Bildnachweis: Vincorion.

Anfang dieses Monats hatte der norddeutsche Rüstungszulieferer Vincorion vermeldet, noch im ersten Halbjahr 2026 an die Börse zu gehen. Jetzt soll alles ganz schnell gehen. Das Unternehmen will bereits kommenden Freitag (20. März) in Frankfurt sein Börsendebüt feiern. Die Zeichnungsfrist läuft vom Montag, den 16. März, bis Donnerstag, den 19.März. Insgesamt werden rund 20,3 Mio. Aktien zum Festpreis von jeweils 17 EUR angeboten. Die Investmentbanken BNP Paribas, J.P. Morgan und Berenberg organisieren die Emission. Von Gian Hessami


Die angebotenen Aktien stammen vollständig vom Finanzinvestor Star Capital, der Vincorion im Jahr 2022 vom Technologiekonzern Jenoptik gekauft hatte. Über den Börsengang am kommenden Freitag nimmt Star Capital daher bis zu 345 Mio. EUR ein. Der Angebotspreis impliziert bei Vincorion eine Marktkapitalisierung von 850 Mio. EUR.

Kernaktionäre zeichnen Aktien im Gesamtvolumen von 105 Mio. EUR

Für knapp ein Drittel der angebotenen Papiere hat Vincorion bereits feste Kaufzusagen von Kernaktionären („Cornerstone-Investoren“). Die Fondsgesellschaften Fidelity International und Invesco Asset Management sowie der Investor T. Rowe Price wollen zusammen Aktien für 105 Mio. EUR zeichnen. Star Capital bleibt mit knapp 60 % beteiligt.

„Der Weg an die Kapitalmärkte ist ein entscheidender Meilenstein für Vincorion. Und das große Interesse sowie die verbindlichen Zusagen unserer Cornerstone-Investoren bestätigen unsere Positionierung inmitten des Sicherheits- und Verteidigungssektors“, erläutert Kajetan von Mentzingen, CEO von Vincorion und ergänzt: „Dieser Schritt ermöglicht es uns, weiterhin zuverlässige Energie- und Mechatroniklösungen für führende Verteidigungsplattformen sowie innovative Luftfahrtsysteme zu entwickeln und herzustellen.“

Volle Auftragsbücher

Vincorion hat seinen Sitz in Wedel (Schleswig-Holstein) und wurde 2022 gegründet. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben ein führender Entwickler und Hersteller von Energie- und Mechatroniklösungen für Verteidigungsplattformen und fortschrittliche Luftfahrtsysteme mit Fokus auf innovative Energiesysteme, darunter Generatoren, elektrische Motoren und Antriebe, Aggregate, Leistungselektronik und hybride Energiesysteme. Das Unternehmen liefert wichtige Komponenten für prominente Waffensysteme wie den Kampfpanzer Leopard 2, den Schützenpanzer Puma oder das Luftabwehrsystem Iris-T SLM. Mit rund 900 Vollzeitbeschäftigten an Standorten in Deutschland und den USA erwirtschaftete Vincorion 2025 rund 240 Mio. EUR Umsatz. Der Auftragsbestand lag Ende 2025 bei 1,1 Mrd. EUR.

Fazit

Mit dem Börsengang folgt Vincorion dem tschechischen Rüstungsunternehmen CSG, das seine Aktien zu Beginn des Jahres an die Börse gebracht hatte und dem deutschen Rüstungsunternehmen GABLER Group, das erst kürzlich zum 09. März sein Börsendebüt feierte, auf das Parkett. Das Marktumfeld für Verteidigungstechnologie könnte angesichts der geopolitischen Spannungen und Eskalationen kaum besser sein. Der hohe Auftragsbestand bei Vincorion zeigt den großen Bedarf des Markts und zugleich, dass die Norddeutschen kein kleines Licht mehr in der Branche sind. Wie vor jedem geplanten Börsengang steht der tatsächliche IPO unter dem Vorbehalt der allgemeinen Marktbedingungen. Vincorion ist zudem von den staatlichen Verteidigungsausgaben und Exportgenehmigungen der Bundesregierung abhängig.

Autor/Autorin

Gian Hessami
Finanzjournalist at  | Website

Gian Hessami gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Als Finanzjournalist beleuchtet er regelmäßig aktuelle Entwicklungen an der Börse und ist Autor von Beiträgen und Aktienanalysen. Mit den Finanzmärkten beschäftigt sich der gelernte Zeitungsredakteur bereits seit 2004.