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Die im General Standard notierte Nakiki SE (ISIN DE000WNDL300), vormals windeln.de SE, hat bereits eine bewegte Börsengeschichte hinter sich. Im Vordergrund steht für Vorstand Andreas Wegerich derzeit das neue Geschäftsmodell „Bitcoin Treasury“, dem sich die Gesellschaft – Aktienkurs derzeit rund 0,70 EUR, aktueller Börsenwert 4,2 Mio. EUR – nun voll und ganz widmen will. Wir sprachen mit ihm am Rande der Münchner Kapitalmarktkonferenz (MKK). Von Robert Steininger


GoingPublic: Herr Wegerich, Nakiki will sich künftig vollkommen auf den Bereich Bitcoin Treasury konzentrieren. Was bedeutet das?

Andreas Wegerich: Weltweit ist dieses Geschäftsmodell seit Jahren erfolgreich und für Aktionäre wertschöpfend umgesetzt worden. Wir, die Naiki SE, bringen es nun als börsennotiertes Unternehmen nach Deutschland – hierzulande ist das neu. Im Kern kaufen wir stetig und mit hohem Tempo Bitcoin am Markt und halten diese langfristig. So laden wir unsere Bilanz zunehmend mit Bitcoin auf. Dieser Wertspeicher wird zusätzlich gestärkt, indem wir Kapitalmarkttransaktionen zur Finanzierung der Bitcoin-Käufe nutzen. Wir werden Wandelschuldverschreibungen und Anleihen begeben sowie Kapitalerhöhungen durchführen – stets mit dem Ziel, weitere Bitcoin zu erwerben.

Das klingt jetzt nach einem ziemlich einfachen, vielleicht sogar banalen Ansatz…

Andreas F. Wegerich, CEO, Nakiki SE.

Wegerich: Viele erfolgreiche Geschäftsmodelle sind einfach. Bücher über das Internet zu verkaufen, ist in der Rückschau auch nicht kompliziert. Gewonnen hat am Ende jenes Unternehmen, das frühzeitig damit angefangen und den Ansatz kompromisslos vorangetrieben und ausgeweitet hat.

Worin besteht dieser „Wertkicker“ genau?

Wegerich: Die entscheidende Kennzahl ist der mNAV, der multiple Net Asset Value. Dieser Wert beschreibt in unserem Fall das Verhältnis des Marktwertes der Bitcoin-Bestände eines Bitcoin Treasurers zum bilanziellen Eigenkapital des Unternehmens. Wenn der mNAV größer 1 ist, dann kann ein Bitcoin Treasury-Unternehmen durch Verwässerung im Rahmen von Kapitalerhöhungen unmittelbar Wert schaffen. Das ist ein sehr wirkmächtiger Mechanismus, der Bitcoin Treasurern schnelles Wachstum ermöglicht und von dem die Aktionäre bei jedem dieser Wachstumsschritte profitieren.

Ein Beispiel bitte …

Wegerich: Nehmen wir der Einfachheit halber ein fiktives Unternehmen, das Bitcoins im Marktwert von 100 Millionen Euro hält und dessen Eigenkapital an der Börse mit 130 Millionen Euro bewertet wird. Der mNAV ist also 1,3. Wenn dieses Unternehmen auf dieser Bewertungsbasis sein Kapital erhöht, generiert es 13 Mio. EUR frisches Kapital, mit dem weitere Bitcoins gekauft werden. Die Aktionäre werden um 10 Prozent verwässert, der Bitcoin-Bestand in der Bilanz steigt jedoch um 13 Prozent.

Das ist ein einleuchtendes, aber fiktives Beispiel. Und die Realität …

Wegerich: Die Realität zeigt, dass es funktioniert. Wir haben eine breite Peer Group – also Vergleichsgruppe – analysiert. Dabei zeigt sich: Bei den meisten dieser Unternehmen funktioniert das Prinzip der kapitalmarktorientierten Bitcoin-Strategie sehr gut. Durch gezielte Verwässerung im Rahmen von Kapitalmaßnahmen gelingt es ihnen, ihren Bitcoin-Bestand kontinuierlich auszubauen. Besonders in den USA und in Asien finden sich starke Beispiele. In den USA ist MicroStrategy als Marktführer im Bereich Bitcoin Treasury hervorzuheben, in Asien gilt die Firma MetaPlanet als Vorreiter. Diese und weitere Unternehmen belegen eindrucksvoll, wie erfolgreich dieses Modell umgesetzt werden kann.

Das Modell setzt voraus, dass der Bitcoin steigt, oder?

Wegerich: Kurzfristig nicht unbedingt, langfristig ja. Da ist es in anderen Assetklassen ja nicht anders. Ein Wohnimmobilienunternehmen setzt beispielsweise auch immer darauf, dass Wohnimmobilien langfristig im Wert steigen, und wer in der Goldbranche tätig ist, geht davon aus, dass Gold auf lange Sicht wertvoller wird. Kurzfristige Rücksetzer beim Bitcoin kann ein Bitcoin Treasurer sehr gut meistern, wenn er die Instrumente des Kapitalmarkts klug zur Finanzierung und Stabilisierung auch in Schwächephasen nutzen kann. Und das können wir bei Nakiki. Ich selbst als CEO und Großaktionär bin am Kapitalmarkt seit vielen Jahren zuhause. Ich komme aus dem ganz klassischen Aktien- und Anleihegeschäft. In den vergangenen 15 Jahren habe ich hier Transaktionen im Volumen von deutlich mehr als einer Mrd. EUR initiiert, strukturiert und platziert. Kapitalmarkt ist also mein Spielfeld, und für den Bitcoin-Bereich haben wir ein sehr kompetentes Team zusammengestellt, das spezifische Erfahrungen bei Kryptoassets mitbringt.

Sie selbst waren dem Vernehmen nach zunächst überhaupt kein Bitcoin-Freund.

Wegerich: Am Anfang war ich dem Bitcoin gegenüber skeptisch – sehr skeptisch sogar, weil mir das Underlying gefehlt hat. Doch gerade im vergangenen Jahr und auch in den zwei Jahren davor musste ich Bitcoin zunächst als Assetklasse und Wertspeicher anerkennen. Heute sehe ich, dass sich Bitcoin als eigenständige Assetklasse zunehmend professionalisiert und etabliert hat. Dieser Prozess wird weitergehen, und davon werden sowohl der Bitcoin selbst als auch die Bitcoin Treasurer profitieren. Die sogenannte Adoptionsrate wird steigen, und die wachsende Nachfrage trifft auf ein gleichbleibendes Angebot – denn es wird nie mehr als 21 Mio. Bitcoins geben. Als börsennotiertes Unternehmen haben wir gegenüber Privatanlegern einen klaren Vorteil: Während die weltweite Fiat-Geldmenge stetig steigt, können wir durch Kapitalmarkttransaktionen gezielt Fiat in Bitcoin tauschen und so langfristig einen immer größeren Teil unserer Bilanz in Bitcoin abbilden.

Warum planen Sie jetzt eine Bitcoin-Anleihe, wäre eine Eigenkapitalmaßnahme nicht noch sinnvoller gewesen?

Wegerich: Anfang 2026 sind selbstverständlich auch Eigenkapitalmaßnahmen und Wandelschuldverschreibungen für die Nakiki SE vorgesehen. Aktuell ist jedoch die Bond-Emission die schnellste Möglichkeit, unser Wachstum voranzutreiben. Nakiki kann eine Anleihe derzeit zügiger umsetzen als eine Kapitalerhöhung. Deshalb starten wir mit einer Anleihe – und werden im weiteren Verlauf natürlich auch Eigenkapitalmaßnahmen als Teil unserer Wachstumsstrategie nutzen.

Und an wen richtet sich der aktuell geplante Bond?

Wegerich: An Investoren, die die Struktur und laufende Zinszahlung einer Anleihe schätzen und zugleich – nicht zuletzt über einen überdurchschnittlichen Kupon – von den Potenzialen des Bitcoins und von Nakiki als Bitcoin Treasurer profitieren möchten. Wir sprechen dabei sowohl Privatanleger an, die an unserer Strategie teilhaben wollen, als auch den klassischen Kapitalmarkt: also semi-professionelle Investoren wie Vermögensverwalter und Family Offices. An genau diese Zielgruppen richtet sich die geplante Anleihe. Uns zeichnet dabei aus, dass Bitcoin Treasury nicht nur ein Teilaspekt unseres Geschäfts ist, sondern der absolute Kern des Modells von Nakiki.

Kurz zum Schluss: Zu welcher Größe wollen Sie Nakiki mittelfristig entwickeln?

Wegerich: Bitcoin Treasury-Unternehmen sind quasi zum Wachstum verdammt – und das wird Nakiki tun. Wir wollen, dass Nakiki groß wird. Aber natürlich wird das eine Zeit brauchen, und ich möchte heute keine Ziele nennen, die vielleicht utopisch klingen. Auch wenn der Blick zu vergleichbaren Unternehmen im Ausland zeigt, dass sie exponentielles Wachstum innerhalb weniger Jahre realisiert haben.

Herr Wegerich, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Robert Steininger.

Autor/Autorin

Robert Steininger

Robert Steininger ist Fachautor für u.a. Anlagestrategien und publiziert regelmäßig zu Fachthemen wie Online- und Investment-Strategien, Glücksspielthemen, Krypto und Verhaltensanalyse.