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Nachdem zuvor auch ein Verkauf des Unternehmens geprüft wurde, will der Eigentümer Triton nun doch Anteile des Metallrecyclers Befesa an die Frankfurter Börse bringen. Das Unternehmen selbst bezieht dabei keinerlei Einnahmen. Dem Finanzinvestor würde durch den Börsengang bei vollständiger Ausübung des Angebots bis zu 707 Mio. EUR zufließen. Von Ike Nünchert

Börsengang

Der Finanzinvestor Triton, der Befesa 2013 für 850 Mio. EUR in bar plus einer Schuldenübernahme von etwa 225 Mio. EUR vom spanischen Mischkonzern Abengoa übernommen hatte, will im Zuge des Angebots 14,3 Mio. Stammaktien bereitstellen. Zur Bedienung potentieller Mehrzuteilungen stehen weitere 2,15 Mio. Aktien („Greenshoe-Aktien“) zur Verfügung. Zusätzlich will Triton bei starker Nachfrage in Form einer freiwilligen Upsize-Option weitere bis zu 15% der mindestens abzugebenden Aktien zur Verfügung stellen.

CEO Javier Molina
CEO Javier Molina

Das Bookbuilding-Verfahren endet am 2.November. Als erster Handelstag im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse ist der 3.November vorgesehen. Die Preisspanne wurde seitens Triton auf 28 bis 38 EUR je Aktie festgelegt. Sollten alle Aktien des Basisangebots sowie die Greenshoe-Aktien platziert werden könnte das Emissionsvolumen bei 461 Mio. EUR bis 625 Mio. EUR liegen. Für den Fall, dass die Upsize-Option realisiert würde, stiegen die Einnahmen gar auf 707 Mio. EUR. Da Befesa selbst keine (neuen) Aktien anbietet, fließen die Erlöse aus dem Börsengang allein an Triton.

Befesa wird abhängig vom Platzierungspreis dann eine Marktkapitalisierung von 954 Mio. EUR bis 1,3 Mrd. EUR erreichen. Sollte die Greenshoe-Option vollständig gezogen werden, läge der Streubesitz des ausstehenden Grundkapitals von Befesa bei über 48%. Es wurde eine Veräußerungssperre von sechs Monaten für Triton und das Unternehmen sowie von zwölf Monaten für das Top-Management vereinbart.

Citigroup, Goldman Sachs International und J.P. Morgan begleiten den Börsengang als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners. Berenberg, Commerzbank, Santander und Stifel sind zusätzliche Joint Bookrunners.

„Der Börsengang verschafft uns besseren Zugang zum Kapitalmarkt und damit die Flexibilität, unseren Wachstumskurs fortzusetzen und unsere ehrgeizigen Pläne für die nächsten Jahre umzusetzen“, räumt Befesa-CEO Javier Molina ein.

Unternehmen

Befesa hat seine Wurzeln in der Berzelius Umwelt Service (B.U.S) AG, die wiederum aus dem Industriekonglomerat Metallgesellschaft hervorgegangen ist. 1993 bündelte die B.U.S. seine Umweltdienstleistungen in Spanien und gründete die Berzelius Felguera, die heutige Befesa, die 1998 in Madrid und Bilbao an der Börse debütierte. In einem Reverse Takeover übernahm Befesa 2006 schließlich 100% der Anteile an der B.U.S. Die spanische Abengoa, die 2000 mit 51% bei Befesa eingestiegen ist, nahm das Unternehmen dann 2011 von der Börse und verkaufte es zwei Jahre später an Triton.

Befesa S.A.:

2016 2017e 2018e 2019e
Umsatz *) 611,7 749,1 776,2 810,1
Nettoergebnis *) -51,0 69,9 82,5 95,1
EpS -1,50 2,05 2,42 2,79
KGV min. -18,7 13,6 11,6 10,0
KGV max. -25,4 18,5 15,7 13,6
*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: GoingPublic Research

Heute ist Befesa mit einem von McKinsey geschätzten Marktanteil von rund 45% bis 50% in seinem europäischen Kernmarkt nach eigenen Angaben der führende Anbieter von Dienstleistungen im Bereich Stahlstaub- und Salzschlackenrecycling und betreibt mit über 1250 Mitarbeitern Werke in Deutschland, Spanien, Schweden, Frankreich, Großbritannien, der Türkei sowie auch in Südkorea. Unternehmenshauptsitz ist Ratingen in NRW.

Geschäftsbereiche

Im Segment „Steel Dust Recycling Services“ sammelt und recycelt Befesa Stahlstaub und andere Stahlrückstände, die bei der Herstellung von rohem, rostfreiem und verzinktem Stahl anfallen. Das Unternehmen erhebt dabei Servicegebühren für die Abholung und Verwertung des Stahlstaubs sowie durch das Recycling zur Herstellung von zinkhaltigem Wälzoxid, das an Zinkhütten verkauft wird. Ein geringerer Teil des Umsatzes wird zudem mit Entgelten für die Behandlung und Verwertung von Reststoffen aus der Edelstahlproduktion generiert. Die hierbei gewonnenen Metalle Nickel, Chrom und Molybdän werden wiederum an die Hersteller oder an Rohstoffhändler verkauft.

Im Segment „Aluminium Salt Slags Recycling“ recycelt Befesa vor allem Salzschlacken von Aluminiumverwertern und Kohlenstoff aus dem Ofenausbruch von Aluminiumproduzenten. Dabei werden diese Vorprodukte behandelt und die zurückgewonnenen Aluminiumkonzentrate, Aluminiumoxide und gereinigtes Industriesalz wiederum an Aluminiumproduzenten verkauft. Weiterhin stellt das Unternehmen aus den gesammelten Aluminiumreststoffen selbst Sekundäraluminium-Legierungen her, die dann v.a. an die Automobil- oder Bauindustrie veräußert werden.

Insgesamt betreibt Befesa in Europa inkl. einem in Südkorea 11 Werke im Bereich Stahlstaubverwertung und 7 Werke in Europa in der Aluminiumverwertung. Mit beiden Geschäftseinheiten werden jährlich mehr als 1.300 kt Reststoffe recycelt und mehr als 600 kt neue Materialien produziert.