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Der Dezember ist die Zeit, in der die IPO-Rückblicke sich die Klinke in die Hand geben. Traditionell den Anfang machte der Global-IPO-Report von EY. Beeindruckende 1.259 IPOs wies die am 10. Dezember vorgestellte Statistik aus – sowie ein globales Emissionsvolumen von 163,3 Mrd. EUR; eine Zunahme von 32% gegenüber dem Vorjahr. Allein im vierten Quartal waren es 347 Börsenneulinge, die „Proceeds“ in Höhe von 51,7 Mrd. EUR erzielten. Dieser Beitrag ist auch in GoingPublic 4/25 erschienen.
Davon können wir hierzulande nur träumen. Doch immerhin fünf Large-Cap-Neuzugänge verzeichnen wir in Deutschland 2025. Vier davon bedenken wir in der vorliegenden Ausgabe mit eigenen Analysen – darunter die beiden DAX-Spin-offs Aumovio (Continental, aktueller Börsenwert: 4,3 Mrd. EUR) und thyssenkrupp Marine Systems (TKMS, thyssenkrupp, 4,1 Mrd. EUR; siehe auch S. 30–31) sowie Human-Bionics-Marktführer Ottobock (4,4 Mrd. EUR), mit rund 800 Mio. EUR Emissionserlös das größte echte IPO des Jahres (S. 24–25). Darüber hinaus bereichern den Kurszettel PFISTERER – der mit Abstand erfolgreichste Börsengang des Jahres (Market Cap: 1,33 Mrd. EUR; S. 66–67) und innoscripta (900 Mio. EUR; S. 64–65). Das macht zusammen fünf neue Aktien, die 15 Mrd. EUR Marktkapitalisierung auf sich vereinigen. Drei Small-Cap-Listings (Tin Inn, Finexity, HausVorteil) sowie einige Düsseldorfer Listings komplettieren die Novizenliste 2025.
Für 2026 gehen sowohl EY als auch Kirchhoff Consult in ihren Reports von rund zehn deutschen Börsengängen aus. „Nach dem Jahr 2025 mit mehreren abgesagten Börsengängen und einer insgesamt verhaltenen Emissionstätigkeit könnte sich der IPO-Markt 2026 wieder beleben. Für das kommende Jahr zeichnet sich bereits eine Reihe potenzieller Börsenkandidaten ab, die einen Gang an den Kapitalmarkt prüfen“, so Jens Hecht, Managing Partner bei Kirchhoff Consult. Konkret zählt er dazu „das deutsche Software-Start-up Celonis sowie Deutschlands größten Onlinemarktplatz für Fahrzeuge, mobile.de.“
mobile.de als heißester Aspirant 2026?
Die deutsche Onlineplattform mobile.de gilt als größter Fahrzeugmarktplatz in Deutschland. mobile.de gehört zum norwegischen Medienkonzern Adevinta. Die Eigentümer Permira und Blackstone prüfen bereits seit längerer Zeit einen Börsengang. 2026 könnte es nun so weit sein mit einem IPO an der Frankfurter Wertpapierbörse. Dem Vernehmen nach sollen Goldman Sachs und JP Morgan als Lead-Banken mit der Transaktion beauftragt worden sein. Nicht ganz klar ist derzeit, ob hier nicht auch ein Dual-Track-Verfahren läuft, also die gleichzeitige Prüfung der Veräußerung an einen strategischen Käufer oder weiteren Finanzinvestor – jenseits des Kapitalmarkts.

Die kolportierte Bewertung soll bei bis zu 10 Mrd. EUR liegen. mobile.de hat eine dominante Marktposition in einem stabilen und digitalisierten Sektor. Das Geschäftsmodell profitiert von der hohen Nachfrage nach Gebrauchtwagen und der Notwendigkeit für Händler, ihre Angebote online zu vermarkten. Das Unternehmen soll schon 2023 auf einen Umsatz von 400 Mio. EUR und ein EBITDA von 240 Mio. EUR gekommen sein. 2024 sollen die Erlöse bei rund 475 Mio. EUR gelegen haben. Zahlen, die durchaus mit der Bewertungsvorstellung der Eigentümer von 10 Mrd. EUR in Einklang zu bringen wären.
AUTODOC vor dem IPO-Comeback?
Erfrischend aktionärsfreundlich präsentierte AUTODOC, die noch zur Jahresmitte (geplante Erstnotiz am 25. Juni) ihren Börsengang absagen musste, beim Deutschen Eigenkapitalforum die aktuellen Zahlen der Finanzöffentlichkeit.
Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres um 17 % auf 1,33 Mrd. EUR, das bereinigte EBITDA lag zum 30. September bei 120,5 Mio. EUR. Auf das B2C-Segment entfielen 1,2 Mrd. EUR (9M 2024: 1,1 Mrd. EUR/+12,6 %), was nach Angaben der Gesellschaft den starken zugrunde liegenden Trend bestätige, dass Kunden immer mehr Autoersatzteile online kaufen. 99,8 Mio. EUR (9M 2024: 44,0 Mio. EUR/+126,6 %) trug das B2B-Segment bei. Die aktuellen Geschäftszahlen sind ein Beleg für die operative Stärke und die strategische Exzellenz von AUTODOC. „Unser erklärtes Ziel ist es, unsere führende Position weiter auszubauen“, so CEO Dmitri Zadorojnii. Auch auf den hohen Free Cashflow machte das Unternehmen aufmerksam. Dieser belief sich in den ersten neun Monaten trotz einer Dividendenzahlung von rund 60 Mio. EUR auf 91,7 Mio. EUR (9M 2024: 134,0 Mio. EUR). Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente beliefen sich zum 30. September auf 155,3 Mio. EUR.
AUTODOC ist die nach eigenen Angaben führende digitale Pure-Play-Plattform für Autoteile

in Europa. Ende 2024 umfasste das Sortiment des Unternehmens rund 6,7 Mio. Artikelnummern von etwa 2.500 Markenherstellern – darunter Teile für Pkw, Lkw und Motorräder, Reifen sowie ergänzende Produkte wie Werkzeuge, Zubehör, Öle, Flüssigkeiten und Verbrauchsmaterialien. AUTODOC betreibt Onlineshops in 27 europäischen Ländern und beschäftigt mehr als 5.000 Mitarbeiter an 13 Standorten. Der Umsatz betrug 2024 rund 1,6 Mrd. EUR. Das IPO scheint nun für 2026 nochmals eine realistische Option zu werden.
Deutschlands Decacorns – immer eine Spekulation wert
Stets eine Spekulation wert scheinen die drei deutschen Decacorns – so bezeichnet man Start-up-Unternehmen mit einem Wert von über 10 Mrd. EUR/USD. Dazu zählt man Helsing (Verteidigung), Celonis (Process-Mining-Software) und die Neobank Trade Republic. Zehn Jahre nach der Gründung sollen die Berliner bei einer Finanzierungsrunde auf eine Bewertung von 12,5 Mrd. EUR gekommen sein. 2 Prozent-Aktionär Sino hatte das vor kurzem bekannt gemacht.
Celonis war auf Basis der Series-E-Finanzierungsrunde 2022/23 bereits bei einer Bewertung von 13 Mrd. USD. Das „New-Defence-Start-up“ Helsing wird Presseberichten zufolge in einer Reihe von Bereichen bereits zum Wettbewerber etablierter Rüstungskonzerne. Allen drei Unternehmen werden immer wieder Börsenpläne nachgesagt – was im Rahmen der zu schaffenden Exitperspektiven für die beteiligten Investoren auch mehr als plausibel erscheint. Gerade Celonis wird hier immer wieder in Verbindung mit einem US-Börsengang gebracht.
Kurz und Knapp
Amaneos: Die Mutares-Automotive-Tochter, die in den kommenden Jahren an die Börse gebracht werden soll, kauft in China zu. Konkret befinde man sich in finalen Verhandlungen mit dem börsennotierten koreanischen Unternehmen Hwaseung Corporation über den Erwerb von 67 % der Anteile an Hwaseung Special Rubber (Taicang) Co., Ltd. und Hwaseung Auto Parts (Taicang) Co. Gelängen die Zukäufe in China, sei das ein wichtiger Meilenstein für die globale Expansion und die gezielte Wachstumsstrategie von Mutares in Asien, heißt es von Mutares.
ISS STOXX – IPO 2026? Bereits seit Langem wird über einen Börsengang der auf Governance-Daten und Analysen spezialisierten Deutsche-Börse-Tochter spekuliert. Aber auch der Kauf des 20-%-Anteils, der beim Finanzinvestor General Atlantic liegt, wird laut Aussage von Vorstandschef Dr. Stephan Leithner erwogen.
Raisin-Finanzvorstand Dr. Frank Freund wird vom Handelsblatt zitiert mit „Wir wollen das Unternehmen – gelistet oder nicht – so führen, als ob es börsennotiert wäre.“ 2025 peilen die Berliner, die mit weltsparen.de eine „Zinsplattform“ betreiben, ihr drittes Jahr in Folge schwarze Zahlen an. 2024 soll das EBITDA bereits rund 34 Mio. EUR betragen haben.
Never-ending Story rund um VERAXA Biotech aus Heidelberg? Hier steht seit über einem halben Jahr die Fusion mit der US-SPAC Voyager Acquisition Corp. (WKN: A40BWD) an. Das gemeinsame Unternehmen soll dann an der Nasdaq notieren, nach neuem Plan im ersten Quartal 2026. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs) und bispezifischen T-Zell-Engagern der nächsten Generation spezialisiert. Nach spätem SEC-Feedback habe man am 28. November eine überarbeitete Fassung des Formulars F-4 eingereicht.
Autor/Autorin
Markus Rieger ist Gründer und Vorstand der GoingPublic Media AG. Als „Brückenbauer“ zwischen Unternehmen und Investoren ist er gelegentlich auch als Autor von Analysen und Beiträgen tätig.







