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Der Markt für Transaktionsversicherungen liegt gewissermaßen in Lauerstellung und wartet auf die von vielen vorhergesagte M+A-Welle ab 2026. Das lässt weitere Anbieter auf den hiesigen Markt drängen, obwohl die Zahl der Claims steigt und die Prämien einstweilen auf niedrigem Niveau verharren. Die Szene bleibt hochkompetitiv, der Versicherungsbranche beweist im Bestreben um Differenzierung bemerkenswerte Innovationskraft. Von Stefan Preuß
Das sind die Rahmenbedingungen, die wir in der Titelstory näher untersuchen. Wie gewohnt beleuchten unsere Autoren des Spezials Hintergründe, zeigen instruktive Praxisbezüge und spüren neue Trends auf. Der 8. Jahrgang das GoingPublic Special „M&A Insurance“ bringt Sie auf den aktuellen Stand. Wie gewohnt finden Sie diese Inhalte auch auf den unterschiedlichen Kanälen unserer Kapitalmarktplattform.
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In der 2025er Ausgabe gibt es wie immer wichtige Grundlagen:
- Warten auf die Erholung: Schlechte Konjunkturprognosen, hohe Energiekosten, rückläufiger Konsum, hohe Einfuhrzölle in den USA und der schwächelnde US-Dollar relativ zum Euro sind schwierige Rahmenbedingungen für M&A-Transaktionen in Deutschland. Für Dr. Michael R. Drill, Lincoln International, spricht trotz gedrückter Stimmung jedoch einiges dafür, dass sich der Markt für Fusionen und Übernahmen in den kommenden 18 Monaten deutlich erholen wird.
- Neue Kommerzialität: Der Boom des Versicherungsprodukts W&I-Police hat angesichts des sich nach wie vor konsolidierenden M&A-Markts verschiedene Ursachen. Es findet ein aktiver Diskurs zwischen Versicherern, Brokern und Underwritern statt, der entweder die Berater direkt involviert oder aber als Diskussionsergebnis an diese herangetragen wird. Dadurch entstehen Wachstumseffekte, die im erweiterten Transaktionsmarkt nach wie vor beispiellos sind, erläutert Dr. Marco Niehaus, Acquinex.
- Uncertain times, certain coverage? Dr. Heiko Bertelmann und Marcel Gießler, Norton Rose Fulbright, untersuchen die möglichen Auswirkungen der Tariffs der Marke Trump auf W&I-Versicherungen. Diverse geopolitische Spannungen, internationale Handelskonflikte der USA mit Handelspartnern sorgen für volatile Lieferketten und Märkte: Insbesondere international agierende Unternehmen, der M&A-Markt und damit auch der W&I-Markt stehen vor neuen Herausforderungen. Wie reagieren Underwriter auf diese neuen Risiken?
Ein weiterer wichtiger Teil des Heftes widmet sich den ganz konkreten Praxisbezügen rund um die W&I-Police. Die wachsende Komplexität und Internationalität von M&A-Transaktionen erhöht die Nachfrage nach W&I-Versicherungen – insbesondere nach Blind-Spot-Deckungen. Dem Versicherungsnehmer bieten sie gezielten Schutz für unzureichend geprüfte Risiken und sind somit eine wertvolle Ergänzung zu einer sorgfältigen Due Diligence, führt Dr. Nicolas Seyler, Ambridge, in seinem Fachbeitrag aus. W&I-Versicherungen bei setzen sich auch im Small- und Mid-Cap-Bereich weiter durch. Die Vorteile, Herausforderungen und aktuelle Entwicklungen beleuchtet Dr. Katharina Prasuhn, Heuking, aus ganz praktischer Sicht.
Kein Spezial M&A Insurance ohne Artikel zu Steuerfragen. „Wir erwarten weiteres Wachstum“ sagt Patricia Herms, MÖHRLE HAPP LUTHER, im Interview mit Redaktionsleiter Stefan Preuß. Verschärfte steuerliche Prüfungen und größere Komplexität internationaler Deals wirken dabei als Treiber.
Die Bewertung und Bemessung von Schäden bei Versicherungsschutz im M&A-Kontext steht im Zentrum des Beitrages von Eva-Maria Barbosa, Dr. Andreas Börner, Dr. Sven Förster und Adriaan Louw, Clyde&Co. Es geht um Multiples, die komplexe Finanzdaten zu einer Kennzahl verdichten und so den Vergleich von Unternehmensfinanzkennzahlen ermöglichen. Im M&A-Bereich werden Multiples häufig für die Bewertung von Unternehmen verwendet. Bei Kaufvertragsverhandlungen und der Finalisierung der W&I-Versicherung spielen sie oft eine untergeordnete Rolle – bis sie plötzlich im Mittelpunkt einer Schadensmeldung stehen.
Trends rund um W&I-Policen
Anspruch der Redaktion und des Heftes ist es, neue, wichtige Trends aufzuzeigen. Dazu zählen weiterhin synthetische Deckungen, die spannende Gestaltungsmöglichkeiten für Verkäufer und Käufer eröffnen, wie Till Liebau und Dr. Markus Rasner und Lisa Zimmermann, Oppenhoff, darlegen. Dabei sind synthetische Enhancements einer keinesfalls eine neuartige Erscheinung. Seit geraumer Zeit entwickelt sich das Angebot jedoch immer stärker weiter. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch das kompetitive Marktumfeld, das die Prämienaufschläge für solche Enhancements immer geringer ausfallen lässt.
„Nicht in Produkten, sondern in Lösungen denken“ fordert Robin Lawless, Managing Director, WECOYA TRANSACTIONAL RISK SOLUTIONS GmbH („WECOYA TRS“) im Interview mit Stefan Preuß. Er sieht im Geschäftsmodell als Assekuradeur zahlreiche Parallelen zum Private-Equity-Ansatz und will das Geschäft entsprechend weiterentwickeln. Ziel sei es, maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln, die echten Mehrwert für Kunden schaffen und gleichzeitig eine starke Portfolioperformance für Kapitalgeber liefern.
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Informationen rund um MAC-Klauseln liefern Irina Novikova, Peter Matthias Trick und Imane El Karouia-Tizi, Deloitte. Besonders im Zeitraum zwischen Signing und Closing können unvorhergesehene Entwicklungen den Wert des Zielunternehmens drastisch beeinflussen. Sogenannte Material-Adverse-Change-(MAC-)Klauseln gewinnen daher als vertragliches Sicherheitsinstrument zunehmend an Relevanz, führen die Experten aus.
Innovationen schützen mit einer Versicherung für geistiges Eigentum – für Birgit Rummel, Tokio Marine, das neue Muss. Denn in einer globalen, innovationsgetriebenen Wirtschaft machen immaterielle Vermögenswerte wie Patente, Marken und Know-how oft die Hälfte oder mehr des Unternehmenswertes aus. Der Schutz dieser Vermögenswerte sei mittlerweile genauso wichtig wie die Versicherung der physischen Infrastruktur.
Fazit
Der Markt für Transaktionsversicherungen bleibt von hoher Dynamik geprägt, der Konkurrenzdruck verharrt auf hohem Niveau. Dies sorgt für stete Innovationen, die angesichts niedriger Prämien als Differenzierungsmerkmal genutzt werden. Seit mehreren Ausgaben dieses Spezials stehen die Prämien im Fokus – ohne dass sich die erwarteten oder vorausgesagten Steigerungen manifestiert hätten. Nun aber gehen immer mehr Marktteilnehmer von einer Trendumkehr aus, zeigt Redaktionsleiter Stefan Preuß im Rahmen einer Umfrage unter Marktteilnehmern auf.
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📅 Tipp: Das Thema W&I-Versicherungen im M&A-Kontext wird am 1. September im Rahmen des „6. M&A Insurance Summer Forum 2025“ in Frankfurt a.M. vertieft – spannende Einblicke & Networking! Jetzt noch anmelden: https://lnkd.in/ewhuhChX
Autor/Autorin
Stefan Preuß
Stefan Preuß arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Redakteur im Kapitalmarktumfeld. Der gelernte Tageszeitungsredakteur sammelte zudem Erfahrung als Investor Relations Manager. Der Redaktion der GoingPublic Media AG gehört er als ständiger Mitarbeiter mit den Schwerpunktthemen IPOs, Vermögensanlage und Nachfolgelösungen an. Er betreut als Redaktionsleiter die jährlichen Spezialausgaben "Mitarbeiterbeteiligung" sowie "M&A Insurance".