeit, dichtere und kompaktere Wickelmaterialien zu produzieren als andere Hersteller“, unterstreicht Schäcke. „Dadurch können Transformatoren und Generatoren noch leistungsfähiger, energieeffizienter und kompakter gebaut werden.

Für das Geschäftsjahr 2025 rechnet das Management mit einem Umsatz von etwa 680 Mio. EUR, nach 643 Mio. EUR im Jahr zuvor. Perspektivisch wird ein Jahresumsatz von über einer Milliarde EUR angestrebt – ein Ziel, das angesichts der aktuellen Marktkapitalisierung von rund 580 Mio. EUR auf eine vergleichsweise günstige Bewertung hindeutet. Beim operativen Ergebnis (EBITDA) rechnet der Konzern mit einem Anstieg auf 45 bis 47 Mio. EUR, nachdem im Jahr 2024 noch 36 Mio. EUR erzielt wurden. Die EBITDA-Marge auf Net‑Value‑Sales‑Basis liegt bei 25 %.

Effiziente Stromversorgung für Millionen Haushalte

Karl Schäke, CEO ASTA Energy Solutions || Foto: ASTA Energy Solutions

Der Auftragsbestand hat sich in Europa seit 2022 versiebenfacht. Entsprechend ambitioniert ist das Ziel des Managements um Konzernlenker Karl Schäcke: Bis 2030 sollen die Umsätze auf mindestens 1 Mrd. EUR steigen, im Wesentlichen getragen durch anorganisches Wachstum.

Zu den aktuellen Projekten zählt Südlink, eine der ersten „Stromautobahnen“ Europas, die grünen Strom über eine 700 Kilometer lange Hochspannungsgleichstromleitung vom energieintensiven Norden in den industriestarken Süden Deutschlands transportiert. Komponenten von ASTA kommen dabei in den Konverterstationen entlang der Strecke zum Einsatz und wandeln zwei Gigawatt Gleichstrom in Wechselstrom um – genug, um bis zu zehn Millionen Haushalte mit nachhaltiger Energie zu versorgen.

Auch jenseits Europas ist das Unternehmen aktiv: Am Glen-Canyon-Damm, einem der bedeutendsten Wasserkraftwerke der USA, sorgen ASTAs Komponenten in den acht Turbinen seit der Installation der Generatoren für eine Gesamtleistung von 1.320 Megawatt und beliefern zuverlässig weite Teile von fünf Bundesstaaten mit grünem Strom.

Starke Ankerinvestoren und Kunden

Zu den wichtigsten Kunden zählen neben dem DAX-Konzern Siemens Energy auch Hitachi Energy, GE Vernova sowie der Generatorenhersteller Andritz. Siemens Energy ist mit einem Stimmrechtsanteil von 5,95 % zudem ein wichtiger Ankeraktionär. 54,7 % liegen bei den beiden bisherigen Großaktionären Makra GmbH und ETV Montana Tech Holding GmbH, die von Michael Tojner kontrolliert werden. Der Freefloat beläuft sich auf 39,4 %.

Mitte Februar vermeldete der Energiepionier die Unterzeichnung eines langfristigen Vertrags mit Prolec GE Vernova sowie den Ausbau der Partnerschaft mit TSEA Energy. Ziel ist es, die Position im lateinamerikanischen Markt für Hochspannungstransformatoren durch strategische Lieferabkommen weiter zu stärken. Kurz darauf folgte die Ankündigung einer strategischen Kooperation mit dem ungarischen Transformatorenhersteller GANZ Electric zur Lieferung hochwertiger Wickelmaterialien für Hochspannungstransformatoren.

Das Langzeitabkommen umfasst unter anderem Kupferkomponenten wie Continuous Transposed Conductors, Mehrfachdrähte sowie Einzelleiter. Beide Unternehmen wollen damit einen Beitrag zur Stabilität und Resilienz der europäischen Energieinfrastruktur leisten. Nach eigenen Angaben stärkt die vertiefte Zusammenarbeit nicht nur die Versorgungssicherheit in Europa, sondern fördert zugleich nachhaltige Produktionsstrukturen, geringere CO₂-Emissionen sowie zirkuläre Materialkonzepte entlang der gesamten Lieferkette.

Strategischer Fokus und Bewertung

„Die Herausforderung für ASTA ist, nach dem erfolgreichen Börsengang in Frankfurt den sicheren Wachstumspfad und den Ausbau der Produktionskapazitäten zu realisieren“, sagte CEO Karl Schäcke gegenüber GoingPublic. „Wir arbeiten daran, unser integriertes Recyclingmodell für Kupfer zu erweitern. Schon heute sind etwa 40 % des Kupfers, das ASTA weltweit verarbeitet, aus recyceltem Material hergestellt. Dieser Anteil soll sukzessive erhöht werden.“

Am Kapitalmarkt wird das Unternehmen als wachstumsstarker Industrietitel wahrgenommen. Mit einer Marktkapitalisierung von 570 Mio. EUR erscheint die Aktie im Verhältnis zum ambitionierten zukünftigen Umsatzpotenzial vergleichsweise attraktiv bewertet. Das EV/EBITDA-Multiple von 12,4 übersteigt zwar die typischen Werte klassischer Industrieunternehmen, liegt aber deutlich unter den häufig höheren Multiples reiner Tech- oder Green-Energy-Aktien.

Fazit

Die Perspektiven für ASTA sind insgesamt positiv, getragen vom strukturellen Wachstumsmarkt rund um Kupfer und den Ausbau moderner Energie- und Digitalinfrastruktur. Unterstützt wird dies zusätzlich durch starke Partnerschaften mit etablierten Investoren, die die strategische Position des Unternehmens festigen können.

Demgegenüber steht jedoch die spürbare Abhängigkeit von schwankenden Rohstoffpreisen. Zudem bleibt der Wettbewerbsdruck hoch, sodass technologische Innovationsfähigkeit und konsequente Kostenkontrolle entscheidend für den nachhaltigen Erfolg sind. Momentan lässt sich die Aktie wieder auf dem IPO-Niveau – teils sogar darunter – kaufen.

Autor/Autorin

Christian Euler
Redakteur at GoingPublic Media AG

Christian Euler gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de) und ist regelmäßig Autor von Beiträgen und Aktienanalysen. Als Redakteur beschäftigt er sich schon seit über 20 Jahren mit Wirtschaft und Finanzen.