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In seinem gleichnamigen Song hat es der US-Rapper und Singer Songwriter iAmJakeHill noch vor der Covid-Krise auf den Punkt gebracht: „I’ve been chasing all this time For something to get my head right, pull me down again, I won’t… Let it take over my happiness I’m broken, I’m not broke“. Leben und Arbeiten wie im London Eye, dem berühmten Riesenrad am Südufer der Themse – wer kennt das nicht? Was aber, wenn der Aufwärtsschwung auf einmal fehlt? Wenn äußere und innere Faktoren so ungünstig zusammenwirken, dass die eigene Motivation ernsthaft in den Keller geht? Dann könnte LONDON helfen… Von Dr. Anette Schunder-Hartung

Verschärfte Marktlage

Die Marktlage für Anwältinnen und Anwälte verschärft sich – und das nicht erst seit gestern. Wir alle haben schon in den vergangenen Jahren erlebt, wie der Druck gestiegen ist: Die Mandantschaft will sparen, Einkaufsabteilungen spielen uns in zunehmend gegeneinander und gegenüber den Inhouse-Ressourcen der Unternehmen aus. Gleichzeitig manteln sich von der Seite her Legal Tech-Plattformen mit scheinbar einfacheren Rechtslösungen „to Go“ auf. Und kanzleiintern bügelt der Nachwuchs längst nicht mehr so viel aus wie ehedem. Hier zeugt eine nicht enden wollende Work-Life-Debatte von einer dauerhaft veränderten Wertekultur.

Als wäre das nicht genug, jonglieren wir mit ganz unterschiedlichen Interessengruppen: Die Mandantschaft erwartet wie ehedem maximale Verschwiegenheit, aber wie sollen wir so unsere Leistungen im immer schriller werdenden Konzert der Konkurrenten vermarkten? Und nun die Covid-Krise: Je nachdem, wie lange der Lockdown und seine wirtschaftlichen Folgen noch andauern werden, werden wir nicht nur in Akquise und Mandatspflege ausgebremst. Auch danach werden wir manches beratene Unternehmen nicht mehr wiederfinden – so sehr wir uns auch bemühen werden.

Objektiv reagieren

Hierauf können und müssen Sie natürlich zum einen objektiv reagieren. Dabei gilt das alte Joe Jackson-Motto: „You Can’t Get What You Want (Till You Know What You Want)[1]“. Kurz gesagt bedeutet das: Schaffen Sie sich und Ihrer Kanzlei ein klares, unverwechselbares Profil[2]. Wofür stehen fachlich gerade Sie, und warum sollte man ausgerechnet Ihre Sozietät (weiterhin) mandatieren? Das müssen Sie Stück für Stück in einem strukturierten Prozess einkreisen. Dabei geht es auf allen Ebenen – denen der Einzelpersonen ebenso wie denen von Praxis- und Branchengruppen, Standorten usw. – bis hin zur Gesamtebene um Ihre unterschiedlichen Werte und Wahrnehmungsfilter genauso wie um Ihre verschiedenen anwaltlichen Glaubenssätze und Selbstzuschreibungen. Erst aus diesen intra- und interpersonalen Faktoren ergibt sich, welche Strategien für Sie sinnvoll sind[3]. Und nur darauf aufbauend können Sie Ziele entwickeln, die das Papier wert sind, auf dem sie stehen. Sowie nach außen glaubwürdig daherkommen.

Subjektiv reagieren

Nur leider ist es damit nicht getan: Um auch subjektiv in Schwung bleiben, müssen Sie sich und andere permanent motivieren. Um das sicherzustellen, habe ich im Rahmen unserer aHa-Coachingmandate ein ebenso einfaches wie effektives Mantra entwickelt. Es lautet, wie der Titel schon sagt: LONDON on my mind. Dabei geht es allerdings nicht um die gleichnamige britische Metropole. Unser LONDON meint vielmehr einen Bewusstseinszustand. Angelehnt an die stoische Konzentration auf das, was in der eigenen Macht steht[4], steht das Akronym LONDON für:

  • L wie: Leidenschaften pflegen,
  • O wie: Optimistisch sein,
  • N wie: Neugier bewahren,
  • D wie: Dankbarkeit empfinden,
  • O wie: Objektiv bleiben und
  • N wie: Niemals den Humor verlieren!

Sobald Sie auf einer der genannten Ebenen an Schwung verlieren, sollten Sie sich entlang dieser Buchstabenfolge die passenden Fragen stellen! Dazu einige erste Hilfestellungen?

  • Sie sind Kapitalmarktrechtler(in) geworden – warum? Vielleicht, weil Sie den Belangen von Anlegern und Verbrauchern eine lautere Stimme geben wollten? Oder womöglich, weil Sie hier das Rechtsgebiet und/oder die Menschen gefunden haben, unter denen Sie sich wirklich wohlfühlen („L“)?
  • Nicht nur Sie selbst haben ganz besondere Stärken. Zyklen indizieren doch auch immer einen Wiederaufschwung. Selbst Schwierigkeiten sind nichts genuin Schlechtes: Sie sind Herausforderungen, die Sie vor Langeweile schützen („O“).
  • Seit Ihrem ersten Studiensemester hat sich so viel getan, was kommt nach der Krise („N“)?
  • Immerhin: Bis hierher haben Sie es geschafft. Sie haben erfolgreich einen akademischen Abschluss errungen, vermutlich überdurchschnittlich viel verdient und einem interessanten Beruf in einem sicheren, demokratischen Land ausgeübt … in dem Sie noch dazu als systemrelevant gelten („D“).
  • Sollten Sie irgendetwas davon für selbstverständlich halten, wird Sie jeder Amnesty International-Report eines Besseren belehren („O“)[5].
  • Und last not least – Einerlei, ob Sie eines der zahllosen Hausbücher des deutschen Humors, Jura-Comedians à la Dominik Herzog[6], Cartoons[7] oder doch eher Murphy’s Law’s[8] bevorzugen: Verlieren Sie („N“) niemals Ihren Humor!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch weiterhin viel Spaß … und gute Ein- und Aussichten!

Dr. Anette Schunder-Hartung

Dr. Anette Schunder-Hartung ist Inhaberin von aHa Strategische Geschäftsentwicklung am Frankfurter Untermainkai. Die langjährige Lehrbeauftragte für das Vergaberecht ist von Haus aus Rechtsanwältin, arbeitet daneben aber seit fast 25 Jahren in führenden Positionen als Redakteurin. Zudem ist sie zertifizierter Business Coach und hat zu Jahresbeginn ihr drittes Buch veröffentlicht, „Strategien für Dienstleister“. Um die Bedeutung des subjektiven Tatbestands für eine erfolgreiche Anwaltstätigkeit weiß Schunder-Hartung aus ihrer praktischen Arbeit mit derzeit rund 80 Wirtschaftskanzleien. www.aha-entwicklung.de.

[1] Vgl. https://genius.com/Joe-jackson-you-cant-get-what-you-want-lyrics, abgerufen am 11.2.2021.

[2] S. dazu bereits Anette Schunder-Hartung, Erfolgsfaktor Kanzleiidentität, Wiesbaden 2020.

[3] Sehr deutlich findet sich diese Hierarchie der Elemente in dem berühmten Zitat von Peter Drucker wieder: „Culture Eats Strategy For Breakfast“.

[4] Weiterführend https://www.treffpunkt-philosophie.ch/portfolio/die-weisheit-des-stoikers-epiktet/, abgerufen am 11.2.2021.

[5] sh. hierzu statt vieler https://www.amnesty.org.uk/press-releases/archive/2021, abgerufen am 11.2.2021.

[6] sh. dazu das Interview in https://www.talentrocket.de/karrieremagazin/details/jura-comedian-dominik-herzog-und-die-heiteren-absurditaeten-der-juristenwelt, abgerufen am 11.2.2021.

[7] Ein Klassiker: https://www.thefarside.com/, abgerufen am 11.2.2021.

[8] Hierzu statt vieler: https://www.angelo.edu/faculty/kboudrea/cheap/cheap3_murphy.htm, abgerufen am 11.2.2021.

Über den Autor

Falko Bozicevic ist Chefredakteur des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für das Portal BondGuide (www.bondguide.de)