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Wie hoch ist der Wert der deutschen Biotechnologie? Zumindest an der Börse lässt sich das ermitteln! Die Plattform Life Sciences hat hierzu in Zusammenarbeit mit AfU Research einen ­„Basket“ aus 30 Unternehmen zusammen­gestellt, die im In- und Ausland notieren. Nicht alle der 30 Unternehmen sind „Core Biotech“ und eines (Marinomed) stammt auch aus ­Österreich. Und doch ist ein interessantes ­Universum an Aktien herausgekommen.

Der Börsenwert unseres Biotech & Co. Baskets belief sich Ende April 2022 auf 54,9 Mrd. EUR. Allein 32,5 Mrd. EUR oder 59,1 % entfällt hierbei auf Deutschlands Vorzeige-Biotech BioNTech, das seit 2019 an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert. Die starke Dominanz einiger weniger Unternehmen zeigt sich auch, wenn man die vier größten Unternehmen (BioNTech, Qiagen, CureVac und Evotec) betrachtet: Ihre kumulierte Market Cap beträgt 49,8 Mrd. EUR, was 90,7 % des gesamten Basket-Wertes entspricht. Ihnen gegenüber stehen mit Epigenomics und Noxxon Pharma zwei „Nano Caps“ mit weniger als 10 Mio. EUR Börsenwert. Nimmt man die sechs Werte heraus, beläuft sich der durchschnittliche Börsenwert der übrigen 24 Unternehmen auf 211,1 Mio. EUR.

Lesen Sie hier den Artikel Listed Germany – die Deutschland AG in Zahlen.

Starker Kursrückgang 2022

Was die Entwicklung der Aktien aus dem betrachteten Universum angeht, hat das Jahr 2022 nicht gut begonnen. 34,7% Kursrückgang bedeuteten einen in nur vier Monaten um 29,2 Mrd. EUR geminderten Börsenwert – wovon 20,5 Mrd. EUR wiederum auf BioNTech entfielen. Im Vergleichszeitraum Januar bis April 2022 verlor der deutsche Leitindex DAX trotz Ukraine-Krise „nur“ 11,3%. Nur vier Unternehmen (MainzBiomed, Formycon, Heidelberg Pharma und Medigene) zeigten eine positive Kursentwicklung, 26 lagen im Minus. Performance-Spitzenreiter ist Mainz Biomed, die erst 2021 an der Nasdaq ihr Börsendebüt gaben und Ende April mit rund 170Mio. EUR bewertet waren.

Weitere Ergebnisse

Genau 50% der Unternehmen notieren im Ausland bzw. hatten hier ihr Primärlisting.
Führend hier die Nasdaq mit 11Listings, gefolgt von der Euronext(2) und der London Stock Exchange (1). 17 Unternehmen sind kürzer als 10 Jahre an der Börse gelistet. Von diesen 17 ging nur der White Biotech-Spezialist BRAIN 2016 im Heimatmarkt Deutschland an den Kapitalmarkt, was die Anziehungskraft der US-Börsenplätze, vor allem der Nasdaq, noch einmal unterstreicht. Auch die Rechtsformen geben einen Hinweis auf die Internationalität der deutschen Biotechnologie: 14 Aktiengesellschaften („AG“)und zwei in der Rechtsform des europäischen Pendant „SE“ stehen 9 niederländische „N.V.“, drei amerikanische „Inc.“, eine „PLC“ sowie eine „BV“ gegenüber.

Fazit

Die gute Nachricht: In den letzten 10 Jahren hat sich die Anzahl der deutschen Biotechnologie-Unternehmen, die an der Börse notieren, mehr als verdoppelt. Einen deutschen Biotech & Co. Basket mit 30 Unternehmen hätten wir in den 2000er Jahren definitiv nicht anlegen können, selbst wenn seitdem einige Unternehmen wieder aus den Kurslisten verschwunden sind. Der kumulierte Börsenwert von rund 55Mrd. EUR ist am Kapitalmarkt bereits eine kleine „Hausnummer“, auch wenn die „Übermacht“ der BioNTech-Aktie zu einer gewissen Verzerrung führt. Trotzdem hätte die innovative Branche nun viel weiteren Rückenwind verdient, auch an der Börse! In einigen Jahren sollte die 100 Mrd.EUR Schallmauer in jedem Fall zu durchbrechen sein. Übrigens: Gerade über die Handelsplattform Tradegate, aber auch viele andere deutsche Handelsplätze sind praktisch alle Aktien aus unserem Biotech & Co. Basket erwerbbar, auch wenn sie ihr Primärlisting in den USA hatten.

 

Autor/Autorin

Markus Rieger ist Vorstand der GoingPublic Media AG.