Herr Sinner, in unseren Gesprächen mit Immobilienunternehmen, die erfolgreich am Kapitalmarkt sind, hören wir seit mehr als einem Jahr immer wieder von Ressourcen- bzw. Material-Engpässen. Können Sie die Situation bestätigen?

Sinner: In der Tat sind Lieferketten durch Corona unterbrochen worden und mussten wieder aufgebaut werden. Wir konnten uns alle nicht vorstellen, wie lange ein solcher exogener Schock vorhält. Traumhaus kommt bisher glimpflich durch diese schwierige Zeit, weil wir am Anfang eines jeden Jahres Kontingente planen können und somit seit Jahrzehnten ein vertrauensvoller und verlässlicher Partner unserer Lieferanten sind. Dennoch merken wir, dass auch unsere Lieferanten Produktionsschwierigkeiten haben, wenn Sie aufgrund von Materialknappheit ihr Produkt nicht herstellen können. Aber ich kann festhalten, Traumhaus ist davon momentan nur marginal betroffen.

Nicht nur im Immobiliensektor ist der Fachkräftemangel mittlerweile ein Thema. Wie schafft es Traumhaus, dem zu begegnen?

Sinner: Fachkräftemangel ist in Deutschland in vielen Branchen wirklich ein Thema und er wird noch weiter zunehmen. Traumhaus hat sich frühzeitig darauf eingestellt und vor drei Jahren den Startschuss für unser hauseigenes Fertigteilwerk gegeben. Die serielle und automatisierte Produktion von Wänden in Massivbauweise in unserem Werk in Kruft ermöglicht es uns, mit der gleichen Anzahl an Fachkräften auf den Baustellen vor Ort einen wesentlich höheren Output zu erzeugen.

Wie haben sich die Baukosten in den vergangenen zwei Jahren entwickelt, auch durch die allgemeine Inflation von zuletzt rund 5% in Deutschland?

Sinner: Die Baukosten sind tatsächlich stark gestiegen im vergangenen Jahr. An erster Stelle Stahl. Aber auch Fenster, Dämmung und vor allem Elektronik. Auch wir mussten unsere Preise anpassen, denn diese Steigerungen bei den Ausgangsmaterialien lassen sich nicht anders auffangen. Wir haben unsere Bestellfristen neu justiert: Wenn ein Lkw sonst nach der Bestellung am Mittwoch am Freitag da war, dann müssen wir heute eher eine Woche besser zwei Wochen einplanen. Kleine Bauträger und private Besteller warten mitunter auch mal vier Wochen oder länger. Die Industrialisierung, Automatisierung, Digitalisierung und Produktivitätssteigerung der Baubranche schreiten schnell voran. Traumhaus ist aktiver, zukunftsgerichteter Mitgestalter dieses Wandels.

Ursprünglich erschienen und etwas kürzer in GoingPublic Magazin März 2022, Seiten 44/45 – hier können Sie sich das ePaper kostenfrei downloaden.

Die KfW-Förderzulage bzw. ihr ‚Aus‘, sorgte jüngst für Aufruhr. Inwieweit war Traumhaus betroffen?

Sinner: Das war eine Nachricht für die Baubranche wie ein Schlag ins Gesicht. Wir als Traumhaus sind allerdings nicht akut betroffen, jedenfalls nicht per sofort – da unsere Anträge für laufende Projekte allesamt schon gestellt und genehmigt wurden. Am 22. Februar ist die Regierung ja schon teilweise zurückgerudert und die KfW-Bank hat die Programme zur Förderung für die Sanierung von Wohngebäuden wieder aufgelegt. Im Bereich des Neubaus steht eine Entscheidung noch aus. Zunächst macht nun das Ende der Förderung den Hausbau für die Käufer teurer. Wir sind aber trotzdem für die Zukunft gerüstet, denn Sie dürfen nicht vergessen, dass wir unsere Häuser auch weiterhin in Relation günstiger als unsere meisten Mitbewerber anbieten können.

Schlägt sich das in den Geschäftszahlen nieder?

Sinner: Vor Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2021 darf ich mich formal dazu ja nicht äußern. Ich hatte an anderer Stelle aber schon mehrfach gesagt, dass wir mit dem Geschäftsverlauf 2021 sehr zufrieden waren. Wir werden kurzfristig die vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlichen und basierend darauf auch unsere Prognose für 2022 abgeben. Die vielen Unsicherheiten in der Welt und die bedrückende Ukraine-Krise führen eher dazu, dass noch mehr Menschen ihr Erspartes in Immobilien, sprich Baugold, anlegen – entweder direkt in einen Wohneigentumserwerb oder eben auch in Immobilienaktien.

Die Pipeline der Traumhaus AG ist demnach gut gefüllt…?

Sinner: In der Tat. Aktuell hat die Traumhaus fünf Projekte im Vertrieb, bei denen nur noch vereinzelt Wohneinheiten zu verkaufen sind. Zeitnah gehen wir mit dem zweiten Bauabschnitt FUNARI Mannheim in den Vertrieb. Auch hier hat Traumhaus bereits lange Wartelisten mit potenziellen Käufern. Wir verfügen über eine hohe Umsatz-Projekt-Pipeline von über 500 Millionen Euro. Diese sichert uns für die nächsten Jahre ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 15 bis 20 Prozent. Ja, die Pipeline, das Fundament der Traumhaus für die Zukunft, ist gut gefüllt.

Gibt es denn noch verfügbare und erschwingliche Grundstücke in Deutschland, speziell für größere Wohnkomplexe?

Sinner: Der Grundstückseinkauf ist für unser Unternehmen wichtig – wie für jeden Projektentwickler und Bauträger. Traumhaus hat das nötige Know-how und ambitionierte Mitarbeiter, um immer wieder Grundstücke in ganz Deutschland anzukaufen, die für unsere Kunden attraktiv und bezahlbar sind. Weshalb wir unsere Expansionsstrategie auch konsequent weiterverfolgen. Ein Expansionsziel Norddeutschland. Mittlerweile ist Traumhaus dort erfolgreich mit eigenem Büro unterwegs, in der Region Niedersachsen bis hoch nach Hamburg und nicht zuletzt in Bremen. Man darf aber auch nicht vergessen: Es werden jährlich ca. 100.000 Einheiten deutschlandweit hergestellt, woran wir nicht einmal 1% Anteil haben. Bedarf und Luft nach oben ist also mehr als reichlich vorhanden.

Sie können es ja sicherlich aus erster Hand beurteilen: Was sind hierzulande die Neubau-Hochburgen?

Sinner: Neubau-Hochburgen sind immer Metropolregionen. In der direkten Nähe zu größeren Städten guten, massiv gebauten und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ist unser Anspruch. Die Traumhaus hat im letzten Jahr in Bremen ihre Präsenz ausgebaut. Zukünftig überlegen wir auch, in Bayern Wohnraum zu schaffen. Weniger in den absoluten Hochpreisregionen, aber beispielsweise durchaus in der Nähe von Nürnberg, Ingolstadt oder Ulm. Wir sind uns sicher, dass wir dort unseren Käufern attraktive Angebote unterbreiten können.

Unternehmen aus der Baubranche müssen heute ihren Anlegern gegenüber aufzeigen und erklären, dass Sie ESG-konform handeln. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Sinner: Traumhaus ist zukünftig mit dem neuen Wandfertigungswerk gut aufgestellt. Der neue Mauerstein, mit dem die Wände vorgefertigt werden, ist zunächst schon einmal in der Produktion umweltfreundlicher, da er nicht gebrannt werden muss. Konkret heißt das, dass wir nur rund die Hälfte der Energie aufwenden müssen, die bei konventioneller Bauweise aufgebracht wird. Die im Bau derzeit noch üblichen außen aufgebrachten Wärmedämmverbundsysteme sind styroporähnlich und auch im Brandfall nicht optimal. Wir können bei den Wänden, die aus unserem Werk kommen, auf 100 qm Wohnraum sparen wir im Schnitt das Energieprodukt von rund 20 Kubikmetern Dämmmaterial – nicht nur die wegfallende Produktion, sondern auch durch die spätere nicht notwendige, aufwendige Entsorgung. Außerdem gehen Abfallstoffe sofort in den Wiederaufbereitungsprozess.

Was würden Sie als besonders hervorheben, was Traumhaus anders macht – gibt es da etwas?

Sinner: Unser Geschäftsmodell ist in allen Prozessen standardisiert. Wir kaufen die Grundstücke, entwickeln und beplanen diese mit standardisierten Baukörpern. Die Baunebenleistungen wie Architektur, Fachplanungen, Statik und sonstige Gutachten sind in verschiedenen Varianten fertig in der Schublade. Dann bauen wir unsere Objekte, auf diesen Grundstücken und übergeben schlüsselfertig. Dabei hat jeder Baukörper ein einheitliches Materialprogramm. Ich sag‘s mal einfach: „Ganzer Stein, halber Stein, Fenster usw. Unser Motto lautet: Keine Säge auf der Baustelle. Ein Dach besteht bspw. aus fünf Elementen. Oftmals übernehmen wir zudem die Verwaltung der Projekte, weil wir nicht nur bei den Energieversorgern, sondern auch bei den Versicherungen eine bessere Verhandlungsbasis haben als Individualpersonen. Das heißt aber auch, Sie können nicht zu uns kommen, haben ein Grundstück und wünschen sich ein individuelles Haus. Unser in den letzten 30 Jahren erprobtes Konzept ist es, preiswerten, soliden und wertbeständigen Wohnraum anzubieten. Den Mehrwert spürt unser Kunde im Preis. Und das bei hohen Ausstattungsstandards und sieben Jahren Gewährleistung. Wir beschreiben unser erfolgreiches Geschäftsmodell mit drei Schlagwörtern: Standardisierung, Digitalisierung und Automatisierung.

Herr Sinner, ganz herzlichen Dank an Sie für Ihre Zeit und die umfangreichen Einblicke!

Interview: Falko Bozicevic

Über den Interviewpartner

Otfried Sinner ist Vorstandsvorsitzender und Hauptaktionär der Traumhaus AG, einem in Deutschland ansässiges Unternehmender Immobilienbranche. Es konzentriert sich auf Gestaltung, Projektierung und den Bau standardisierter Häuser wie Reihen-, Doppel- und Mehrfamilienhäuser.