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Der Mittelstand bleibt kommunikationsstark – persönliche Kontakte dominieren, digitale Instrumente gewinnen an Tiefe und KI hält Einzug in die IR-Arbeit. Das sind zwei Ergebnisse aus der jährlichen Umfrage der GBC AG im börsennotierten Mittelstand. Der folgende Beitrag ist in der neuen GoingPublic 4/25 erschienen. 

In einem weiterhin anspruchsvollen ­Kapitalmarktumfeld bleibt es für börsennotierte Unternehmen von zentraler Bedeutung, bei Investoren sichtbar und präsent zu sein. Eine professionelle und konsistente Investor-Relations-Arbeit war damit auch 2025 ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine nachhaltige Kapitalmarktstrategie. Vor allem für den Mittelstand zeigt sich, dass die Mischung aus bewährten Instrumenten und neuen digitalen ­Möglichkeiten zunehmend an Bedeutung gewinnt. Seit 2007 befragt die GBC AG den deutschen börsennotierten Mittelstand jährlich zu seiner IR-Arbeit und zu den Kommunikationsinstrumenten, die er dafür einsetzt. Die diesjährige Erhebung, durchgeführt im Zeitraum Oktober bis ­November 2025, aktualisiert die Ergebnisse der Vorjahre und zeigt eindrucksvoll, wie sich Trends festigen und neue Themen – insbesondere KI – an Dynamik gewinnen.

IR-Budgets: Stabilität trotz steigender Unsicherheit

Die Ergebnisse der Umfrage 2025 verdeut­lichen, dass sich das Budgetniveau im Bereich Investor Relations weiter stabilisiert hat. 64% der befragten Unternehmen geben an, ihre IR-Ausgaben im kommenden Jahr konstant zu halten. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Budgets erhöhen wollen, liegt wie im Vorjahr bei 17%, während 19% eine Reduzierung in Betracht ziehen. Trotz herausfordernder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen bleibt IR damit auf einem soliden Niveau. Mehr als die Hälfte der Unternehmen plant inzwischen IR-Budgets über 150.000 EUR ein.

Institutionelle Investoren und Analys­ten bleiben zentrale Zielgruppen

Auch 2025 stehen institutionelle Investoren und Analysten im Fokus der IR-Aktivitäten. Beide Zielgruppen werden weiterhin von über 80% der Unternehmen als sehr wichtig eingestuft. Private Investoren bleiben stabil relevant, während Journalisten erneut an Bedeutung verlieren.

Persönlicher Austausch bleibt Grundpfeiler der IR-Kommunikation

One-on-one-Meetings auf Investorenkonferenzen bleiben mit über 95% Zustimmung das wichtigste Instrument der
IR-Verantwortlichen. Investoren- und ­Analystenkonferenzen bleiben ebenfalls hochrelevant. Klassische Kanäle wie Print­anzeigen oder Onlinewerbung verlieren hingegen weiter an Wichtigkeit.

Einfluss auf den Aktienkurs: Meetings und Konferenzen dominieren erneut

Die Einschätzung der Unternehmen zum Einfluss verschiedener IR-Instrumente auf den Aktienkurs bestätigt die Ergebnisse der letzten Jahre. One-on-one-Meetings sowie Investoren- und Analystenkonferenzen gelten weiterhin als diejenigen Maßnahmen, die den größten Einfluss auf die Kursentwicklung haben. Nationale Road­shows verlieren leicht an Dynamik, bleiben aber ein wichtiger Bestandteil der IR-­Arbeit. Überraschend gering wird hingegen erneut der Einfluss von Nachhaltigkeitsberichten bewertet. Nur ein kleiner Teil der Unternehmen sieht darin einen relevanten ­Beitrag zur Kursentwicklung.

Researchabdeckung gewinnt weiter an Bedeutung

Ein weiterer zentraler Bestandteil einer ­erfolgreichen Kapitalmarktkommunikation ist die kontinuierliche Researchabdeckung. Die diesjährige Umfrage zeigt, dass sowohl Bankenresearch als auch bankenunabhängiges Research an Bedeutung gewinnen. Während im Jahr 2024 noch 60,4% der ­Unternehmen Bankenresearch als wichtig oder sehr wichtig einstuften, steigt dieser Wert 2025 deutlich auf 74,5%. Auch das banken­unabhängige Research legt zu: Die Relevanz steigt von 50,0% im Vorjahr auf 55,3% heuer. Unternehmen betonen, dass Bankenresearch weiterhin hohe Glaubwürdigkeit bei insti­tutionellen Investoren besitzt, während ­unabhängige Researchanbieter vor allem durch größere Flexibilität und eine oft breitere inhaltliche Abdeckung punkten. Beide Formen der Analystenberichterstattung ­ergänzen sich damit wirkungsvoll und ­tragen entscheidend dazu bei, Transparenz zu erhöhen und neue Investorenkreise zu erschließen.

Digitale Formate und Social Media: LinkedIn weiterhin klar führend

Wie bereits im Vorjahr zeigt sich auch 2025, dass Social Media in der IR-Arbeit zunehmend eine Rolle spielt. Die meistgenutzte Plattform bleibt mit deutlichem Abstand LinkedIn, das mit einer Nutzungsquote von über 95% weiterhin einen Spitzenwert ­erreicht. YouTube und Instagram haben im Vergleich zum Vorjahr weiter zugelegt und werden von immer mehr Unternehmen ­ergänzend eingesetzt. Erkennbar rückläufig ist hingegen die Nutzung von X (Twitter) und XING, die erneut an Bedeutung verlieren. Facebook und WhatsApp zeigen sich stabil und werden vor allem für ergänzende Kommunikationszwecke genutzt. Insgesamt zeigt die Social-Media-Landschaft, dass ­Unternehmen ihre digitale Präsenz konti­nuierlich ausbauen und stärker strategisch einsetzen.

Neue Dynamik 2025: KI hält Einzug in die IR-Arbeit

Erstmals wurde in der diesjährigen Befragung die Rolle der künstlichen Intelligenz in der Unternehmensstrategie und konkret in der IR-Arbeit untersucht. Die Ergebnisse zeigen eine klare Tendenz: KI ist im Mittelstand ange­kommen – wenn auch überwiegend in einer frühen Phase. 21% der Unternehmen sehen KI bereits als zentralen Bestandteil ihrer langfristigen Strategie. 32% ordnen KI eine wichtige strategische Rolle zu. Weitere 38% nutzen KI vor allem zur Effizienzsteigerung und Prozessoptimierung. Nur ein kleiner Anteil gibt an, dass KI derzeit keine Rolle im Unternehmen spielt. Die Investitionsbereitschaft ist ebenfalls hoch: Fast 60% der ­Unternehmen planen mittelfristig moderate Investitionen, beispielsweise für Automatisierung, Entscheidungsunterstützung oder datenbasierte Auswertungen. Jeweils 13% setzen auf große oder sehr große Investitionen und betrachten KI als strategisches Kern­thema. Bereits heute kommt KI vor allem in den Bereichen Datenanalyse, Backoffice-­Automatisierung, Marketing, Kundenservice und IT-Sicherheit zum Einsatz. In der IR selbst wird KI bislang vor allem zur Text­produktion, zur Analyse von Investorenfeed­back sowie zur Vorbereitung von Präsentationen und Reports genutzt. Interessant ist, dass bislang nur rund 25% der Unternehmen KI-Initiativen transparent gegenüber Investoren kommunizieren. Hier zeigt sich ein noch zurückhaltender Dialog, der sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln dürfte.

Fazit

Die Ergebnisse unserer aktuellen Analyse zeigen, dass der deutsche Mittelstand seine Investor-Relations-Arbeit konsequent weiter­entwickelt und sowohl bewährte Kommunikationskanäle als auch neue digitale Instrumente strategisch einsetzt. Der direkte ­Dialog mit Investoren bleibt dabei ein unverzichtbarer Bestandteil der Kapitalmarktkommunikation. Gleichzeitig zeigt sich, dass Social Media – allen voran LinkedIn – zunehmend professionalisiert wird und KI Schritt für Schritt Einzug in die IR-Prozesse hält. Zudem wird deutlich, dass eine verlässliche Researchabdeckung – sowohl durch Bankenresearch als auch durch banken­unabhängige Anbieter – weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Die steigende Bedeutung beider Researchformen unterstreicht, wie zentral fundierte Analysen und unabhän­gige Einschätzungen für die Sichtbarkeit und Bewertung mittelständischer Unternehmen am Kapitalmarkt sind. Unternehmen verfolgen damit eine ausgewogene und ­moderne Kommunikationsstrategie, die persönliche Beziehungen, digitale Reich­weite und analytische Transparenz miteinander verbindet. Die Bereitschaft, neue Technologien zu integrieren, die eigene
IR-Arbeit weiter zu professionalisieren und zugleich auf hochwertige Researchab­deckung zu setzen, belegt, dass der Mittelstand gut aufgestellt ist, um den steigenden Anforderungen eines dynamischen Kapitalmarkts gerecht zu werden

Autor/Autorin

Manuel Hoelzle. Copyright Foto: GBC AG
Dipl.Kfm. Manuel Hoelzle
Chefanalyst, Vorstandsvorsitzender at  | Website

Dipl.Kfm. Manuel Hoelzle ist Chefanalyst bei der GBC AG. Das Unternehmen mit Sitz in Augsburg ist eines der führenden bankenunabhängigen Investmenthäuser in Deutschland und erfahrener Emissionsexperte für den deutschen Mittelstand.

Kristina Heinzelbecker. Copyright Foto: GBC AG
Kristina Heinzelbecker
Konferenzmanagerin at  | Website

Kristina Heinzelbecker ist Konferenzmanagerin bei der GBC AG. Das Unternehmen mit dem Sitz in Augsburg ist eines der führenden bankenunabhängigen Investmenthäuser in Deutschland und erfahrener Emissionsexperte für den deutschen Mittelstand.