Noch bis Ende dieser Woche läuft die Zeichnungsfrist für den ersten deutschen ‚Fußball-Börsengang‘ seit Borussia Dortmund vor fast zwei Jahrzehnten. Das GoingPublic Magazin sprach mit Geschäftsführer Manfred ‚Manni‘ Schwabl.

GoingPublic: Herr Schwabl, warum haben Sie sich jetzt dafür entschieden, den für einen deutschen Verein immer noch ungewöhnlichen Schritt eines Börsengangs zu vollziehen?
Schwabl: Warum in den letzten Jahrzehnten kein deutscher Fußballverein mehr an die Börse gegangen ist, kann ich nicht beantworten. Wir beschäftigen uns schon seit weit über einem Jahr mit dem Thema und sind sicher, dass es der für uns richtige Weg ist und wir Anlegern eine interessante Wachstumsstory bieten können.

Wie sieht Ihre Story aus?
Wir wollen in Haching eine neue Ära einleiten. Das Fundament dafür ist vorhanden. In den vergangenen Jahren hat sich die Spielvereinigung finanziell konsolidiert, als Talentschmiede positioniert und mit einem vergleichsweise kleinen Etat erfolgreich weiterentwickelt. Jetzt wollen wir angreifen und mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga in den kommenden drei Jahren eine neue finanzielle Dimension erreichen. Dabei werden wir bodenständig bleiben. Wir werden natürlich weiter in die Qualität der Profimannschaft investieren sowie in unser Stadion und das Nachwuchsleistungszentrum. Und zudem überwiegend auf Talente aus der Region setzen. Hohe Ablösezahlungen wird es bei uns auch in Zukunft nicht geben.

Wäre es für Sie in näherer Zukunft auch denkbar, weitere Investoren jenseits des aktuell geplanten „Freefloats“ ins Vereinsboot zu holen, sofern die Bedingungen es erfordern würden bzw. es lohnenswert erscheint?
Grundsätzlich freuen wir uns über jeden, der unseren bodenständigen Weg mitgehen möchte. Dafür bietet die Börsennotierung jedem die Möglichkeit, sich zu beteiligen. Fan, Anleger oder strategischer Investor. Ich bin selbst Aktionär und möchte mit der Haching-Aktie erfolgreich sein, aber wer sein Kapital in wenigen Monaten verdoppeln möchte, ist bei uns nicht richtig aufgehoben.

Wie würden Sie allgemein die Zukunft im deutschen Profifußball bzgl. des Einstiegs von Eigenkapitalgebern bzw. auch der Aufrechterhaltung der 50+1-Regel einschätzen?
Für mich gehört die 50+1-Regel grundsätzlich abgeschafft. Jeder Verein sollte für sich entscheiden können, welcher der für ihn richtige Weg ist.

Ist denn aus Ihrer Sicht, das Planziel der Spielvereinigung binnen drei Jahren in die 2. Bundesliga aufzusteigen, eher konservativ oder eher herausfordernd gewählt?
Es ist realistisch, aber natürlich kein Selbstläufer. Die dritte Liga rückt sportlich immer näher an die 2. Bundesliga heran und zahlreiche Traditionsvereine sind dabei. In der laufenden Saison wollen wir uns in der oberen Tabellenhälfte etablieren und dann angreifen.

Und falls Sie – von einem Fan etwa – gefragt würden, ob sie auch schon einen Aufstieg in die 1.Bundesliga am Horizont sähen, würden Sie das gegenwärtig noch als Phantasterei „abwiegeln“ oder könnten sie dem Fragesteller dazu auch einen möglichen Zeitplan darstellen?
Haching hat vor 20 Jahren schon mal Geschichte geschrieben und in der 1. Bundesliga gespielt. Aber: Man sollte Visionen auch keine Grenzen setzen. Wir stehen auch künftig für Bodenständigkeit. Wir wollen in die 2. Bundesliga aufsteigen und uns dort etablieren. Dann hätten wir schon viel erreicht. Davon sollte dann auch die Aktie deutlich profitiert haben.

Manni Schwabl: Mission 2. Bundesliga

Wo würden Sie gegenwärtig bei der Umsetzung der Ziele für den Aufstieg binnen drei Spielzeiten noch das größte Risiko und wo die größte Chance für den Verein sehen?
Risiko ist Verletzungspech, wie wir es in der vergangenen Saison hatten. Darauf haben wir reagiert und den Kader in der Spitze und Breite verstärkt. Die vergangene Saison hat auch unsere große Stärke gezeigt. Alle im Verein und im Umfeld haben in dieser schwierigen Phase zusammengehalten und Ruhe bewahrt. Dies ist alles andere als selbstverständlich im modernen Fußball und hat uns noch stärker zusammengeschweißt.

Herr Schwabl, herzlichen Dank für Ihre Einschätzungen und viel Erfolg bei der Mission Aufstieg!

–> Hier geht es zum IPO im Fokus <–

Interview: Ike Nünchert

Über den Autor

Falko Bozicevic ist Chefredakteur des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für das Portal BondGuide (www.bondguide.de)