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Mit dem Einstieg in den Medizinalcannabis-Markt erweitert Medios AG (ISIN: DE000A1MMCC8) sein Specialty-Pharma-Portfolio und setzt dabei bewusst auf das erstattungsfähige Kassensegment. Exklusive Vertriebsrechte, pharmazeutische Qualitätsstandards und ein politisch sensibles Marktumfeld prägen den strategischen Schritt. 


Exklusive Bedrocan-Vertriebsrechte und pharmazeutische Lieferkette

Der Berliner Specialty-Pharma-Anbieter Medios AG steigt in den Markt für Medizinalcannabis ein und sichert sich dafür exklusive Vertriebsrechte für Bedrocan-Produkte in Deutschland sowie in Spanien, Belgien, Italien und Österreich. Geliefert werden sollen zunächst Produkte aus einer EU-GMP-zertifizierten dänischen Produktionsstätte; ab 1. Januar 2027 soll die Vereinbarung auch Ware aus weiteren Bedrocan-Standorten umfassen. Medios verweist dabei auf seine GDP-zertifizierte Pharmalogistik und Bedrocans Anspruch, Cannabis als pharmazeutischen Wirkstoff mit konstantem Cannabinoidprofil bereitzustellen. In Deutschland soll die Cannaflos – Gesellschaft für medizinisches Cannabis mbH als Distributionspartner unterstützen.

Fokus auf den erstattungsfähigen GKV-Markt im politischen Umfeld

Für den deutschen Markt ist vor allem die Positionierung entscheidend: Medios will sich „gezielt auf das erstattungsfähige Segment“ konzentrieren – und damit weniger abhängig sein von möglichen gesetzlichen Änderungen im Selbstzahlermarkt. Die Ausrichtung ist politisch hoch aktuell. Ein Kabinettsbeschluss zum MedCanG sieht u. a. eine Präsenzpflicht beim Arztkontakt für Erstverordnungen und den Ausschluss des Versandwegs für Medizinalcannabis vor; der Botendienst der Apotheken bleibt davon unberührt.

Börsennotierter Neueinsteiger als Signal für die Branche

Der Eintritt eines weiteren börsennotierten Akteurs wird in der Branche als Rückenwind gewertet. Philip Schetter, CEO der Cantourage Group SE (WKN A3DSV0, Kürzel HIGH): Der Markteintritt von Medios ist ein wichtiges Signal für die heutige Relevanz und das künftige Potenzial von medizinischem Cannabis in Europa. Ein weiterer gelisteter Marktteilnehmer stärkt die Wahrnehmung unserer Branche und könne weitere Investoren sowie Ärzte, Apotheker und Patienten aktivieren – und damit das Marktwachstum unterstützen.

GKV-Markt deutlich kleiner als Selbstzahlersegment

Die Größe des GKV- bzw. erstattungsfähigen Marktsegments wird in 2025 auf knapp 250 Mio. Euro geschätzt. Dem steht ein deutlich größeres Selbstzahlersegment gegenüber: gemäß BfArM wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 142 Tonnen Cannabisblüten für medizinische und wissenschaftliche Zwecke importiert. Für das Gesamtjahr werden rund 200 Tonnen (+170% yoy) erwartet. Knapp 70% dieser Menge mit einem Wert von rund 900m Euro werden von Selbstzahlern abgenommen. 

Mehr Wettbewerb und stärkere Standardisierung in Apotheken und Großhandel

Für Deutschland dürfte der Schritt den Wettbewerb im Großhandel und bei Apothekenlistungen erhöhen und zugleich die „Pharma-Standardisierung“ beschleunigen: Lieferfähigkeit, Dokumentation und Erstattungsprozesse gewinnen weiter an Bedeutung. Sollte das MedCanG Online- und Versandmodelle wie geplant bremsen, würde sich Volumen tendenziell in Richtung Präsenzversorgung verschieben – ein Umfeld, in dem Medios über seine bestehende Apothekenanbindung bereits positioniert ist.

1 Jahreschart MediosAG Stand 20.01.26 || Quelle: stock3.com

Die Medios Aktie (WKN A1MMCC, Kürzel ILM1) notiert bei 14,56 EUR mit 2,12% im Minus. (Stand: 20. Januar 2026, 08:31 Uhr)

Autor/Autorin

Sven-Roger von Schilling
Founder & CEO at svs Capital Partners GmbH

Sven-Roger von Schilling ist CEO, Aufsichtsrat und Gründer der svs Capital Partners GmbH, mit 30 Jahren Erfahrung in IPOs, M&A und Unternehmenswachstum.