Die Deutsche Rohstoff AG hat sich als flexibler Akteur im globalen Rohstoffmarkt etabliert – von Öl und Gas bis hin zu Schlüsselmetallen für die Energiewende. Mit dem Mix aus bewährten und zukunftsträchtigen Märkten hat sich das Unternehmen gut positioniert, um auch in unsicheren Zeiten zu wachsen. Dieser Beitrag ist auch in GoingPublic 4/25 erschienen.
Seit ihrer Gründung im Jahr 2006 verfolgt die Deutsche Rohstoff AG eine klare Leitlinie: Rohstoffprojekte mit langfristigem Wertpotenzial zu identifizieren, zu entwickeln und zur Reife zu bringen. Mit einem aktuellen Börsenwert von rund 230 Mio. EUR bewegt sich das Unternehmen dabei zwischen zwei Welten. Einerseits steht die Exploration und Produktion von Öl und Gas als Ertragsanker im Fokus, andererseits engagiert sich der Konzern in kritischen Zukunftsmetallen wie Wolfram — Rohstoffe, die für Energiewende und Digitalisierung als strategisch unverzichtbar gelten. Ob der Spagat zwischen klassischer Ressourcennutzung und zukunftsorientierten Investitionen gelingt, dürfte maßgeblich über die weitere Bewertung des Unternehmens entscheiden.

Solide Finanzkennzahlen in herausforderndem Umfeld
In den ersten neun Monaten dieses Jahres erwirtschaftete die Deutsche Rohstoff AG einen Umsatz von 150,1 Mio. EUR und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 102 Mio. EUR. Die Produktion stieg auf 13.680 Barrel Öläquivalent pro Tag, wobei der Ölanteil an der Gesamtproduktion mit 65% weiterhin auf einem hohen Niveau lag. Das Konzernergebnis belief sich auf 22,0 Mio. EUR und war aufgrund der Ölpreisentwicklung und eines schwächeren US-Dollars niedriger als im Vorjahr (36,2 Mio. EUR).

Trotz dieser Herausforderungen blieb die Eigenkapitalquote stabil bei 40,6 %. Der positive Cashflow von 26,5 Mio. EUR stärkt die Liquidität zusätzlich. Das Management unter CEO Jan-Philipp Weitz erwartet für das Gesamtjahr 2025 Umsatz und EBITDA am oberen Ende der Prognosebereiche: zwischen 170 und 190 Mio. EUR beim Umsatz und 115 bis 135 Mio. EUR beim EBITDA. Damit signalisiert das Management nicht nur operative Stabilität, sondern auch eine solide operative Performance in einem herausfordernden Marktumfeld.
Vor dem Hintergrund der Ölpreisschwäche und des nachgebenden US-Dollars in diesem Jahr gewinnen diese Kennzahlen zusätzlich an Bedeutung. Der Preis der Nordseesorte Brent ist seit Anfang Januar um 17 Prozent gesunken. Vor allem das zunehmende Angebot drückt auf die Notierungen. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) wird der Angebotsüberschuss im kommenden Jahr einen Rekordwert von mehr als vier Millionen Barrel pro Tag erreichen – der höchste in der Geschichte der Agentur.
Strategische Beteiligung an Wolfram-Mine
Um Teile der künftigen Ölproduktion preislich abzusichern, nutzt die Deutsche Rohstoff AG Termingeschäfte. Für das Abschlussquartal dieses Jahres ist die erwartete Ölproduktion zu 45% zu einem Preis von rund 68 USD je Barrel abgesichert. Aktuell kostet ein Fass der Nordseesorte Brent 62,80 USD, während Rohstoffhändler für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) 59,20 USD zahlen.
Neben Öl und Gas sichert sich die Deutsche Rohstoff AG über ihre rund zehnprozentige Beteiligung an Almonty Industries eine Position im Markt für Wolfram, einem kritischen Zukunftsmetall. Almonty betreibt neben Minen in Spanien und Portugal auch die Sangdong-Mine in Südkorea, die als größte Wolfram-Mine außerhalb Chinas gilt, und notiert seit kurzem an der Nasdaq. Die Aktie nahm eine beeindruckende Entwicklung und weist inzwischen eine Marktkapitalisierung von über 1,5 Mrd. USD auf. Wolfram gehört zu den strategisch wichtigsten Industriemetallen – kritisch und zukunftsweisend zugleich. Seine außergewöhnliche Härte, Dichte und Hitzebeständigkeit machen es in Schlüsselbranchen wie Maschinenbau, Elektronik und Luftfahrt nahezu unersetzlich. Gleichzeitig ist die Versorgung hochgradig riskant, da China den Großteil der weltweiten Produktion kontrolliert und damit starke geopolitische Abhängigkeiten bestehen.
Mit der Energiewende und dem Ausbau von Hightech-Fertigung steigt die Bedeutung des Metalls weiter: Ob Batterietechnik, Windkraft oder Halbleiterproduktion – viele Zukunftstechnologien kommen ohne Wolfram nicht aus. Damit wird der Rohstoff nicht nur zum Engpassfaktor, sondern zum zentralen Baustein industrieller Wettbewerbsfähigkeit. Dank des Starts der Sangdong-Mine ist der Kurs der Almonty-Aktie in diesem Jahr an der Heimatbörse Kanada um mehr als das Sechsfache gestiegen.
Anleihe mit lukrativer Rendite
Damit kommt die Beteiligung der in Toronto ansässigen Gesellschaft auf einen Marktwert von über 150 Mio. EUR und macht rund 35% des Unternehmenswertes der Deutschen Rohstoff AG aus. Die anhaltenden chinesischen Exportkontrollen und die steigende Nachfrage aus dem Verteidigungssektor dürften den Wolframpreis weiter in die Höhe treiben – und die Beteiligung an Almonty weiter im Wert steigen lassen.
Mit einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von 1,1 ist die Deutsche Rohstoff-Aktie aktuell günstig bewertet, zumal 70 Mio. EUR Cash in der Firmenkasse liegen. Ebenfalls positiv fällt die deutlich gestiegene Handelsliquidität der Aktie ins Gewicht: In diesem Jahr wurden durchschnittlich 17.359 Aktien pro Tag gehandelt – nach 12.868 Stück im Jahr 2024 – und damit deutlich mehr als zuvor.
Zu den zentralen Finanzierungsbausteinen zählt die Ende Oktober dieses Jahres platzierte Anleihe mit einem Volumen von bis zu 50 Mio. EUR und einem jährlichen Zinskupon von 6,00%, die bis 2030 läuft. Die Zeichnungsphase war ursprünglich bis zum 10. November angesetzt, wurde aufgrund der starken Nachfrage jedoch bereits am 3. November vorzeitig geschlossen. Für die Deutsche Rohstoff AG bedeutet die Emission vor allem eines: gestärkte Liquidität und zusätzliche unternehmerische Flexibilität für die nächsten Entwicklungsschritte im US-Geschäft.
Breit abgestützte Finanzierungsbasis
Die Mittel sollen gezielt eingesetzt werden. Ein Teil fließt in die Rückführung einer USD-Kreditlinie. Darüber hinaus sind Investitionen in die Konzerntöchter Salt Creek, Bright Rock Energy und 1876 Resources geplant, um die Produktions- und Flächenentwicklung in Wyoming und Colorado weiter voranzutreiben. „Mit der neuen Anleihe schaffen wir zusätzlichen Spielraum für weiteres Wachstum, ohne die Verschuldung wesentlich zu erhöhen“, erklärt CEO Jan-Philipp Weitz.
Zusammen mit rund 70 Mio. EUR an liquiden Mitteln und 75 Mio. USD an ungezogenen Kreditlinien verfügt die Deutsche Rohstoff AG über eine solide Finanzierungsbasis, die sowohl die Erfüllung kurzfristiger Verpflichtungen als auch Investitionen in Akquisitionen, Flächenerweiterungen und operative Projekte ermöglicht. Diese solide Ausgangslage spiegelt sich auch in den aktuellen Analysteneinschätzungen wider. Simon Scholes von First Berlin bestätigte in seiner Studie vom 19. November zwar die Kaufempfehlung, reduzierte jedoch das Kursziel von 68,00 EUR auf 63,00 EUR. Beim aktuellen Aktienkurs von rund 46 EUR ergibt sich daraus weiterhin ein erhebliches Aufwärtspotenzial. Auch MWB Research empfiehlt die Aktie in seinem Update vom 14. November zum Kauf und veranschlagt ein Kursziel von 62 EUR.

Fazit
Die Deutsche Rohstoff AG positioniert sich als breit aufgestellter Rohstoffkonzern mit klarer strategischer Ausrichtung. Das Öl- und Gasgeschäft in den USA bildet den stabilen Ertragskern und liefert trotz eines schwierigen Marktumfelds solide Umsätze, eine hohe Ölquote und positiven Cashflow, unterstützt durch gezielte Preissicherungsgeschäfte. Ergänzt wird das Portfolio durch die Beteiligung an Almonty Industries, die dem Konzern eine aussichtsreiche Position im strategisch wichtigen Wolframmarkt verschafft und inzwischen einen bedeutenden Teil des Unternehmenswertes repräsentiert. Finanziell verfügt die Deutsche Rohstoff AG über eine solide Basis aus stabiler Eigenkapitalquote, hoher Liquidität, ungenutzten Kreditlinien und einer erfolgreich platzierten Anleihe. Bei der aktuellen Bewertung sollten nicht nur die positiven Analysteneinschätzungen der Aktie bald weiteren Auftrieb verleihen.
Autor/Autorin

Christian Euler
Christian Euler ist seit rund 20 Jahren Redakteur im Bereich Wirtschaft und Finanzen. Für die Redaktion der Kapitalmarktplattform GoingPublic beleuchtet er seit 2025 Kapitalmarktthemen und interessante Aktien.




