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Bildnachweis: Deutsche Familienversicherung.

Die Deutsche Familienversicherung AG (DFV) feiert zweijähriges Börsenjubiläum – und Europas erstes börsennotiertes Insurtech entwickelt sich dem Vernehmen nach prächtig: Die DFV hat im November gute Zahlen präsentiert, außerdem kommt zum Februar 2021 ein neuer Finanzchef ins Unternehmen. Gründer und CEO Dr. Stefan Knoll strebt für das kommende Jahr noch weitaus größere Wachstumsschritte an.

GoingPublic: Herzlichen Glückwunsch zum zweijährigen Börsenjubiläum. Wie gefällt Ihnen die Entwicklung Ihrer Aktie?

Knoll: Der Kurs hat sich gut entwickelt. Wir sind mit einem Ausgabepreis von 12 EUR gestartet und stehen jetzt bei 22 EUR. Natürlich gab es Schwankungen: Wir waren mal auf 10 EUR, aber auch schon auf 26 EUR. Wir beobachten, dass die Erfolge des Unternehmens nicht zwingend sofort eine Reaktion der Investoren hervorrufen. Wir haben zum Beispiel das zum IPO gegebene Versprechen erfüllt, die Vertriebsausgaben und damit den Umsatz zu verdoppeln. Die Reaktion war eher mäßig.

Seit ein paar Wochen geht es jetzt bergauf mit dem Aktienkurs – wir wissen nicht genau, woran das liegt. Vielleicht versteht der Markt langsam, dass wir nicht nur krisenfest sind, sondern auch eine Plattform, die zum Marktführer werden kann.

Neugeschäft entspricht dem Plan

Sie sind also gut durch das Jahr 2020 gekommen?

Gut und schlecht ist immer eine Frage des Maßstabs. Wir hatten uns ein besseres Jahr vorgestellt. Der Vertrieb 2020 ging sensationell los – dann kam Corona und brachte natürlich auch uns Eintrübungen. Gemessen an dem, was wir uns vorgenommen haben, war es nicht ganz optimal. Gemessen an dem, was der Markt geboten hat, war es ein wunderbares Jahr. Das Neugeschäft entspricht mit einem Prämienvolumen von 22,3 Mio. EUR dem Plan.

Welche Bereiche Ihres Geschäfts haben unter Corona gelitten?

Insgesamt unterschreiten wir unsere Stückzahlziele ein wenig, weil uns Abschlüsse im Bereich Auslandskrankenversicherung fehlen. Die Menschen dürfen nicht reisen, da brauchen sie auch keine entsprechende Versicherung. Daher fiel die Anzahl der bis Ende September akquirierten Verträge mit 67.285 etwas geringer aus als geplant.

Gab es Corona-bedingt auch positive Veränderungen bei Abschlüssen?

Die Leute schaffen sich Haustiere an: Wir haben einen Zuwachs bei Tierkrankenversicherungen. Im Sommer haben wir außerdem die Hundehalterhaftpflichtversicherung neu aufgelegt. Ein Kombiverkauf mit der Tierkrankenversicherung ist jetzt möglich. Das wirkt sich positiv aus.

Sie sind ein reiner Online-Anbieter. Hat Ihnen das in der Pandemie das Geschäft gerettet?

Corona hat unseren Vertriebsweg nicht negativ beeinflusst – das sieht natürlich bei einem Makler anders aus: Wenn er nicht zum Kunden darf, wird das Absetzen seiner Produkte deutlich schwieriger. Unser Vertriebskanal hat sich dagegen als sehr Corona-resistent erwiesen. Tatsächlich konnte der Anteil des Online-Direktvertriebs erneut gesteigert werden. Das zeigt unseren Wettbewerbsvorteil als digitalisierte, online-basierte Versicherungsgesellschaft.

Wie gehen Sie in das kommende Jahr – auch bezogen auf Ihre Aussage, die DFV habe das Zeug zum Marktführer?

Wir werden 2021 gut meistern. Corona hin oder her – die Krise beeindruckt uns als Versicherungsunternehmen nicht nennenswert. Wir waren 2020 sehr stark gebunden mit reiner Vorbereitung der Projekte, die wir im kommenden Jahr realisieren werden. Daher kann ich auch sagen: 2021 wird das beste Jahr unserer Firmengeschichte werden.

Expansion ins europäische Ausland geplant

Wie soll das gelingen?

Wir werden 2021 CareFlex realisieren, die erste bundesweite Branchenlösung für die chemische Industrie. Die Gewerkschaft hat heuer eine mutige Entscheidung getroffen und in die Tarifverhandlungen die Forderung nach einer arbeitgeberfinanzierten Pflegezusatzversicherung für alle Mitarbeiter der chemischen Industrie eingebracht. Dieser Forderung ist entsprochen worden. Wir setzen das Projekt gemeinsam mit R+V sowie der Barmenia um und verantworten als Co-Konsortialführer Produkt und Verwaltung. Es geht um 500.000 Kunden. Das lässt mich 2021 relativ entspannt entgegenblicken.

Damit allein ist die DFV ja gut ausgelastet.

Nicht ganz: Wir planen außerdem die Expansion ins europäische Ausland. Unser Produkt lässt sich internationalisieren, Europa ist der größte Binnenmarkt der Welt – warum sollte ich mich also auf Deutschland beschränken?

Immerhin haben Sie sich Unterstützung geholt: Im Februar 2021 beginnt Ihr neuer CFO Dr. Karsten Paetzmann bei der DFV.

Ich habe die Position heuer interimistisch übernommen, meine Leidenschaften liegen aber woanders. Insofern bin ich zufrieden, diese Aufgabe in fähige Hände abgeben zu können.

„Ich wollte mich dem Markt stellen“

Gänzlich leidenschaftslos sind Sie aber nicht hinsichtlich des Themas Geld und Finanzierung. Sie haben als Gründer und CEO vor zwei Jahren den Börsengang umgesetzt – dabei hätten Sie sich ja auch um eine Finanzierung abseits des Kapitalmarkts bemühen können.

Natürlich waren andere Finanzierungsformen denkbar, aber ich war die damit einhergehende Diskussion leid. Ich habe immer nur gehört: „Wir wissen nicht, ob Sie so viel wert sind, wir wissen nicht, ob Ihre Zukunftsprognose verlässlich ist.“ Dieses ganze Gerede der in Langweiligkeit erstarrten Ansprechpartner ging mir unglaublich auf die Nerven. Ich wollte mich von nicht-unternehmerischen Bewertungen lösen und dem Markt stellen. Der Markt entscheidet objektiv, wie viel mein Unternehmen wert ist. Ich muss mich niemandem gegenüber rechtfertigen. Das empfinde ich als wahnsinnig angenehm.

Sie haben im Sommer die letzte Kapitalerhöhung extrem erfolgreich abgeschlossen. Haben Sie mit einer derartig positiven Resonanz gerechnet?

Die Erhöhung im Juli war ein Husarenritt: Auslöser war das IPO von Lemonade in den USA. Wir haben den Investoren mit Erfolg vor Augen führen können, dass der einzige Unterschied zwischen Lemonade und der DFV in der Bewertung liegt. Lemonade ist zehnmal so hoch bewertet, hat aber auch zehnmal so viele Schulden und wächst keinesfalls zehnmal so stark wie die DFV. Dieses Missverhältnis haben wir kommuniziert und das Verständnis der Investoren hat sich in einer erhöhten Nachfrage nach unseren Aktien niedergeschlagen.

Das Momentum haben wir genutzt: Innerhalb eines Tages haben wir den Vorstandsbeschluss zur Kapitalerhöhung gefasst, die Zustimmung des Aufsichtsrats eingeholt und die Ad-hoc-Meldung herausgegeben. Noch am selben Abend war das Buch dreifach überzeichnet. Wir hatten den richtigen Riecher.

Das klingt nach kurz entschlossen – überraschen Sie uns vielleicht bald mit der nächsten Kapitalerhöhung?

Wir können sehr schnell sein, wenn wir etwas wirklich wollen. Aber für die nächste Kapitalerhöhung strebe ich schon etwas mehr Planung an. Das Wachstum durch CareFlex ist bereits weitgehend eingepreist. Die nächste Wachstumsgeschichte ist aber nur eine Frage der Zeit, dann kann ich mir eine weitere Kapitalerhöhung gut vorstellen. Aktuell ist nichts spruchreif, aber es ist auch klar: Mit der jetzigen Kapitalausstattung kommen wir die nächsten fünf bis zehn Jahre kaum zurecht.

Bei allen Plänen und Zielen und trotz Corona – haben Sie ein wenig Gelegenheit, das Jubiläum zu zelebrieren?

Zumindest werde ich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, meinen Mitarbeitern zu danken. Sie haben zum Teil Übermenschliches geleistet. Trotz Homeoffice ist die Produktivität nicht zurückgegangen – das geht nur mit motivierten und loyalen Angestellten. Dafür kann man schon mal „Danke“ sagen.

Ich selbst nehme Ihre Frage vielleicht als Anregung zum Innehalten: Seit ich selbstständig bin, habe ich mir das nicht gegönnt. Ich weiß auch schon wo: Wir haben bis Weihnachten wöchentlich vier Blechbläser zu Gast, die ich mit Auftritten auf unserer Dachterrasse in diesen für Künstler schwierigen Zeiten unterstützen will, sie bringen hoffentlich die Nachbarschaft und mein verbliebenes Office-Team in Weihnachtsstimmung. Vielleicht höre ich auch einmal in Ruhe zu. Man muss der Dankbarkeit manchmal einen Rahmen geben.

Herr Dr. Knoll, vielen Dank für das Gespräch.

Über den Interviewpartner: Dr. Stefan Knoll begann seine Karriere bei der Allianz SE. 1994 verließ er das Unternehmen und gründete mit seinem Geschäftspartner Philipp J. N. Vogel die DIATEL DIREKT Assekuranz-Marketing GmbH. Er fungierte bis 1998 als deren Geschäftsführer und Gesellschafter. Daraus entstand die DIATEL DIREKT Kommunikations AG, deren Vorsitzender des Vorstandes Knoll wurde. Im Jahr 2000 erfolgte die Fusion mit den deutschen Geschäftsbereichen der niederländischen, börsennotierten SNT NV, wodurch die SNT Deutschland entstand, welche Knoll bis 2005 als Vorstandsvorsitzender führte. Nach dem Verkauf der letzten Anteile an der SNT Deutschland AG im Jahr 2005 gründete er wiederum gemeinsam mit Philipp J.N. Vogel die DFV Deutsche Familienversicherung. Dort agierte er vorerst als maßgeblicher Aktionär und Vorstand, bis er im Mai 2015, nach dem Tod von Philipp Vogel, Vorsitzender des Vorstandes wurde.