Bildnachweis: osapiens.

osapiens, ein führender Anbieter von Unternehmenssoftware für nachhaltiges Wachstum, ist nach einer erfolgreichen Series-C-Finanzierungsrunde über 100 Mio. USD neuestes deutsches Unicorn. Angeführt wurde die Runde von Decarbonization Partners, einem Joint Venture zwischen BlackRock und Temasek. Von Stefan Preuß

Dieser Beitrag erscheint auch in GoingPublic 1/26 am 27. März!


Decarbonization Partners stößt damit zu den bestehenden Investoren Goldman Sachs Alternatives, das 2024 die Series-B-Runde über 120 Mio. USD anführte, sowie Armira Growth, das 2023 die Series-A-Investition über 27 Mio. USD anführte. osapiens entwickelt Unternehmenssoftware, mit der Firmen regulatorische Compliance, Nachhaltigkeit und operative Effizienz entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette auf einer zentralen Plattform steuern können. Der osapiens HUB umfasst derzeit mehr als 25 Lösungen, die KI-gestützte Automatisierung sowie nahtlose unternehmensübergreifende Zusammenarbeit ermöglichen.

Die Plattform verbindet Transparenz- und Effizienzlösungen und unterstützt Unternehmen dadurch dabei, Risiken zu minimieren, Effizienz zu maximieren und mit hoher Agilität auf veränderte regulatorische und geschäftliche Anforderungen zu reagieren. „Diese Investition ist eine klare Bestätigung unserer Strategie und unserer langfristigen Vision“, sagt Alberto Zamora, Mitgründer und Co-CEO von osapiens. „Sie zeigt, dass nachhaltiges Wachstum und KI-getriebene Effizienz weiterhin oberste Prioritäten für globale Investoren sind.

Decarbonization Partners mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit und der kombinierten globalen Präsenz sowie Investmentexpertise von BlackRock und Temasek bringe genau die Perspektive und Skalierung mit, die  für die nächste Wachstumsphase benötigt werde. „osapiens definiert neu, wie Unternehmen Transparenz, Compliance und operative Exzellenz entlang zunehmend komplexer Lieferketten erreichen“, sagt Dr. Meghan Sharp, Global Head und Chief Investment Officer von Decarbonization Partners. „Unternehmen weltweit suchen vertrauenswürdige, skalierbare Software, um steigenden regulatorischen, Nachhaltigkeits- und Dekarbonisierungsanforderungen gerecht zu werden. Die Plattform von osapiens liefert die Klarheit, die Organisationen benötigen, um verantwortungsvoll agieren und wachsen zu können.“

Decarbonization Partners ist ein Joint Venture zwischen Temasek und BlackRock, das sich auf Late-Stage Venture Capital und Early-Growth-Private-Equity-Investitionen in Unternehmen konzentriert, die Lösungen und Technologien bereitstellen, um die globalen Bemühungen zur Erreichung einer Net-Zero-Weltwirtschaft bis 2050 zu beschleunigen. Das Joint Venture vereint die komplementären Plattformen und Expertisen von Temasek und BlackRock in der Akquise und Prüfung privater Investments, im Portfolio- und Risikomanagement sowie in nachhaltiger Technologie und Analytics.

osapiens Gründer Matthias Jungblut, Alberto Zamora, Stefan Wawrzinek (links nach rechts) || Foto: osapiens

Unsere Kunden brauchen keinen Anbieter, der morgen weiterverkauft wird“

Interview mit Alberto Zamora, Mitgründer und Co-CEO, osapiens

GoingPublic: Herr Zamora, welche Entwicklungs- oder Internationalisierungsschritte werden Sie mit den neuen Mittelzuflüssen angehen?

Zamora: Bei unserer jüngsten Finanzierungsrunde ging es uns nicht allein ums Kapital – mindestens genauso wichtig war es, den richtigen strategischen Partner an Bord zu holen. Mit Decarbonization Partners haben wir genau das geschafft. Ihr Netzwerk ist enorm, und davon werden wir in der nächsten Wachstumsphase stark profitieren. Zusammen mit unseren bestehenden Investoren Goldman Sachs Alternatives und Armira Growth haben wir ein Investorenportfolio, das unsere Strategie nicht nur finanziell, sondern auch inhaltlich trägt. Unsere Wachstumsstrategie ist klar definiert: internationale Expansion, mit besonderem Fokus auf die nordischen Länder und die USA, und die Etablierung des osapiens HUB als weltweit führende Lösung für nachhaltiges Wachstum. Das frische Kapital gibt uns dabei zusätzliche Flexibilität.

KI spielt in Ihrem Geschäftsmodell eine wichtige Rolle. Welche Meinung haben Sie zu den Warnungen vor einer KI-Blase? Wie sehen Sie KI-Chancen und -risiken bei osapiens?

Man muss hier klar zwischen Hype und substanziellem Nutzen von KI unterscheiden. Natürlich wird sich nicht jedes Versprechen von KI einlösen, aber für uns ist KI kein Selbstzweck, sondern tief in unseren Lösungen verankert – damit unsere Kunden beispielsweise Anomalien in Lieferketten automatisch erkennen, Compliance-Risiken frühzeitig klassifizieren, Workflows abbilden und auf Basis tausender Quellen in Echtzeit schnellere Entscheidungen treffen können. Ohne KI wäre das in diesem Umfang schlicht nicht möglich. Sollte sich der Hype um einzelne Technologien oder Anbieter legen, ändert das nichts an unserem Kernprodukt. Der Bedarf unserer Kunden – regulatorische Anforderungen zu erfüllen, Emissionen zu reduzieren, Lieferketten transparent zu machen und ihre Prozesse effizienter zu machen – bleibt bestehen.

Ist der Sitz abseits der Start-up-Hotspots in Summe vorteilhaft? Welche Vorteile zählen für Sie am meisten? Welche Nachteile behindern?

Der Standort unserer Zentrale in Mannheim ist perfekt für uns. Mannheim ist ein starker Industriestandort – viele große Industrieunternehmen sitzen hier oder ganz in der Nähe, also genau die Unternehmen, die heute vor der Herausforderung stehen, transparenter zu werden und nachhaltig zu wachsen. Diese Nähe hilft enorm dabei, Lösungen praxisnah zu entwickeln. Dazu kommen hervorragende Hochschulen in der Region und ein aktives Gründerökosystem. Für uns vereint Mannheim technologische Kompetenz, industrielle Praxis und ein Umfeld, das Innovation und Nachhaltigkeit zusammenbringt – und genau das zieht auch Talente an, denen dieses Thema wirklich wichtig ist. Abgesehen davon ist Mannheim natürlich nicht unser einziger Standort. In Deutschland haben wir weitere Büros in München, Köln und Berlin. In Madrid haben wir unser zweitgrößtes Büro; dazu kommen London, Paris, Amsterdam, Mailand und ein Team in den USA. Wir sind also auch an den wichtigen Start-up-Hotspots vertreten.

Spätestens jetzt als Unicorn stellt sich die Frage nach dem Exit: Ist ein IPO für Sie eine valide Option? 

Wir wollen unseren Kunden dauerhaft hohen Mehrwert bieten und ein verlässlicher Partner sein – in einem Umfeld, in dem sich Regulatorik schnell ändert. Unsere Kunden brauchen keinen Anbieter, der morgen weiterverkauft wird. Dafür entwickeln wir den osapiens HUB kontinuierlich weiter und arbeiten an neuen Lösungen, die aktuelle und kommende Herausforderungen für Unternehmen adressieren. Die jüngste Finanzierungsrunde verschafft uns genau die Flexibilität und die Ressourcen, die wir brauchen, um diese langfristige Strategie konsequent umzusetzen. Zu bestimmten Kapitalmarktszenarien äußern wir uns grundsätzlich nicht – das wäre zum jetzigen Zeitpunkt auch schlicht nicht zielführend.

Sehr geehrter Herr Zamora, vielen Dank für die interessanten Einblicke.

 

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Alberto Zamora, Mitgründer und Co-CEO osapiens || Foto: osapiens

Alberto Zamora ist Mitgründer und Co-CEO von osapiens. Seine Karriere umfasst Tätigkeiten als Entwickler und Berater bei SAP SI und SAP AG. 2006 gründete er gemeinsam MovilitasConsulting AG, mit dem Schwerpunkt auf SAP Track & Trace im Pharmabereich. 2013 gründete er zusammen Movilizer GmbH, die 2015 auf die USA expandierte. Nach dem Verkauf an Honeywell im Jahr 2016 blieb Alberto Geschäftsführer in Deutschland. 2018 gründete er gemeinsam mit Stefan Wawrzinek und Matthias Jungblut osapiens. 2022 trat Alberto dem European Economic Senate (EES) bei.

Autor/Autorin

Stefan Preuß
Redaktionsleiter GoingPublic at  | Website

Stefan Preuß ist Wirtschafts- und Finanzjournalist mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Kapitalmarktumfeld. Der gelernte Tageszeitungsredakteur war zudem als Investor-Relations-Manager tätig. Er gehört zum Team der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Er schreibt regelmäßig zu den Schwerpunktthemen IPOs, Vermögensanlage und Nachfolgelösungen.