Alle wichtigen EU-Posten sind in dieser Woche vergeben worden – womit zumindest auf politischer Ebene erst einmal Stabilität herrscht in Europa. Anders sieht es laut Sutor Bank auf konjunktureller Ebene in Europa aus. Warum Anleger trotzdem nicht nervös werden sollten.

„In Wirtschaftsangelegenheiten sind die Europäer immer für ein Eigentor gut – sei es der Brexit mit all seinen Auswirkungen, die deutlich steigenden Neuverschuldungen in Frankreich und Italien oder der Dieselskandal, der mit der Autoindustrie eine der Schlüsselbranchen Europas erschüttert“, betont Lutz Neumann, Leiter Vermögensverwaltung der Hamburger Sutor Bank. Zudem gibt es noch weitere Gründe warum das Wachstum in der Eurozone 2019 deutlich unter die 1-Prozent-Marke rutschen könnte:  So haben laut des Finanzinstituts viele europäische Unternehmen verstärkt auf die chinesischen Wachstumsperspektiven gesetzt, die durch den Handelskonflikt mit den USA jedoch deutlich schlechter als erwartet ausfielen. Die in der Folge stark schwankenden Aktienkurse machen zunehmend auch die Anleger nervös. Aus Sicht von Lutz Neumann bestehe jedoch kein Grund zur Panik.

In Deutschland stehe die  Wirtschaft nach einem Jahrzehnt des Aufschwungs noch immer relativ gut da – auch wenn der ifo-Geschäftsklimaindex im Mai erneut gesunken ist, und zwar von 99,2 auf 97,9 Punkte. Die DAX-Entwicklung zeigte sich zuletzt recht positiv. „Trotz der Unsicherheiten hinsichtlich des wirtschaftlichen Ausblicks zeigt die deutsche Börse ‚Nehmerqualitäten‘ und kann das Quartal mit einem Plus von 6,1% im DAX beenden“, erklärt Neumann. „Jedoch ist dieser Anstieg nicht von allen Werten getrieben – zu unterschiedlich sind die Entwicklungen in den einzelnen Branchen.“

Niedrigzinsen: Anleihe-Investoren sind verunsichert

Waren sich die Ökonomen vor 6 Monaten noch einig, dass die EZB Ende 2019 durch vorsichtiges Anheben des Leitzinses die nun bald 4 Jahre dauernde Nullzinsphase beenden würde, so ist heute alles anders: „Es wird wieder über weitere Zinssenkungen der EZB spekuliert. Kein Wunder, denn Zinserhöhungen könnten bei den derzeit schwachen Wachstumsraten in der Eurozone den Aufschwung komplett abwürgen“, erklärt Neumann. „Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen ist deutlich unter 0 Prozent gesunken, auf -0,32%. Das ist Rekord. Dies zeigt, dass viele Anleihe-Investoren Angst haben, dass die nächste Krise unmittelbar bevorstehen könnte“, analysiert Neumann.

Entspannt investieren lautet das Motto

Die aktuellen Rahmenbedingungen machen es für Anleger nicht einfach. „Bundesanleihen mit Minusrendite sowie stark schwankende Aktienkurse sind für erfahrene Anleger noch lange kein Grund, nervös zu werden“, erklärt Neumann. Auch wenn Anleihen zurzeit weniger attraktiv seien, so könnten ausgewählte Unternehmensanleihen dennoch für Stabilität im Depot sorgen. „Und Aktien als Renditemotor sind nun einmal unerlässlicher Bestandteil der Vermögensanlage. Niemand kann in die Zukunft sehen und die Entwicklung von Währungen, Zinsen oder Aktien sicher prognostizieren. Darum ist derjenige auf der sicheren Seite, der entspannt investiert bleibt“, empfiehlt der Vermögensverwalter. „Hektisches Traden, um vermeintlichen Renditen hinterherzujagen, ist gerade in der heutigen Situation alles andere als empfehlenswert. Denn Vermögen entstehen durch Investieren, nicht durch Spekulieren“, bekräftigt Neumann abschließend.

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Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de