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Mit einer Rekord-Finanzierungsrunde über mehr als 400 Mio. USD hat sich Tubulis im Oktober in die Spitzengruppe deutscher Unicorns katapultiert. Die Bewertung des Biotechunternehmens aus Planegg wird auf mehr als 2 Mrd. USD taxiert.
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Das Münchner Biotechunternehmen hatte mit dem Abschluss seiner ersten Tranche der Series-C-Finanzierung 308 Mio. EUR (ca. 361 Mio. USD) erhalten; eine der größten Serie-C-Runden, die je ein europäisches Biotech erzielt hat – und die größte Runde für ein privates Antibody-Drug-Conjugate-(ADC-)Unternehmen. Die Runde wurde von Venrock Healthcare Capital Partners angeführt, mit Beteiligung der neuen Investoren Wellington Management und Ascenta Capital sowie bestehender Investoren wie Nextech Invest, EQT Life Sciences, Frazier Life Sciences, Andera Partners, Deep Track Capital, Bayern Kapital, Fund+, High-Tech Gründerfonds (HTGF), OCCIDENT und Seventure Partners.

Ende Oktober teilte Tubulis mit, eine zweite Tranche platziert zu haben. Die neuen Investoren Fidelity Management & Research Company, Janus Henderson Investors und Blackstone Multi-Asset Investing schließen sich dem von Venrock Healthcare Capital Partners angeführten Serie-C-Konsortium an. Nunmehr beläuft sich die Gesamtsumme auf 401 Mio. USD. Die Finanzierung soll die Entwicklung von TUB-040 beschleunigen, um dessen Potenzial für Patienten nach den vielversprechenden ersten klinischen Ergebnissen zu erweitern und generell die Pipeline sowie die ADC-Technologie-Innovation des Unternehmens voranzutreiben. Zugleich werden die Pläne zur Einleitung von zulassungsrelevanten Studien mit dem führenden Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) TUB-040 weiter beschleunigt. Die Mittel werden zudem verwendet, um frühere Behandlungslinien bei Eierstockkrebs zu erforschen und in Kombinationsbehandlungen und neue Indikationen für solide Tumore zu expandieren.

Tubulis wurde 2019 als Ausgründung aus der Forschung initiiert und hat sich seither in rascher Folge finanziert und strategisch entwickelt. Bereits in früheren Finanzierungsrunden – etwa einer Series B2 über 128 Mio. EUR im März 2024 – sicherte sich das Unternehmen bereits erhebliche Mittel zur Beschleunigung seiner ADC-Entwicklung. Hinzu kommt eine Partnerschaft mit Gilead von Ende 2024, bei der Tubulis eine exklusive Lizenzoption für einen ADC-Kandidaten zur Verfügung stellte und eine Vorabzahlung von 20 Mio. USD sowie mögliche Meilensteine bis zu 415 Mio. USD vereinbarte. Tubulis ist damit eines der am höchsten kapitalisierten deutschen Biotech-Start-ups.

Fazit

Gründer Dominik Schumacher fokussiert sich darauf, Lösungen zu Patienten zu bringen, die dringend auf die Verbesserung der Behandlung ihres Tumors angewiesen sind. Die erfolgreiche Unterstützung entsprechender Medikamente dürfte dann zwangsläufig die Frage des Exits aufkommen lassen. Mit Tubulis besitzt Deutschland einen Technologieführer, der zu gegebener Zeit an der Börse hochwillkommen sein dürfte.


Dominik Schumacher || Foto: Tubulis GmbH

„Müssen flexibel sein und alle Finanzierungsmöglichkeiten offenhalten“

Interview mit Dominik Schumacher, Gründer und CEO, Tubulis

 

GoingPublic: Sehen Sie Tubulis nach der erfolgreichen Series-C-Finanzierung auf einem Level Playing Field mit US-Konkurrenten?

Schumacher: Unser Fokus lag schon immer darauf, ein internationales Unternehmen aufzubauen, und wir verstehen uns auch als internationales Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland. Wir waren auch bereits vor der Series-C-Finanzierung in den USA sichtbar, was sich unter anderem in der Beteiligung neuer US-Fonds in unserer letztjährigen Series-B2-Runde sowie unseren Partnerschaften mit BMS und Gilead widerspiegelt. Mit unserem US-Standort in Cambridge, MA, haben wir auch ein gutes Netzwerk für die Herstellung und klinische Evaluierung unserer ADC-Kandidaten aufgebaut, das wir auch fortlaufend erweitern wollen. Unser langfristiges Ziel ist es, Tubulis fest als globalen Vorreiter im Bereich ADC-Therapien zu etablieren, um Krebspatienten mit unseren neuartigen Behandlungsansätzen einen echten Mehrwert zu bieten.

Mit Venrock Healthcare Capital Partners hat ein Fonds investiert, der als Brücke zum Kapitalmarkt gilt. War es eine bewusste Entscheidung für diesen Investor?

Unser Ziel mit dieser Finanzierungsrunde ist es, Tubulis klar als globalen Innovationstreiber im Bereich der ADCs zu etablieren. Unser Investorsyndikat passt hier bestens zu uns, da es unsere langfristige Vision teilt und die nötige Expertise mitbringt, um uns optimal auf diesem Weg zu unterstützen. Mein persönliches Ziel für Tubulis ist, unsere Therapien so schnell wie möglich zu einer großen Anzahl von Patienten mit hohem medizinischem Bedarf zu bringen. Dazu müssen wir flexibel sein und alle Finanzierungsmöglichkeiten offenhalten. Genau diese Flexibilität sehe ich in unseren Investoren abgebildet. Sie verfügen über ein umfassendes Industrie-Know-how sowie ein breit aufgestelltes internationales Netzwerk, was insbesondere bei der klinischen Spätphasenentwicklung sowie für unser strategisches Unternehmenswachstum eine wichtige Rolle spielt.

Erkennt man denn auch in Europa das Potenzial von Tubulis?

Es ist wichtig, zu unterstreichen, dass fast die Hälfte des Geldes der Runde aus Europa kommt. Das ist ein starkes Signal – dennoch besteht hier allgemein für den Standort Deutschland/Europa noch Nachholbedarf. Während Europa umfassende Investitionsmittel für die Früh- und Mittelphase bietet, ermöglicht die Einbindung von US-Fonds den Zugang zu dem nötigen Kapital, um mehrere klinische Programme gleichzeitig voranzutreiben. Die Beteiligung von führenden US-Fonds in unserer Series-C-Runde spiegelt unser Engagement wider, unser Netzwerk und unsere Kapazitäten auf globaler Ebene zu stärken, stellt aber keine Veränderung unserer Unternehmensidentität dar.

Ist ein IPO in der Zukunft eine valide Option für Sie?

Aktuell sind wir finanziell sehr gut aufgestellt, um unsere nächsten Meilensteine zu erreichen. Wir werden vor dem Hintergrund unseres finanziellen Bedarfs und des Marktumfelds auch weiter laufend verschiedene Finanzierungsoptionen evaluieren.

Was wollen Sie in den nächsten fünf Jahren erreichen?

Unsere wichtigsten Meilensteine liegen im erfolgreichen Abschluss der beiden Phase-I/II-Studien unserer Hauptkandidaten TUB-030 und TUB-040. Ziel ist es, robuste klinische Wirksamkeitsdaten zu generieren und damit die Grundlage für die nächste Entwicklungsphase zu schaffen. Parallel dazu planen wir, unsere Pipeline strategisch weiter auszubauen, indem wir zusätzliche ADC-Programme zügig in die klinische Entwicklung überführen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung unserer globalen Präsenz und organisatorischen Flexibilität. Der kontinuierliche Ausbau unserer Unternehmensinfrastruktur – insbesondere über unsere neu gegründeten Tochtergesellschaften in den USA und der Schweiz – spielt hierbei eine zentrale Rolle. Langfristig verfolgen wir das klare Ziel, unsere Position als internationaler Innovationsführer im Bereich der ADC-Therapien weiter zu festigen. Dazu investieren wir konsequent in den Ausbau unseres firmeneigenen Technologieportfolios, einschließlich neuer Zielstrukturen, Payloads und Konjugationsplattformen. Hinter all diesen Aktivitäten steht ein übergeordnetes Ziel: Krebspatienten weltweit neue therapeutische Optionen mit echtem klinischem Mehrwert zu eröffnen.

Sehr geehrter Herr Schumacher, vielen Dank für diese interessanten Einblicke.

Autor/Autorin

Stefan Preuß
Redaktionsleiter at  | Website

Stefan Preuß arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Redakteur im Kapitalmarktumfeld. Der gelernte Tageszeitungsredakteur sammelte zudem Erfahrung als Investor Relations Manager. Der Redaktion der GoingPublic Media AG gehört er als ständiger Mitarbeiter mit den Schwerpunktthemen IPOs, Vermögensanlage und Nachfolgelösungen an. Er betreut als Redaktionsleiter die jährlichen Spezialausgaben "Mitarbeiterbeteiligung" sowie "M&A Insurance".