Gründung, Wachstum, große Finanzierungsrunden und Börsengang: Der Biotech & Finance Day auf der analytica 2026 brachte die entscheidenden Stationen der Unternehmensfinanzierung zusammen – und machte deutlich, dass Kapital verfügbar ist, aber deutlich selektiver eingesetzt wird. Von Urs Moesenfechtel
Ein Format entlang der gesamten Finanzierungskette
Der Biotech & Finance Day fand am 26. März 2026 im Forum Biotech der Messe München statt und war Teil des offiziellen Rahmenprogramms der analytica 2026. Veranstaltet von der GoingPublic Media AG, adressierte das Programm gezielt die Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Unternehmertum und Kapitalmarkt. Der thematische Fokus lag klar auf der Finanzierung von Life-Science-Unternehmen über alle Entwicklungsphasen hinweg – von der Gründung bis zur Börsennotierung.

Gründung unter veränderten Rahmenbedingungen
Nach der Begrüßung durch Markus Rieger, Vorstand, GoingPublic Media, eröffnete den Tag und den ersten inhaltlichen Teil, eine Session zur aktuellen Situation von Biotech-Gründungen. Unter dem Titel „Wir brauchen nicht nur Einhörner, sondern den ganzen Zoo!“ diskutierten unter anderem Ellen Goel (Geschäftsführerin, Life Science Factory), Sebastian Gührs (Partner, Ferys Capital), Linda Karger (Co-Founder und COO, Primogene), Dr. Stephan Ruck (Investment Analyst, HTGF) und Pascal Schweizer (Gründer, CEO, Thermosome) die veränderten Rahmenbedingungen für Gründungen. Im Zentrum stand die Beobachtung, dass Investoren heute stärker auf belastbare Entwicklungspläne und realistische Kapitalbedarfe achten. Die Finanzierung in der Frühphase bleibt anspruchsvoll und erfordert zunehmend kombinierte Modelle aus Fördermitteln, Venture Capital und strategischen Partnerschaften.
Start-up-Pitches zeigen konkrete Ansätze
Im Pitch-Block wurde die Bandbreite aktueller Biotech- und Life-Science-Ansätze besonders greifbar. Unternehmen wie ingineeon (Dr. Julia Behnke, CEO), Holtra (Fredrik Eklund, CEO) und Histomography (Dr. Jens Hansen, CCO) präsentierten ihre Technologien ebenso wie Amiprox (Dominik Letschert, CEO) und Smart Lab Architects (Jérôme Lutz, Gründer und CEO). Auch iOmx (Christine Rothe, CDO) und FluIDect (Tobias Schröter, CEO) nutzten die Bühne, um ihre Entwicklungsstände und Finanzierungsbedarfe darzustellen. Dabei fiel auf, dass die Präsentationen sehr klar auf Investorenlogik ausgerichtet waren. Neben wissenschaftlicher Validierung standen regulatorische Strategien, Skalierbarkeit und konkrete Finanzierungsvolumina im Vordergrund. Der Pitch-Block zeigte damit nicht nur Innovationsbreite, sondern auch die zunehmende Kapitalmarktorientierung junger Unternehmen.
Große Finanzierungsrunden werden strukturierter
In der Session „Ventures need Capital!“ wurde deutlich, dass sich die Organisation größerer Finanzierungsrunden verändert hat. Dr. Hubert Birner (TVM Capital Life Science, Johannes Link (FCF Fox Corporate Finance), Dr. Julia Behnke (ingineeon) und Christine Rothe (iOmx) diskutierten gemeinsam mit Unternehmensvertretern die aktuellen Anforderungen. Im Fokus stand die zunehmende Internationalisierung der Investorenseite sowie die Notwendigkeit, mehrere Kapitalgeber in strukturierten Syndikaten zu bündeln. Gleichzeitig wurde betont, dass Investoren heute deutlich stärker auf Datenqualität, klinische Fortschritte und klar definierte Meilensteine achten, bevor größere Summen investiert werden.
Nasdaq-Perspektive auf den Kapitalmarkt
Besonders konkret wurde es in der Session zum Börsengang. Hier brachte unter anderem Magnus Olsson (Head of ECM bei Nasdaq Stockholm) die Perspektive eines internationalen Börsenplatzes ein. Ergänzt wurde die Diskussion durch Caroline von Linsingen (Head of IPO and Growth Financing, Deutsche Börse) und Dr. Rainer Strohmenger (Managing Partner, Wellington Partners) sowie Dr. Daniel Vitt, CEO des börsennotierten Unternehmens Immunic. Im Zentrum stand die Frage, unter welchen Bedingungen ein IPO im aktuellen Marktumfeld tragfähig ist. Die Diskussion machte deutlich, dass Kapitalmarktstrategien heute frühzeitig vorbereitet werden müssen und stark von Timing, Pipeline-Qualität und Investorenerwartungen abhängen. Die Börse bleibt relevant, wird jedoch selektiver genutzt und strategischer eingeplant.

Erfolgsgeschichten mit konkreten Mustern
In der abschließenden Session berichtete Dr. Carsten Fietz (SVP Finance and Administration, c-LEcta), Dr. Leila Jaafar (Gründerin und CEO, Nuclidium), Bernd Mühlenweg (CBO und CFO, Cellbox) über ihre Entwicklungspfade, Do’s and Don’ts, Ups and Downs. Ergänzt wurde dies durch die Investorensicht (Dr. Rainer Strohmenger (Managing Partner, Wellington Partners) aus dem Venture-Capital-Umfeld. Die Beiträge zeigten, dass erfolgreiche Entwicklungen häufig auf einer Kombination aus klarer technologischer Positionierung, belastbaren klinischen Daten und gezielt eingesetztem Kapital beruhen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich diese Muster nicht standardisieren lassen, da jedes Unternehmen unter spezifischen wissenschaftlichen und regulatorischen Bedingungen agiert.
Austausch als Voraussetzung für Finanzierung
Mit der Networking Reception, gesponsort von SCHWARZ Financial Communication, endete der Veranstaltungstag. Der direkte Austausch zwischen Gründern, Investoren und Industrievertretern wurde dabei als zentraler Bestandteil des Formats sichtbar. Gerade in einem zunehmend selektiven Finanzierungsumfeld bleibt persönlicher Zugang zu Kapitalgebern ein entscheidender Faktor.

Fazit
Der Biotech & Finance Day auf der analytica 2026 zeigte eine klare Entwicklung: Finanzierung im Life-Science-Sektor wird datengetriebener, strukturierter und internationaler. Start-ups treten professioneller auf, Investoren agieren selektiver, und der Kapitalmarkt wird wieder als strategische Option betrachtet. Damit verschiebt sich der Fokus von einzelnen Erfolgsgeschichten hin zu belastbaren, langfristig angelegten Finanzierungsstrategien.
Alle Fotos zur Veranstaltung finden Sie hier.
Autor/Autorin
Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.










