Trotz der Talfahrt zum Jahresende hat sich das IPO-Jahr 2018 insgesamt in einer guten Verfassung gezeigt. Vor allem die Börsengangaktivität bei Biotechunternehmen war im abgelaufenen Jahr sehr stark, wenngleich nicht allzu rentabel. Einige IPO-Schwergewichte stehen für dieses Jahr in der Pipeline. Von Ike Nünchert

In Sachen Börsengangaktivität war in den USA seit November letzten Jahres der Wurm drin. Nachdem im September und im Oktober 2018 noch je über 20 IPOs zu verzeichnen waren, sank die Anzahl dann auf sieben – im Dezember waren es gar nur noch sechs. Während im November aber lediglich kleine Unternehmen mit einem Gesamtemissionsvolumen von knapp 220 Mio. USD an NYSE und NASDAQ starteten, stieg selbiges im Dezember vor allem dank des über 1 Mrd. USD schweren Börsengangs des chinesischen Streamingdienstleisters Tencent Music und des mit Spannung erwarteten IPOs des Biotech-Start-ups Moderna auf insgesamt knapp unter 2 Mrd. USD an. Die Zeichnungsgewinne hingegen waren wie im November schon kaum signifikant und beliefen sich im Durchschnitt auf 1%.

Zunehmender Protektionismus und der Shutdown haben dazu geführt, dass im Januar kein einziges IPO in den USA stattfand.
Zunehmender Protektionismus und der Shutdown haben dazu geführt, dass im Januar kein einziges IPO in den USA stattfand.

Das seit Langem erwartete IPO von Tencent Music ergänzt die lange Reihe chinesischer Börsengänge, die 2018 trotz – oder womöglich gar wegen – der Handelsstreitigkeiten realisiert wurden. Die meisten davon trafen allerdings auf eine relativ schwache Nachfrage. Das 2003 gegründete Tencent ist die größte Online-Streamingplattform Chinas, verbuchte im letzten Jahr 2,5 Mrd. USD Umsatz und ist aktuell hochprofitabel. Der erste Handelskurs lag in der Mitte der Emissionsspanne bei 14 USD und hat das Streamingunternehmen damit auf eine Marktkapitalisierung von 24 Mrd. USD kalibriert. Tencent war 2018 darüber hinaus das vierte chinesische IPO jenseits der 1-Mrd.-USD-Schwelle. Chinesische Börsenneulinge generell und speziell Streamingplattformen stoßen derzeit aber eher auf Investorenskepsis, also könnte man die aktuelle Performance mit einem Zeichnungsgewinn von 8% und einer IPO-Performance von 14% angesichts der Marktlage als durchaus positiv bezeichnen.

Biotechs und chinesische Firmen im Fokus

Modernas Börsengang erzielte ein Volumen von 600 Mio. USD und ist damit bislang das größte Biotech-IPO überhaupt. Die Marktkapitalisierung beläuft sich aktuell auf ca. 8 Mrd. USD. Allerdings – und damit reiht sich Moderna in die jüngsten Verluste innerhalb der Biotech-Branche ein – war das Start-up auch mit 19% Zeichnungsverlust der Monatsverlierer und performt aktuell gar bei -32%. Moderna wird zwar viel Potenzial zugeschrieben, aber es wurden bislang noch keine mRNA-basierten Therapien genehmigt und das Unternehmen ist nach wie vor in der Frühphase.

Monatsgewinner war der Krebstherapieentwickler Synthorx mit einem Zeichnungsgewinn von 15% und aktuellem Plus von 36%, dem eine durchbrechende Therapiemethode zugeschrieben wird. Neben Moderna war auch die chinesische Online-Konsumkreditplattform 360 Finance Monatsverlierer, die mittlerweile mit 26% in der Verlustzone liegt. 360 Finance wächst derzeit zwar schnell, schreibt aber auch noch hohe Verluste.

Trotz Einbruch bestes IPO-Jahr seit 2014

Gemessen am Emissionsvolumen lag 2018 mit 47,5 Mrd. USD bei 192 Börsengängen doch recht deutlich über den vergangen drei Jahren (2017: 36,9 Mrd. USD; 2016: 19,8 Mrd. USD; 2015: 33,9 Mrd. USD), allerdings weiterhin klar unter dem 2014er-Rekordwert 85,9 Mrd. USD. Der durchschnittliche Zeichnungsgewinn lag mit 12,6% in diesem Zeitraum an zweiter Stelle hinter 2015 mit 13,4%. Allerdings konnten auch relativ viele IPOs ihre anfänglichen Gewinne nicht halten. Insgesamt zehn IPOs übertrafen die 1-Mrd.-USD-Schwelle, darunter z.B. die Cloudspeicherdienstleister Dropbox und DocuSign, die Ticketingplattform Eventbrite, der Finanzdienstleister AXA Equitable oder der chinesische Streaminganbieter iQIYI. Chinesische IPOs waren 2018 so zahlreich vertreten wie seit acht Jahren nicht und Biotechs haben bei unterdurchschnittlicher Performance ein Rekordvolumen emittiert.

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