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ETFs und Biotechnologie: Der Stellenwert der Biotechnologie als Innovationsmotor ist unbestritten. Knapp zwei Drittel der neu zugelassenen Medikamente basieren auf Forschungsergebnissen, Erkenntnissen und Innovationen der Biotechnologie. Eine paneuropäische Börse für Hightech-Unternehmen, die auch Großbritannien und die Schweiz einschließt, würde die Sichtbarkeit und Entwicklung international wettbewerbsfähiger Unternehmen begünstigen – eine wichtige Voraussetzung dafür, dass nicht nur Local Heroes sondern auch Global Player entstehen. Aufgrund der kleinteiligen Organisation des europäischen Aktienhandels ist eine solche Börse derzeit aber nicht in Sichtweite. Höchste Zeit also für eine Alternative.

Seit dem Aufkommen der Biotechnologie ist Europa hinter dem bemerkenswerten wirtschaftlichen Wachstum des Sektors in den USA zurückgeblieben, obwohl das Niveau der wissenschaftlichen Innovation in Europa ähnlich hoch ist. Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben kulturellen und politischen Unterschieden hat der zersplitterte Kapitalmarkt dazu geführt, dass sich kein europäisches Pendant zur Nasdaq entwickelt hat. Hand aufs Herz: Die Aussichten, dass europäischen Staaten ihre Aktienmärkte oder auch nur einen Teil der Hightech-Wachstumswerte bereitwillig aus ihren nationalen Börsen herausgeben werden, sind gering.

Das hat Folgen mit großer Tragweite: Unternehmer und VCs beschleunigen den Trend, dass europäische Biotechs sich für ein Primärlisting in den USA entscheiden – und dafür sogar erhebliche Mehraufwände in Kauf nehmen. Letztlich leiden alle europäischen Kapitalmärkte und das gesamte Biotech-Ökosystem unter dieser Situation.

Ein paneuropäischer Biotech-ETF (*)

Während sich an der überlegenen Anziehungskraft der Nasdaq kurzfristig wohl nichts ändern wird, könnte der Aufbau eines paneuropäischen Biotechnologie-ETF eine mögliche mittelfristige Aussicht auf Besserung bieten.

Aktuell gibt es rund 200 börsennotierte europäische Biotech-Unternehmen. In zunehmendem Maße investieren ETF-Emittenten das eingesammelte Kapital direkt in die zugrunde liegenden Wertpapiere. Der Handel mit einem paneuropäischen Biotechnologie-ETF würde somit den enthaltenen Unternehmen direkt zugutekommen. Ein ETF, zu dessen Basiswerten die führenden europäischen Aktien gehören, könnte so zum Katalysator für bessere Sichtbarkeit, erhöhte Handelsliquidität und den Kapitalfluss von privatem Geld in diesen strategisch wichtigen Innovationssektor dienen.

Obwohl in Europa fast nicht existent, sind Biotechnologie-ETFs nicht neu. Eine wachsende Zahl davon wird an der Nasdaq gehandelt und bietet Anlegern, die das Potenzial der Biotechnologie erkannt haben, eine Möglichkeit, ohne riskantes Stockpicking zu partizipieren. Und diese wird gerne wahrgenommen: Die rund 55 Healthcare ETFs, die an der Nasdaq gelistet sind, repräsentieren ein Anlagevolumen von rund 94 Mrd. US-Dollar.

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ETFs: Attraktive Investmentklasse

Während einzelne Biotechnologie-Unternehmen oft hochriskante Anlagen sind, ist der Sektor als Ganzes insgesamt vergleichsweise risikoarm und steigt im Wert – wenn auch nicht so schnell, wie es bei einzelnen Unternehmen manchmal passieren kann. Seit 2010 hat der Nasdaq Biotechnology Total Return Index um fast 500 Prozent zugelegt und den Nasdaq Composite über weite Phasen outperformt.

Ein gut geführter europäischer ETF könnte Biotechnologie-Unternehmen enthalten, die an einer der europäischen Börsen gehandelt werden, als auch Unternehmen mit europäischem Hauptsitz, die an US-Börsen notiert sind. Die Aktien sollten nach transparenten Qualitätskriterien ausgewählt werden, die von Spezialisten entwickelt wurden. Der Handel an den wichtigsten europäischen Börsen würde ihn für Retail- und institutionelle Investoren breit verfügbar machen.

Staatliche Banken, wie die Banque Public d’Investissement (BPI) in Frankreich, und europäische Einrichtungen, wie die Europäische Investitionsbank (EIB) und der Europäische Investitionsfonds (EIF), sollten ein Interesse daran haben, einen paneuropäischen Biotechnologie-ETF zu unterstützen. Sie haben bereits bedeutende Katalysatoren geschaffen, die eine drastische Erhöhung der Venture-Investitionen in neue Biotechnologie-Unternehmen vorantreiben. Daraus folgt, dass es auch im Interesse der nationalen und europäischen Fonds sein sollte, Anreize für qualifizierte, spezialisierte ETF-Manager zu schaffen, um damit gleichzeitig privates Kapital in den Sektor zu ziehen.

ETFs: Ein Gewinn für das gesamte Ökosystem

Auch wenn es kein Allheilmittel für einzelne Unternehmen sein wird, könnte das Erreichen der Qualitätskriterien, um in den paneuropäischen Biotechnologie-ETF aufgenommen zu werden, als Qualitätssiegel betrachtet werden, als etwas, das man anstreben, dann anpreisen und bewahren sollte. Der Handel im paneuropäischen Biotechnologie-ETF sollte die Sichtbarkeit und das Handelsvolumen erhöhen; und obwohl die Auswirkungen für die meisten Einzelwerte wahrscheinlich nicht dramatisch sein werden, könnte es für einige ein wichtiger Katalysator sein. Diejenigen, die die Aufnahmekriterien nicht erfüllen, werden klare konstruktive und objektive Ziele, frei von subjektiver (oder nationaler) Bevorzugung, haben, auf die sie hinarbeiten können, um die Aufnahme zu erreichen.

Für spezialisierte Portfoliomanager, institutionelle Stockpicker, würde ein paneuropäischer Biotechnologie-ETF Möglichkeiten zur Absicherung gegen Risikopositionen und volatile Marktschwankungen bieten. Für nationale Börsen kann der Handel mit ETFs zu zusätzlichen Einnahmen aus dem Handel mit dem neu gelisteten ETF sowie mit den dem ETF zugrunde liegenden Aktien führen, die an der Börse gelistet sind. Kurz gesagt: Wenn man die Vorteile der Schaffung eines paneuropäischen Biotechnologie-ETFs betrachtet, gibt es eigentlich nur Gewinner.

(*) ETF  steht für „Exchange Traded Fund” und ist ein börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Index, wie beispielsweise des DAX, abbildet. ETFs ermöglichen es, mit einem Wertpapier kostengünstig in ganze Märkte zu investieren. ETFs bilden einfach eins zu eins einen Marktindex nach und können – wie eine Aktie – jederzeit an der Börse gehandelt werden. Aktuell sind in Deutschland 20 Biotech-ETFs handelbar, die weltweit oder mit Fokus auf die USA in Aktien investieren.

Über den Autor / die Autoren

Chris Maggos
Head of Europe at LifeSci Advisors | Website

Chris Maggos ist Head of Europe von LifeSci Advisors, einer global tätigen Investor-Relations-Beratung mit Fokus auf den Biotech-Sektor. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Life-Science-Branche in den Bereichen Business Development, Investor Relations, Public Relations, Journalismus, Investment und molekulare Neurobiologie.