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Dieses Interview erscheint auch im Spezial M&A Insurance im Rahmen unseres 7. M&A Insurance Summer Forum!

Am 31. August 2026 lädt GoingPublic Media zum 7. M&A Insurance Summer Forum in die OpernTurm Lounge in Frankfurt. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Entwicklungen im M&A- und Private-Equity-Markt sowie Trends rund um W&I, Tax Insurance und weitere Transaction-Risk-Lösungen. Impulsvorträge und Diskussionsrunden treffen dabei auf viel Raum für persönlichen Austausch und Networking. Weitere Informationen und Anmeldung gibt es hier.

GoingPublic: Herr Wirth, würden Sie die W&I-Police im DACH-Raum als Standardtool bei Transaktionen bezeichnen – oder gibt es noch Branchen oder Teilnehmer, die Vorbehalte hegen?

Wirth: Insbesondere im Kontext von Mid-Cap- und Large-Cap-Transaktionen handelt es sich bei der W&I-Versicherung mittlerweile tatsächlich um ein Standardtool, das bei der Mehrheit der Transaktionen in dieser Größenordnung genutzt wird. Vorbehalten begegnet die W&I-Versicherung noch bei kleineren Transaktionen in der Größenordnung unter 20 Mio. EUR. Hier kommt noch regelmäßig die Frage auf, ob solche Transaktionen Interesse am Versicherungsmarkt wecken. Unsere eindeutige Antwort darauf lautet mittlerweile: Ja. War es vor drei bis vier Jahren noch so, dass Transaktionen in diesem Volumen nur wenige Versicherer zu Angeboten bewegten, hat sich das mittlerweile deutlich gewandelt. Der Grund dafür ist, dass sich einige Versicherer/MGAs auf den Small-Cap-Markt spezialisiert haben und gerade diese Deals in ihren Risikoappetit fallen. Zudem sind die Kosten wegen der gesunkenen Prämien nun auch im Bereich der kleineren Transaktionen überschaubar.

Hat sich der Einsatz von W&I-Versicherungen im aktuellen Marktumfeld verändert, insbesondere angesichts steigender geopolitischer Unsicherheiten?

Wir haben den Eindruck, dass unsere Kunden sicherheitsorientierter geworden sind und vor dem Hintergrund der besagten geopolitischen Risiken die weiteren transaktionsspezifischen Risiken minimieren wollen. Hier treffen zwei gegensätzliche Interessenlagen aufeinander: Während Verkäufer im Rahmen von Transaktionen ihrerseits ihre Risiken geringhalten möchten und Garantien z.B. nur in einem eng begrenzten Umfang abgeben, suchen Käufer eine weitestmögliche Deckung. Hier können wir mit unseren Produkten weiterhelfen und für beide Seiten sehr gut gangbare Lösungen anbieten.

Wie hat sich in den vergangenen Jahren die Zahl der Anbieter (Versicherer und MGAs) im DACH-Raum entwickelt? Welchen weiteren Trend erwarten Sie?

Die Anzahl der Versicherer und MGAs, die im DACH-Raum tätig sind, hat sich in den letzten Jahren stetig erhöht. Zwar besteht weiterhin Interesse einzelner bisher in UK und in den USA tätiger Versicherer, im DACH-Raum Geschäft zu schreiben. Die Geschwindigkeit der Marktzutritte hat jedoch etwas abgenommen. Derzeit haben wir etwas über 20 Anbieter von W&I-Versicherungen im DACH-Raum, von denen ca. 60 % bis 70 % auch deutschsprachige Underwriter haben. Wir erwarten hier noch vereinzelte Markteintritte, denken jedoch, dass der Run auf den deutschen Markt etwas abgeflacht ist, was auch mit den niedrigen Prämien im DACH-Raum zusammenhängt. Andere Märkte wie Spanien oder Italien scheinen hier für manche Versicherer attraktiver zu sein.

Aus Ihrer aktuellen Claims-Studie geht hervor, dass die Zahl der Claims steigt und dass sie früher geltend gemacht werden. Welche Auswirkungen wird das auf den gesamten Versicherungsprozess und die Prämien haben?

Das hat insoweit Auswirkungen, als uns Kunden oftmals direkt bei der Präsentation der Versichererangebote nach unseren Erfahrungen mit den jeweiligen Versicherern im Zuge von Claims-Prozessen fragen. Aufgrund unseres in London ansässigen Claims-Teams, das diese Prozesse federführend begleitet, können wir Auskunft darüber geben, ob die jeweiligen Versicherer im Rahmen von Claims angemessen kooperieren. Zudem wird es von unseren Kunden wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass Aon die Geltendmachung von Claims ohne zusätzliche Kosten begleitet. Bei den Prämien ging es bis vor einiger Zeit nur in eine Richtung, und zwar abwärts. Seit anderthalb Jahren verzeichnen wir allerdings eine Seitwärtsbewegung. Hier ist es naheliegend, dass dies auch mit der höheren Anzahl an Claims zusammenhängt.

Hat die Zahl der Anbieter das Prämienniveau bislang entscheidend beeinflusst? Welche Entwicklung erwarten Sie bei Prämien und/oder Enhancements?

Die erhöhte Zahl der Anbieter und der Rückgang der Anzahl an Transaktionen ab 2022 hat das Prämienniveau beeinflusst, sodass die Prämien heute bis zu 30 % günstiger sind als noch in den Jahren 2021 und 2022. Das Prämienniveau und die Kosten für Enhancements haben sich vor ca. anderthalb Jahren stabilisiert. Wir erwarten, dass die Kosten gleich bleiben oder leicht ansteigen werden, da es vermehrt zur Auszahlung von Claims kommen wird.

Die Aon-Marktprognose betont den künftigen Einfluss von künstlicher Intelligenz im gesamten M&A-Prozess. Wie verändert Ihrer Einschätzung nach KI einzelne Schritte wie die Due Diligence, Ausgestaltung der Police, Trend zu synthetischen Deckungen etc. bei Transaktionen konkret?

Wir sehen vermehrt Anfragen von Beratern, die darauf abzielen, in welchem Umfang die Versicherer bereit sind, KI-generierte Due-Diligence-Ergebnisse zu akzeptieren. Hier stehen wir in engem Austausch mit den Versicherern und den Beratern, um akzeptable Standards auszuloten und Testläufe zu unternehmen. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis zumindest Teilbereiche der Due Diligence Exercise rein KI-basiert erfolgen wird. Denkbar ist dies vor allem für Bereiche mit einer hohen Anzahl ähnlicher Verträge, z.B. großen Mietportfolios oder einer hohen Anzahl ähnlicher sonstiger Verträge. Auch bei der Gestaltung der Police sehen wir Möglichkeiten zur Automatisierung und besprechen diese mit den Marktteilnehmern.

Zum Ausblick 2026: Wo sehen Sie mittelfristig Innovationen im Bereich der W&I-Police, um die „Execution Certainty“ für Investoren weiter zu erhöhen?

Wir erwarten, dass synthetische Lösungen wie teilsynthetische oder komplett synthetische Garantiekataloge, die unabhängig vom Kaufvertrag zwischen dem Versicherer und dem Käufer vereinbart werden, weiter Einzug in den Markt halten und die Verhandlungen zwischen den Vertragsparteien erleichtern werden. Hier werden wir weiterhin versuchen, unserer Vorreiterrolle in diesem Bereich gerecht zu werden und den Markt voranzutreiben.

Sehr geehrter Herr Wirth, vielen Dank für diese interessanten Einblicke.

Das Interview führte Stefan Preuß.


ZUM INTERVIEWPARTNER

Roger Wirth, Leitung M&A- und Transaction-Solutions-Geschäft DACH und Client Executive, Aon || Foto: Aon

Roger Wirth leitet das M&A- und Transaction-Solutions-Geschäft von Aon in den Regionen DACH und CEE und betreut als Client Executive ausgewählte globale Beziehungen zu Financial Sponsors. Zuvor war er als Global Chief Operating Officer für das M&A- und Transaction-Solutions-Geschäft von Aon sowie für paneuropäische Private-Equity-Kunden verantwortlich. Darüber hinaus unterstützte er den Aufbau des M&A- und Transaction-Solutions-Geschäfts von Aon in Frankreich und Italien. Wirth verfügt über einen Abschluss in Betriebswirtschaft der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften sowie über ein Diplom in Business Administration der London School of Economics.

Autor/Autorin

Stefan Preuß
Redaktionsleiter GoingPublic at  | Website

Stefan Preuß ist Wirtschafts- und Finanzjournalist mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Kapitalmarktumfeld. Der gelernte Tageszeitungsredakteur war zudem als Investor-Relations-Manager tätig. Er gehört zum Team der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Er schreibt regelmäßig zu den Schwerpunktthemen IPOs, Vermögensanlage und Nachfolgelösungen.