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Die GABLER Group, etablierter Entwickler und Hersteller missionskritischer Unterwassertechnologien, plant bereits im März den Gang an die Börse. Dies wurde am heutigen 16. Februar bekannt gegeben. 40 Mio. EUR sollen über eine Kapitalerhöhung eingeworben werden, um das Wachstum zu beschleunigen, so das Unternehmen. Weitere Aktien kommen vom Großaktionär Possehl Group. Die dem Verteidigungssektor zuzuordnende Firmengruppe entsteht aus dem Kerngeschäft sowie drei Akquisitionen der letzten Jahre. Von Jenny Gspahn und Markus Rieger
Kerngeschäft und Marktposition
Die Gabler Group ist auf die Entwicklung und Produktion missionskritischer Unterwassertechnologien spezialisiert. Das Kerngeschäft umfasst die Bereiche
- Submarine Systems (U-Boot-Systeme, Ausfahrgerätesysteme, Rudermaschinen)
- Subsea Communications & Data (Unterwasserkommunikation und Datenmanagement)
- Subsea Power (Energieversorgung und Energiespeicher für Unterwasseranwendungen)
Das Unternehmen betreut nach eigenen Angaben über 250 Kunden, darunter mehr als 25 Marinen weltweit, und gilt als einer der führenden Anbieter von U-Boot-Ausfahrgerätesystemen. Rund 75 % des Umsatzes stammen aus Verteidigungs- und verteidigungsbezogenen Lösungen, womit das Unternehmen von den aktuellen geopolitischen und marktbedingten Entwicklungen im Rüstungsbereich profitiert.
Akquisitionen seit 2021
Seit 2021 hat das Unternehmen sein Portfolio gezielt erweitert und folgende Zukäufe realisiert, die die Gabler Maschinenbau GmbH zur neuen Gabler Group werden lassen, zu der heute ja bereits konsolidierte Pro-forma-Zahlen veröffentlicht wurden.
- Die develogic GmbH wurde 2021 übernommen und ist spezialisiert auf Unterwasserkommunikation und Datenmanagement
- Eine Minderheitsbeteiligung an der north.io GmbH wurde 2022 erworben und ergänzt Subsea-Datenlösungen
- 2025 wurde die SubCtech GmbH (inkl. SubCtech Support GmbH) übernommen. Sie ist spezialisiert auf Unterwasser-Energieversorgung und -Speicherlösungen
Die Transaktionen sollen die technologischen Kompetenzen in den Bereichen Unterwasserkommunikation, Datenerfassung und Energieversorgung stärken und Synergien mit dem Kerngeschäft Submarine Systems ermöglichen.
Starkes Wachstum und solide Auftragsbasis
Für das Geschäftsjahr 2025 berichtet die Gabler Group anlässlich ihrer Börsenpläne konsolidierte Pro-forma-Nettoumsatzerlöse in Höhe von 61,7 Mio. EUR und ein konsolidiertes bereinigtes EBITDA in Höhe von 16,5 Mio. EUR an, was einer bereinigten EBIT-Marge von 28,2 % entspricht. Als organische Wachstumsrate nennt das Unternehmen aus dem boomenden Verteidigungsumfeld für 2025 rund 34% gegenüber dem Vorjahr. Mittelfristig hält die Gesellschaft mit Sitz in Lübeck und rund 240 Mitarbeitern rund 100 Mio. EUR Umsatz für realistisch, wobei in den Geschäftsbereichen Subsea Power und Subsea Communications & Data jeweils zweistellige prozentuale Nettoumsatzwachstumsraten von 20 bis 30 % erwartet werden. Mit einem „harten“ Auftragsbestand von rund 90 Mio. EUR zum 31. Dezember 2025 sowie weiteren möglichen, noch nicht unterschriebenen Aufträgen über rund 269 Mio. EUR starte man ins Jahr 2026, ist zu vernehmen.
Listing-Konzept
Die Aktien der Gabler Group sollen voraussichtlich Anfang März 2026 ins Scale-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse eingeführt werden. Im Rahmen des IPO strebt das Unternehmen einen Nettoemissionserlös aus einer Kapitalerhöhung von rund 40 Mio. Euro an. Der 100% Eigner Possehl plant wohl, sich von wesentlichen Anteilen zu trennen, denn in der heutigen Veröffentlichung lautet die Formulierung „Possehl beabsichtigt, auch nach dem Börsengang mindestens eine Minderheitsbeteiligung an der Gesellschaft zu halten.“ Als begleitende Banken für den IPO sind Cantor Fitzgerald Ireland als Sole Global Coordinator sowie B. Metzler seel. Sohn & Co. AG als Joint Bookrunner mandatiert, über weitere Sales Agents ist noch nichts bekannt.
Die Mittel aus dem IPO sollen nach Unternehmensangaben dazu genutzt werden, um organisches Wachstum zu beschleunigen, das Vertriebs- und Produktionsnetz auszubauen, Forschung und Entwicklung zu fördern und gezielte kleinere Akquisitionen durchzuführen.

David Schirm, CEO der Gabler Group, dazu: „Mit einer 60-jährigen Erfolgsgeschichte ist Gabler im Geschäftsbereich Submarine Systems führender europäischer und weltweit einer der beiden größten Anbieter von Ausfahrgerätesystemen. Der Börsengang wird es uns ermöglichen, das Wachstum, die Weiterentwicklung und den Ausbau unseres Geschäfts weiter zu beschleunigen – insbesondere in unseren am schnellsten wachsenden Geschäftsbereichen Subsea Communication & Data sowie Subsea Power. Wir sehen eine Vielzahl attraktiver Marktchancen, die unseren Erfolg nachhaltig unterstützen und uns unserer Vision näherbringen, weltweit der führende Anbieter für die Durchführung kritischer Unterwassermissionen zu werden.“
Bewertung
Nach dem Börsengang könnte die Gabler Group neben den bekannten Verteidigungsaktien Rheinmetall (Market Cap 74 Mrd. EUR), Hensoldt (9,3 Mrd. EUR) und RENK (5,6 Mrd. EUR) die Alternative als Small Cap sein. Eine ähnliche Größenordnung weist die österreichische Steyr Motors (Market Cap 231 Mio. EUR) auf, die 2024 an die Frankfurter Wertpapierbörse ging. GoingPublic rechnet derzeit mit einer Bewertungsvorstellung des Alteigentümers, die bei 300 bis 400 Mio. EUR liegen könnte.
Fazit
Die Lübecker Gabler Group geht hervor aus der 1962 gegründeten Gabler Maschinenbau GmbH, die groß geworden ist mit dem Bau von Unterwasser-Beobachtungsmasten für U-Boote. Zusammen mit den drei seit 2021 getätigten Zukäufen präsentiert sich die neue Gruppe dem Anlegerpublikum ab März 2026 als Experte für kritische Unterwassertechnologien und vierte deutsche Defence-Aktie. Mit dem Börsengang will das Unternehmen nach eigenen Angaben die finanzielle Flexibilität erhöhen, organisches Wachstum beschleunigen und seine Position als bevorzugter Technologiepartner weiter ausbauen. Die Story wirkt nicht abgehoben, auch wenn sie ohne den derzeitigen Hype im Verteidigungssektor sicher nicht möglich gewesen wäre. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung und werden über Börsenpläne und Listing weiter umfassend berichten.





