Mittelverwendung

Die Erlöse aus dem Börsengang sollen fast ausschließlich Westwing zufließen. „Wir sind stolz auf unser starkes Wachstum und unsere Profitabilität und werden diesen Weg weiter fortsetzen“, kündigt Smalla an. „Durch das IPO erhalten wir zusätzliches Kapital, das wir dafür nutzen möchten, weiter profitabel zu wachsen.“ Einen Widerspruch zu den bisherigen Geschäftszahlen – v.a. zu Wachstum ohne jede Profitabilität – scheint er dabei nicht zu sehen.

Das Management will die Nettoerlöse „in erster Linie für Investitionen in die Technologieplattform und die Kundenerfahrung sowie für das internationale Marktwachstum“ einsetzen. Außerdem soll ein Teil der Erlöse zur Schuldentilgung verwendet werden.

Stärken und Schwächen

+ viel Wachstumspotenzial beim E-Commerce im Möbelhandel
+ geringe Kosten für Marketing und Vertrieb

– starke nationale und internationale Konkurrenz, keine Eintrittsbarrieren
– kaum bis gar keine Alleinstellungsmerkmale
– zu geringes Wachstum für zu hohe Bewertung
– beachtliche, dauerhafte Nettoverluste

Fazit

Das Online-Geschäft mit Möbeln und Wohnaccessoires ist europaweit noch ausbaufähig, in Deutschland liegt deren Anteil erst bei 5%. Aufgrund ihrer schlanken Kostenstrukturen haben Online-Händler wie Westwing oder home24 hier klare Wettbewerbsvorteile. Allerdings sind die Margen bei den Münchnern geringer als bei traditionellen Möbelhändlern, da weniger hochpreisige Ware und mehr Zubehör und Nippes verkauft werden. Zudem spricht das Start-up mit seinem Warenangebot fast nur Frauen an.

Selbst wenn die Aktien am unteren Ende der Preisspanne für 23 EUR angeboten würden, käme der Online-Händler auf eine stolze Bewertung von 459 Mio. EUR. Sie lässt aber kaum Spielraum für Kursgewinne, da Westwing in den letzten Jahren nicht mehr das rasante Wachstum schaffte, das Anleger zu recht von so hoch bewerteten Firmen erwarten dürfen, ja müssen. Trotzdem wurden die Nettoverluste bis zuletzt zunehmend größer. Mittlerweile versucht das Management seine internationalen Geschäfte so abzuspecken, dass langfristig zumindest eine bereinigte EBITDA-Marge zu erzielen ist, die deutlich über 2% hinausgeht. Deswegen könnte 2018 der Umsatz sogar sinken. Wie Westwing diesen Wachstumsfluch zu bewältigen gedenkt, hätte sich das GoingPublic Magazin gerne vom Management erläutern lassen – doch weder der mehrköpfige Vorstand noch die Agentur für „Kommunikation“ Hering Schuppener fanden ein auch noch so kleines Zeitfenster. Wann das Unternehmen unter dem Strich profitabel werden kann, bleibt daher so ungewiss wie unabsehbar – nicht zeichnen.

Thomas Müncher, Falko Bozicevic

Fotos: @Westwing

Westwing Group – Angebotsübersicht Emissionsparameter
WKN A2N 4H0
Zeichnungsfrist noch vsl. bis 10. Oktober
Erstnotiz   vsl. 11. Oktober
Preisspanne 23 bis 29 EUR
MarketCap  459 bis 578 Mio. EUR
Marktsegment Frankfurt/Main (Prime Standard)
Emissionsprospekt ja
Emissionsvolumen 116 bis 147 Mio. EUR (inkl. Greenshoe)
Konsortium Berenberg, Citigroup (Joint Global Coordinator, Joint Bookrunner)
Free Float max. 25 %

 

Über den Autor

Falko Bozicevic ist Chefredakteur des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für das Portal BondGuide (www.bondguide.de)