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Bayern Kapital ist die Venture- und Growth-Capital-Gesellschaft des Freistaats Bayern und einer der erfahrensten und finanzstärksten Venture-Capital-Investoren im DACH-Raum mit Fokus auf technologieorientierte Startups und Scaleups in Bayern.

Plattform Life Sciences: Herr Mrachacz, welche Rolle nimmt Bayern Kapital im deutschen VC-Ökosystem ein?

Markus Mrachacz, Geschäftsführer Bayern Kapital. Copyright: Bayern Kapital
Markus Mrachacz, Geschäftsführer Bayern Kapital. Copyright: Bayern Kapital

Markus Mrachacz: Als öffentlicher Ankerinvestor mit mehr als 30 Jahren an Investitionserfahrung bietet Bayern Kapital durchgängige Finanzierung entlang des gesamten Wachstumspfades von Unternehmen und über alle Investment-Phasen hinweg. Wir beteiligen uns in vielen Fällen bereits sehr früh an vielversprechenden Unternehmen und bleiben als langfristiger, strategischer Partner mit an Bord, von der Pre-Seed-Phase bis hin zur Scaleup-Phase. Zudem investieren wir stets in enger Kooperation mit Business Angels und privaten Co-Investoren wie Family Offices, Venture Capital- und Corporate Venture Capital-Gesellschaften – und mobilisieren auf diese Weise zusätzliches privates Kapital für unsere Beteiligungen. Selbstverständlich profitieren unsere Portfoliounternehmen auch abseits von langfristiger finanzieller Sicherheit von diesem breiten Partnernetzwerk, beispielsweise durch Beratung auf Basis langjähriger Erfahrung in verschiedenen Branchen. Bisher haben wir mit unserem ganzheitlichen Ansatz mehr als 390 Unternehmen finanziert – einschließlich mehrerer deutscher Unicorns wie Quantum Systems, IQM oder EGYM.

Aus Sicht und Erfahrung von Bayern Kapital: Wo liegen gerade die großen Chancen und Herausforderungen bei Investitionen in Branchen wie Life Sciences?

Life Sciences gehört zu den Branchen, die nach wie vor über enormes Potenzial verfügen, sowohl hinsichtlich Kapitalrendite als auch bei der Schaffung von qualifizierten, zukunftssicheren Arbeitsplätzen. Life Sciences ist allerdings auch eine Branche mit langen Entwicklungszeiten, die von Anfang an und über alle Unternehmensphasen hinweg konstante und hohe Investitionen erfordert, insbesondere in den kritischen ersten Gründungs- und Wachstumsjahren. Die Anzahl der branchenerfahrenen Investoren, die diese langen Wege mitgehen, ist in Europa limitiert. Um an ausreichend Venture Capital zu gelangen, bleiben für viele Gründer also nur internationale Investoren als Option – mit der Folge, dass Expertise, Patente und Arbeitsplätze potenziell ins Ausland abwandern und sich diese Länder schneller und früher Marktanteile in Zukunftsbranchen sichern. Oder es kommt gar nicht erst zur Gründung.

Portrait BayernKapital

Hat der Freistaat Bayern deshalb im vergangenen Jahr einen neuen Wachstums- und ScaleUp Fonds mit einem Volumen von 500 Mio. EUR aufgelegt?

Ja, genau. Dieser neue Fonds soll dazu beitragen, diese Finanzierungslücke für Startups und Scaleups in Bayern zu schließen. Der „Wachstums- und ScaleUp-Fonds Bayern“ wurde im Rahmen der „VC4Start-ups Initiative Bayern“ vom Bayerischen Wirtschaftsministerium im Herbst 2025 aufgelegt und wird von Bayern Kapital verwaltet. Mit diesem Fonds ist Bayern Kapital in der Lage, ab sofort bis zu 50 Millionen EUR in ein einzelnes Unternehmen zu investieren und kann damit auch die kapitalintensiven Later Stage- und Expansionsfinanzierungsrunden abdecken, für die viele Unternehmen bislang auf internationale Investoren angewiesen waren. Damit will der Freistaat ein klares Signal senden, sowohl an aufstrebende Unternehmen in kapitalintensiven Branchen als auch an private Investoren und den internationalen Markt: Bayern investiert in vielversprechende Hightech- und Deeptech-Unternehmen und bleibt damit ein Standort für Zukunftstechnologien.

Herr Mrachacz, herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

Das Interview führte Urs Moesenfechtel.

 

Autor/Autorin

Redaktionsleiter Plattform Life Sciences at  | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.