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Befeuert durch die Überarbeitung der Markets in Financial Instruments Directive (MiFID II) ist bei den Investor-Relations-Abteilungen offenkundig ein struktureller Wandel hin zu einer aktiveren Gestaltung des Investor Access in vollem Gange. Von Dr. Charlotte Brigitte Looß

„Im Erstkontakt ist das persönliche Gespräch unersetzlich“, hebt Andrea Kögler-Ihler, Senior IR Manager der AIXTRON SE, den Stellenwert von Investorentreffen hervor. Nicht ohne Grund gilt der direkte Investorenkontakt als mit Abstand wichtigstes Investor-Relations-Instrument. Die langjährige IR-Expertin führt aus: „Es ist ein gelungenes Investorengespräch, wenn ein neuer Investor anfängt, die richtigen Fragen zu stellen, und so die Grundlage für eine vertrauensvolle lang anhaltende Beziehung gelegt wird.“ Vor der Umsetzung von MiFID II waren Befürchtungen aufgekommen, dass dieses Instrument für Small- und Mid Caps zukünftig beschränkt wäre. Genau dies scheint allerdings nicht eingetreten zu sein.

Konsolidierung bei den Brokern

„Zwei Dinge haben sich in den letzten zwei Jahren seit dem Inkrafttreten von MiFID II geändert“, erläutert Matthias Desmarais, Head of Equity Research bei der deutsch-französischen Privatbank Oddo BHF. „Zum einen sind die europäischen Provisionen um mehr als ein Fünftel zurückgegangen, was zu einer starken Veränderung im Research geführt hat. Andererseits bezahlen über 80% der Kunden das Research aus ihrer eigenen G&V, was zu einem Rückgang der Broker führte. Folglich sehen wir eine deutliche Verringerung der Zahl von regulären Roadshows.“ Das übrig gebliebene Corporate-Access-Angebot muss nun der tendenziell steigenden Nachfrage von Investoren gerecht werden. „Die Zahl der Investoren auf unserer Konferenz ist in den letzten zwei Jahren um etwa 10% gestiegen“, erklärt Desmarais.

Der Anstieg des Investoreninteresses an einzelnen Konferenzen ist jedoch nicht allein dem gesunkenen Angebot geschuldet, wie Wolfram Koch vom Equity Forum beobachtet: „Unsere Wahrnehmung ist es, dass Investoren ihre Budgetmittel selektiver einsetzen und sich auf einige wenige Konferenzen im Jahr konzentrieren.“ Davon profitieren vor allem die Small- und Mid Caps, wie Kochs Kollege Julius Kostka bestätigt: „Investoren haben auch nur ein begrenztes Zeitkontingent. Wenn sie bei großen Veranstaltungen die Auswahl haben, fallen kleine Emittenten durchaus hinten runter.“ Nachdem die Slots bei den großen Emittenten aufgrund der zunehmenden Investorenzahl schneller besetzt sind, profitieren kleinere Emittenten automatisch davon.

Emittenten registrieren mehr Meetings

Auf Seiten der Small- und Mid Caps bestätigt sich dies. So berichtet Axel Weber, Leiter Investor Relations bei der CEWE Stiftung & Co. KGaA: „MiFID II spüren wir dadurch, dass die Konferenzen wichtiger geworden sind. Die Zahl der Meetings nimmt zu.“ Negative Auswirkungen von MiFID II? Fehlanzeige! Je nach Größe und Beliebtheit des Geschäftsmodells absolvieren kleinere Emittenten jährlich etwa 25 bis 50 Roadshows und Konferenztage. Hannes Roither, Konzernsprecher der Palfinger AG und verantwortlich für Investor Relations, bemerkt dazu: „Ich warte jedes Jahr, dass die großen Änderungen kommen, aber bisher habe ich die nicht feststellen können.“ Teilweise ergibt sich sogar ein gegenläufiges Bild, wie das Beispiel von Klaus Fahrnberger, Head of Investor Relations bei bet-at-home.com AG, zeigt: „Wir haben MiFID II gut überstanden, wir machen sogar mehr Roadshows als vor MiFID II.“

IR wird bankenunabhängiger

Kein Emittent würde allen Ernstes infrage stellen, dass die Broker zweifellos die ersten Ansprechpartner bleiben. Nur beschränkt sich deren Zugang nach MiFID II häufig auf die Investoren, die mit ihnen vertraglich verbunden sind. „Wir beginnen zunehmend, zu hinterfragen, ob wir die richtigen Investoren sehen. Dazu betreiben wir im Vorfeld mehr Targeting und halten im Nachgang unsere Meetings systematisch nach“, sagt Guido Pickert, Vice President Investor Relations der AIXTRON SE. „Wir machen uns im Hintergrund bereit, die Investorenansprache zukünftig auch direkt machen zu können.“ Umgekehrt treten viele Investoren ebenfalls in eigener Regie mit den Emittenten in Kontakt. Dazu Axel Weber: „Wir bemerken eine verstärkte direkte Nachfrage seitens der Investoren nach Gesprächen.“

Auffällig ist das neue Selbstbewusstsein der Investor-Relations-Experten. Klaus Schinkel, Head of Germany bei Edison Investment Research Limited, stellt fest: „Small- and Mid Caps stellen sich immer mehr bankenunabhängig auf, sowohl was Roadshows als auch Konferenzteilnahmen betrifft. Sie wollen sich nicht mehr allein auf die Banken verlassen.“ Während sie in der Ära vor MiFID II häufig den Brokern die Auswahl der passenden Gesprächspartner überließen, nehmen die Emittenten nun ihre Präsenz bei den Investoren vermehrt in die eigene Hand – teils unter gezieltem Einsatz von zusätzlichem Budget. „Ich bin gerne bereit, für eine gute Konferenz oder Roadshow etwas zu bezahlen“, kommentiert Hannes Roither von Palfinger. Seine Überlegung: „Der Vorteil eines unabhängigen Anbieters ist, dass es keine geschäftlichen bzw. wirtschaftlichen Interessen gibt und deshalb danach geschaut wird, was am besten zu uns passt.“

Für Fahrnberger ist ein breiterer Zugang zu den Investoren aus einem weiteren Grund unumgänglich: Da die Angelsachsen mit dem Geschäftsmodell von bet-at-home.com besser vertraut seien als Investoren aus Kontinentaleuropa, sind die Finanzmetropolen in den USA sehr wichtig für ihn. „Neben unseren deutschen Kapitalmarktpartnern aus der Zeit des Listing im Entry Standard haben wir spätestens ab dem Listing im Prime Standard gezielt nach internationalen Kapitalmarktpartnern gesucht, um die Investorenbasis breiter zu diversifizieren und gezielt Peergroup-Investoren ansprechen zu können.“

Fazit

MiFID II scheint die Bedeutung von Konferenzen aus Sicht der IR-Verantwortlichen nochmals zu verstärken. Für die Konferenzanbieter ist die Rolle von MiFID II nicht ganz so eindeutig feststellbar. Matthias Desmarais verweist auf die wachsende Anzahl von Investoren aus den USA und Kanada auf dem Oddo BHF Forum, die nicht unter die europäische Regulierung fallen. Lukasz Ogonowski vom Equity Forum bestätigt dies: „Wir beobachten ebenfalls eine steigende Zahl an internationalen Investoren; sogar Fonds aus Australien und Neuseeland waren in der letzten Zeit bei unseren Veranstaltungen vertreten.“

Dieser Artikel ist eine Vorabveröffentlichung aus dem am Samstag erscheinenden GoingPublic-Magazin