Bildnachweis: Urs Moesenfechtel, Urs Moesenfechtel. Nachbearbeitet mit KI..
Titelbild: Eicke Latz (l.) überreicht Martin Blessing, Persönlicher Beauftragter des Bundeskanzlers für Investitionen in Deutschland, beim Politischen Abend der bio:cap Europe den Forderungskatalog für bessere Rahmenbedingungen für Biotechnologie und Wachstumskapital in Deutschland. Copyright Foto: Urs Moesenfechtel (Bildhintergrund und Bildschärfe nachbearbeitet mit KI)
Deutschland fördert exzellente Forschung – und finanziert damit am Ende zu oft Wertschöpfung im Ausland. Prof. Dr. med. Eicke Latz, Professor für Experimentelle Rheumatologie an der Charité und Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums (DRFZ), erklärt, warum immer neue Förderprogramme daran wenig ändern – und weshalb der Staat sich als Wachstumsinvestor letztlich selbst überflüssig machen sollte. Wesentlicher Motor für Veränderung könnte auch das „International Life Science & AI Investival“ bio:cap Europe werden, das vom 9. bis 11. Juni 2026 erstmals in Berlin stattfand. Hier ist Latz einer der Vordenker und Macher sowie gleichzeitig Mitglied des Steering Committees. Von Urs Moesenfechtel
Eigentlich war Eicke Latz gerade im Urlaub. Lefkada, Griechenland. Gerade runter vom Windsurfboard. Dann kam der Anruf eines seiner Investoren aus dem Silicon Valley, der eines von Latz’ Unternehmen finanziert: Ob er am nächsten Tag in Tokio sein könne? Japan wolle sein Biotech-Ökosystem ausbauen und suche Expertise. Also flog Latz zunächst nach London, kaufte sich am Flughafen noch schnell einen Anzug und war am nächsten Tag bereits in Tokio, um beim Aufbau eines Biotech-Ökosystems zu beraten. Als wir mit ihm sprechen, ist er schon wieder zurück in Berlin. Diese Anekdote hat etwas Paradoxes: Seit Jahren setzt sich Latz in einem Netzwerk aus Wissenschaft, Biotech und Venture Capital für bessere Bedingungen für Biotech-Unternehmen in Deutschland ein – in Strategieprozessen und Positionspapieren ebenso wie inzwischen über die bio:cap Europe. Das neue „International Life Science & AI Investival“ bringt Wissenschaft, Biotechnologie, Pharma, Kapital und Politik zusammen, um Translation, Investitionen und die Skalierung von Innovationen in Europa voranzutreiben (nächster Termin: CityCube Berlin, 29./30. Juni 2027).
Und nun wird seine Expertise angefragt, um anderswo ein konkurrierendes Ökosystem aufzubauen?
Plattform Life Sciences: Herr Latz, hört man Ihnen in Japan besser zu als in Deutschland?

Eicke Latz: Das lässt sich so nicht sagen. In Deutschland werden wir inzwischen durchaus gehört. Das war vor einigen Jahren noch anders. Da mussten wir darum kämpfen, überhaupt gehört zu werden. Mit der Hightech-Agenda, dem Medizinforschungsgesetz der Startup- und der Scaleup-Strategie wurde nun vieles, was wir zuvor als notwendige Maßnahmen skizziert hatten, politisch aufgenommen. Das werten wir als großen Erfolg. Aber leider werden Papiere erstmal nichts „heilen“ – sondern das konkrete, praktische Tun. Und ob uns das gelingt, sehen wir immer noch kritisch.
Woran liegt das? Wo sehen sie größten Herausforderungen beim „praktischen Tun“?
Wir haben es mit einem systemischen Problem zu tun. Stellen Sie sich ein Autorad vor: Es wird mit mehreren Schrauben an der Nabe fixiert. Sind alle Schrauben locker, reicht es nicht, nur eine nachzuziehen. Das Rad wird sich über kurz oder lang trotzdem lösen. Wir müssen daher an mehreren Schrauben gleichzeitig drehen: am Kapital und den Bedingungen für Skalierung, an Steuern und rechtlichen Rahmenbedingungen, an Regulierung und operativer Flexibilität, an der Translation und am Unternehmertum – und schließlich am Aufbau eines funktionierenden Ökosystems und der entsprechenden Expertise. Dieses System-Mind-Set ist meines Erachtens aber immer noch vorhanden.
Vielleicht, weil in der Politik eben verschiedene Mechaniker an vielen Schrauben gleichzeitig drehen müssten… – mit unterschiedlichen Zuständigkeiten und Prioritäten. Das scheint fast unmöglich – fehlt ihrer Forderung vielleicht die Priorisierung, um Politik das Handeln leichter zu machen?
Wir wollen vermeiden, dass durch eine zu stark definierte Priorisierung das passiert, was so oft passiert ist in der Vergangenheit. Nach der priorisierten „Schraube eins“, wird Schraube zwei, drei, vier „vergessen“. Dann wäre nichts gewonnen. Aber ja, die Logik politischen Handelns braucht Priorisierungen, um Sichtbarkeit zu erzeugen, um schnell Erfolge vorweisen und kommunizieren zu können. Daher: Obwohl wir darauf drängen, den Systemgedanken nicht einer Priorisierungslogik zu opfern, sollte das Thema Wachstumskapital als erstes angegangen werden. Damit meine ich aber ausdrücklich nicht das Thema Start-up-Kapital. Denn was hilft es, wenn zwar staatlich hervorragendes Start-up-Kapital zur Verfügung gestellt wird, daraus dann auch erst einmal tolle Firmen entstehen, diese Unternehmen dann aber für ihre nächste Entwicklungsstufe ins Ausland gehen, weil sie dort ihre Series B, C oder D finanzieren oder einen Börsengang vorbereiten können?
Dann halten Sie die staatliche Start-up-Förderung für falsch aufgesetzt?
Nein. Ich begrüße die Programme sehr. Meine eigenen Unternehmen profitieren schließlich auch von ihnen. Aber das Problem ist: Der Anschluss nach der Start-up-Finanzierung fehlt. Wir brauchen hier größere, langfristige Kapitalgeber. Institutionelles Kapital von Versicherungen und Versorgungskassen muss auch in die Venture-Capital-Industrie gelangen können! In Frankreich ist das inzwischen gang und gäbe.
Die Forderungen im Detail: Das Papier „Vom Innovationsexport zur inländischen Wertschöpfung“, entstanden im Kontext des Politischen Abends der bio:cap Europe 2026, übersetzt die Standortkritik in konkrete Reformvorschläge – von steuerlichen Anreizen für privates Risikokapital über die Mobilisierung institutionellen Kapitals bis zu Arbeitsrecht und Bürokratieabbau. Das Papier wurde von Prof. Dr. med. Eicke Latz und Dr. Rainer Strohmenger, Managing Partner von Wellington Partners, verfasst. Darin eingeflossen sind Überlegungen aus dem breiteren Kreis der bio:cap und ihres Steering Committees. Die Initiative versteht sich dabei ausdrücklich als Teamarbeit von Akteuren aus Wissenschaft, Industrie, Venture Capital und weiteren Teilen des Innovationsökosystems. |
Aber genau diese Öffnung für institutionelles Kapital ist doch inzwischen Teil der Wachstumskapitalstrategie. Ist die wichtigste Schraube damit nicht bereits angezogen?
Ja und Nein. Wir hatten mit unserem mantraartigen Wiederholen unserer Forderung durchaus Erfolg. Ein Grund dafür, dass es so lange gedauert hat das Kapital der Versorgungskassen für Venture Capital zu öffnen, war aber, dass man ihnen die entsprechende Expertise nicht zugetraut hat. Und da ist ja auch etwas dran: Nur weil jemand über Kapital verfügt und dies nun einsetzen kann, heißt das noch nicht, dass er Biotech-Investments gut beurteilen kann. Dazu braucht es unserer Meinung nach eine professionelle Venture-Capital-Industrie. Die Versorgungskassen sollten nicht selbst entscheiden müssen, welches Biotech-Unternehmen ein gutes Investment ist. Sie müssen aber ihr Kapital professionellen Fonds anvertrauen können, die einer langjährigere Expertise darin haben, Risiken beurteilen und Unternehmen begleiten können. Und von diesen Akteuren haben wir in Deutschland noch zu wenige. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Ohne institutionelles Kapital kann sich eine solche Finanzierungsindustrie nur schwer entwickeln. Und solange diese Industrie nicht ausreichend entwickelt ist, fehlt wiederum das „Smart Capital“. Die regulatorische Öffnung ist also wichtig – aber sie allein löst das Problem noch nicht.

Aber wie baut man eine solche Finanzierungsindustrie auf?
Die kann der Staat nicht einfach selbst schaffen. Seine Aufgabe ist es, Marktversagen zu beheben und die Bedingungen dafür zu schaffen, dass sich eine professionelle Venture-Capital-Industrie entwickeln kann. Er kann frühe Entwicklungsphasen ent-risken und privates Kapital mobilisieren. Aber er sollte nicht versuchen, selbst zum Venture-Capital-Investor zu werden. Langfristig muss privates Kapital staatliches Kapital zunehmend ersetzen.
Dann wird aus Ihrer Forderung nach mehr Wachstumskapital eine Forderung nach weniger Staat?
Nein, nach einer anderen Rolle des Staates. Er sollte nicht dauerhaft selbst der Leitinvestor sein, sondern dafür sorgen, dass privates Kapital hier investieren will und die finanzierten Unternehmen anschließend auch hier wachsen können. Dafür müssen wir an zwei Seiten ansetzen: Zum einen brauchen wir attraktivere steuerliche Bedingungen für privates Kapital, das in Deutschland in Venture und Wachstum investiert. Zum anderen müssen die steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Unternehmen selbst wettbewerbsfähig sein. Nehmen Sie die Verlustvorträge: Eine Biotech-Firma investiert jahrelang in Forschung und Entwicklung und verdient womöglich zehn Jahre lang kein Geld. Wenn solche Verluste später steuerlich nicht sinnvoll genutzt werden können, wird der Standort unattraktiver. Dazu kommen Themen wie Stock Options und Mitarbeiterbeteiligungen. Der Staat soll also nicht weniger tun – aber etwas anderes: privates Kapital mobilisieren, gute Rahmenbedingungen schaffen und frühe Risiken dort abfedern, wo der Markt es allein nicht tut. Das spätere Auswählen, Finanzieren und Begleiten der Unternehmen sollte dann stärker eine professionelle Venture-Capital-Industrie übernehmen.
Wir haben bislang vor allem über Politik, Kapital und die Rahmenbedingungen für Unternehmen gesprochen. Wo sehen Sie darüber hinaus Handlungsbedarf?
Wir haben hervorragende Wissenschaft, wir haben die Gründer, wir haben die Ideen. Aber ein Teil der Gründer geht schon vor oder unmittelbar nach der Gründung in die USA. Später gehen noch einmal Unternehmen weg, weil sie mehr Kapital brauchen. Davon nehme ich mich selbst nicht aus: Wir haben mit meinen Unternehmen auch den sogenannten Delaware-Flip vollzogen, also das ehemals deutsche Unternehmen in ein amerikanisches umgewandelt. Eigentlich müssten wir den Delaware-Flip in einen Berlin- oder München-Flip verwandeln. Das kann man erreichen, wenn die Bedingungen für Investitionen in Deutschland genauso gut oder besser werden als im Ausland. Das ist primär die Aufgabe der Politik, die nun die Startup- und Scaleup-Strategie umsetzen und eben die Voraussetzungen für Investoren verbessern muss. Die Wissenschaft darf sich aber auch nicht aus der Verantwortung ziehen. Es werden große Milliardensummen in die Wissenschaft gepumpt. Wenn es hinten bei der Translation nicht funktioniert, müssen sich auch die Wissenschaftsorganisationen darum kümmern, dass es besser wird. Wir Wissenschaftler sollten auf darauf hinarbeiten, dass die Finanzierung, die letztendlich vom Steuerzahler kommt, in wirtschaftliche Leistung umgemünzt werden kann. Und wenn strukturelle Probleme das verhindern, dann sollten die Wissenschaftler das auch kundtun und sich einmischen.

Sie selbst haben mit Ihren Unternehmen nun genau das getan, was Sie gerade kritisiert haben: Sie sind mit ihnen in die USA gegangen.
Aber genau das ist doch mein Punkt: Die Bedingungen müssen hier so gut sein, dass Gründer und Investoren keinen Grund haben, diesen Schritt zu gehen. Ich hätte jedenfalls gerne anders gehandelt. Das war mir unter den gegebenen Bedingungen nicht möglich, weil die ausreichende Finanzierung der Unternehmen hier schwer zustande kam. Genau deshalb setze ich mich ja dafür ein, diese Bedingungen zu verändern, weil ich am Standort Deutschland festhalte. Beim Kapital sehen wir inzwischen zumindest Bewegung. Aber damit ist das Standortproblem eben noch nicht gelöst. Bei meinen eigenen Unternehmen haben auch andere Rahmenbedingungen solche Entscheidungen beeinflusst – und da liegt nach wie vor einiges im Argen. Nehmen Sie das Arbeitsrecht. Bei einigen Unternehmen war das immer ein ähnliches Schema: Eine Firma bekommt eine Finanzierungsrunde und erreicht die nächste Entwicklungsphase. Dann braucht man andere Leute – nicht mehr nur Research und Development, sondern beispielsweise Mitarbeiter für klinische Studien. Irgendwann sagen die Investoren: Wir müssen einige Leute austauschen. Und dann stoßen sie auf das deutsche Arbeitsrecht, was die notwendige Flexibilität nicht gewährleistet – und dann lautet die unternehmerische Entscheidung irgendwann: Dann machen wir eben den gesamten deutschen Standort zu – obwohl man sehr gerne in Deutschland geblieben wäre. Das alles, weil es im Kern nur darum ging wenige Personen im Unternehmen auszutauschen. Wir brauchen für solche Hochrisikobereiche wie Biotech und Co. mehr Flexibilität. Diese Flexibilität muss nicht für jede Firma gelten. Aber für kleine Unternehmen, die mit Risikokapital eine Innovation entwickeln und jahrelang noch nichts verdienen, brauchen wir so etwas wie einen Experimentalraum.
Noch einmal zurück zum „praktischen Tun“: Was entsteht neben all den Forderungen bereits ganz konkret?
Wir versuchen mit der Investorenmesse bio:cap Europe Menschen zusammenzubringen, die sonst nicht unbedingt am selben Tisch sitzen: Gründer, Investoren, Pharma, Wissenschaft und Industrie – durchaus auch Kapitalgeber, die bisher wenig mit Biotech oder KI zu tun hatten. Die Menschen, die sich dort engagieren, verfügen über weitreichende internationale Netzwerke, in den USA, im Nahen Osten und in Asien. Darüber können wir Leute nach Europa, Deutschland und nach Berlin holen – und eben auch Expertise und Kapital. Das ist auch ein Versuch, ein Stück weit aus dieser Ohnmacht herauszukommen, die sich nach Jahren des Trommelns für teilweise radikale oder unbequeme Ideen schon eingestellt hatte. Wir haben kein politisches Mandat – und ich persönlich strebe auch keines an. Ich und wir können letztlich keine Gesetze ändern. Aber wir können Menschen zusammenbringen, Türen öffnen, Ideen in die richtigen Kreise tragen und zeigen, was hier möglich wäre.

Sie wollen Wertschöpfung in Deutschland halten. Gleichzeitig stellen Sie Ihr Know-how einem anderen Land – Japan – zur Verfügung, das um die gleichen Unternehmen, Investoren und Wertschöpfung konkurriert. Warum helfen Sie beim Aufbau eines konkurrierenden Ökosystems?
Ja, das mag zunächst wie ein Widerspruch erscheinen. Aber ich bin als Wissenschaftler und Unternehmer international tätig. Biotech funktioniert ohnehin nicht innerhalb nationaler Grenzen – weder Wissenschaft noch Unternehmen, Kapital oder Talente tun das. Deshalb verstehe ich mein Engagement in Japan auch nicht als Gegenentwurf zu dem, was wir hier versuchen. Ich bringe dort meine Erfahrungen ein, sehe aber gleichzeitig sehr konkret, wie ein anderes Land versucht, ein solches Ökosystem aufzubauen, welche Instrumente funktionieren und wo Probleme entstehen. Diese Erfahrungen und die Kontakte, die dabei entstehen, kann ich wiederum in unsere Arbeit in Deutschland einbringen. Das ist keine Einbahnstraße. Japan ist für mich insofern auch ein interessanter Realitätscheck. Dort gibt es ähnliche Probleme bei der Translation wie bei uns, aber man hat entschieden, sehr gezielt ein Biotech-Ökosystem aufzubauen und dafür viel Kapital zu mobilisieren. Japan incentiviert internationale Investitionen stark, und darauf reagieren natürlich auch die Venture-Capital-Investoren aus dem Silicon Valley. Und das Kapital geht am Ende dorthin, wo es effizient eingesetzt werden kann. Natürlich entsteht dadurch auch Wettbewerb. Aber für mich heißt die Konsequenz daraus nicht, mich aus solchen Entwicklungen herauszuhalten. Im Gegenteil: Wir können daraus lernen, internationale Netzwerke aufbauen und diese Erfahrungen auch für unsere Bestrebungen in Deutschland nutzen. Am Ende geht es schließlich darum, bessere Strukturen dafür zu schaffen, dass aus guter Wissenschaft Innovationen und neue Therapien entstehen – in Deutschland, aber nicht nur hier.
Herr Latz, herzlichen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Urs Moesenfechtel.
Weiterführend: Wie der beim Politischen Abend der bio:cap Europe diskutierte „Biotech-Teufelskreis“ aus Forschungsstärke, Kapitalmangel und abwandernder Wertschöpfung entsteht – und an welchen Stellschrauben Deutschland ansetzen müsste –, lesen Sie in unserem Beitrag „Der deutsche Biotech-Teufelskreis“.
Zum Interviewpartner:

Prof. Dr. med. Eicke Latz, Jahrgang 1970, studierte von 1991 bis 1998 Humanmedizin an der Georg-August-Universität Göttingen und der Freien Universität Berlin. Von 1998 bis 2001 war er an der Charité – Universitätsmedizin Berlin in der Intensivmedizin tätig; 2001 promovierte er zum Dr. med. Anschließend wechselte er in die USA und forschte zunächst als Postdoktorand an der Boston University und anschließend an der UMass Medical School in Worcester, Massachusetts. Dort war er von 2003 bis 2006 Assistant Research Professor of Medicine und von 2006 bis 2013 Assistant Professor of Medicine. Dort ist er 2003 Assistant Research Professor und schliesslich Full Professor geworden. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland baute er am Universitätsklinikum Bonn das Institut für Angeborene Immunität auf. Von 2011 bis 2023 leitete er zudem am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) die Forschungsgruppe „Innate Immunity in Neurodegeneration“. Seit 2023 ist er Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums (DRFZ) in Berlin und Professor für Experimentelle Rheumatologie an der Charité. Latz erforscht insbesondere die Mechanismen des angeborenen Immunsystems und chronischer Entzündungsprozesse. Seine Forschung hat zur Identifizierung neuer therapeutischer Zielstrukturen geführt und bildet die wissenschaftliche Grundlage mehrerer Biotech-Ausgründungen. Latz ist unter anderem Mitgründer von IFM Therapeutics, Dioscure Therapeutics, Beren Therapeutics, MetaImmune Therapeutics und Odyssey Therapeutics. Seit 2016 ist Latz Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. 2018 erhielt er gemeinsam mit Veit Hornung den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 2023 einen ERC Advanced Grant. Seit 2025 gehört er der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften an. Auch über seine eigenen Ausgründungen hinaus engagiert sich Latz für die Translation wissenschaftlicher Erkenntnisse in wirtschaftliche Anwendungen. Er gehört dem Steering Committee der bio:cap Europe an, die Akteure aus Wissenschaft, Biotech, Pharma, Venture Capital und Politik zusammenbringt. Bei der ersten bio:cap Europe 2026 wirkte Latz an der inhaltlichen Ausgestaltung mit und beteiligte sich unter anderem am „Politischen Abend“, bei dem Vertreter aus Politik, translationaler Medizin und Venture Capital über die Rahmenbedingungen für Biotechnologie und Innovation in Deutschland diskutierten.
Autor/Autorin
Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.







