Im ersten Quartal 2025 wurden so viele medizinische Cannabisprodukte in Deutschland nachgefragt wie nie zuvor. Immer mehr Ärzte und Patienten betrachten es als ernst zu nehmende Behandlungsoption bei unterschiedlichsten Beschwerden. Davon profitiert die Canify AG, eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen im deutschen Markt. In den ersten 9 Monaten 2025 hat Canify bereits doppelt so viel umgesetzt wie im Gesamtjahr 2024. Zur Finanzierung der nächsten Expansionsphase – vor dem mittelfristigen IPO – können sich professionelle Investoren und Privatanleger nun auch im Rahmen eines öffentlichen Angebots auf Basis eines von der BaFin gestatteten Wertpapierinformationsblatts (WIB) beteiligen (mehr Info auf www.canify-invest.de). GoingPublic sprach mit Canify-CEO Sascha Mielcarek.

GoingPublic: Herr Mielcarek, beschreiben Sie kurz das Geschäftsmodell von Canify?

Mielcarek: Wir sind ein pharmazeutisches Unternehmen, das annährend die komplette Wertschöpfungskette von Medizinalcannabis abdeckt – vom Import des Rohmaterials über die EU-GMP-Verarbeitung bis zum Vertrieb unter eigenen Marken, Services für Drittanbieter und unserem telemedizinischen Ärztenetzwerk Canify Clinics.

Sie bezeichnen Canify als „Qualitätsanbieter mit Alleinstellungsmerkmal“. Worin zeigt sich dieser Anspruch konkret im täglichen Umgang mit Ärzten und Apothekern – und was unterscheidet Canify dabei von anderen reinen Importeuren?

Aufgrund des großen pharmazeutischen Know-hows unseres Teams setzen wir Maßstäbe von der Entwicklung über die Produktion bis zur Marktfreigabe in unserer noch jungen Branche. Im täglichen Umgang mit Ärzten und Apotheken heben wir uns mit einem hohen Servicelevel, etwa in Form eines pharmazeutischen Außendienstes, ab. Das ist in unserer Branche eher die Ausnahme. Ärzte und Apotheken können sich auf standardisierte Produkte verlassen: Von Blüten über Extrakte bis hin zu innovativen Darreichungsformen wie Sublingualsprays oder künftig auch inhalative Lösungen.

Seit dem Relaunch 2023 ist von einer „Hyper-Wachstumsphase“ die Rede. Worauf beruht diese Entwicklung – und wie belastbar ist sie?

Zum einen haben wir das Unternehmen seit Sommer 2023 komplett neu aufgestellt. Mit neuem Management aus der klassischen Pharmaindustrie, klarem pharmazeutischem Geschäftsmodell und einer integrierte Wertschöpfungskette. Nach 1 Mio. Euro in 2023 haben wir 2024 bereits 7 Mio. Euro umgesetzt und in den ersten neun Monaten 2025 waren es bereits 15,5 Mio. EUR. Dabei sind wir trotz hoher Wachstumsinvestitionen bereits operativ profitabel, was in der noch jungen Cannabisbranche eher selten ist. Unser Markt steht dabei noch ziemlich am Anfang: Aktuell nehmen mindestens 500.000 Menschen in Deutschland regelmäßig medizinisches Cannabis bei unterschiedlichsten Krankheitszuständen wie beispielsweise chronischen Schmerzen, Schlafstörungen oder neurologischen Erkrankungen ein. Dies sind weniger als 1 % der Bevölkerung. Bis 2027 erwarten Experten eine Verdopplung. Dies erscheint realistisch, wenn man bedenkt, dass es in Kanada bereits 3 % sind.

Die Bundesregierung hat im Oktober einen weitreichenden Gesetzentwurf verabschiedet, der die Verschreibung und Abgabe von medizinischem Cannabis stark einschränken soll. Wie robust ist Canify gegenüber solchen politischen Kurswechseln?

2025 hat gezeigt, wie stark und resilient sich die medizinische Cannabisbranche entwickelt hat. Gleichzeitig droht politische Unsicherheit diesen Fortschritt auszubremsen. Die Versorgung ist stabiler, die Qualität höher und die Akzeptanz wächst – all das darf nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Der Kabinettsentwurf zur Änderung des MedCanG schießt mit Kanonen auf Spatzen. Ein wachsendes Problem haben wir hingegen bei der missbräuchlichen Anwendung von Opioiden, Benzodiazepin und anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten. Die Therapie mit Cannabis bietet in vielen Fällen eine nebenwirkungsärmere Alternative. Wir gehen davon aus, dass dies im endgültigen Gesetz berücksichtigt wird. Durch unsere Investitionen in innovative Darreichungsformen erschließen wir zudem mehr und mehr den von Krankenkassen erstatteten Markt, was uns zusätzlich optimistisch in die Zukunft schauen lässt.

Sie planen Markteintritte in die Schweiz, das Vereinigte Königreich und Polen. Wie skalierbar ist Ihr Geschäftsmodell international, wenn jedes Land eigene, teils komplexe Cannabisregeln hat?

Genau diese regulatorische Komplexität ist eine Markteintrittsbarriere – und damit ein Vorteil für ein Team mit jahrzehntelanger Pharma-Erfahrung. Unser Modell ist grundsätzlich skalierbar: Wir nutzen unsere etablierte EU-GMP-Plattform und haben denselben Qualitätsanspruch – Anpassungen an lokale regulatorische Rahmenbedingungen sind so nur noch geringfügig nötig. Für Märkte wie Schweiz, UK und Polen bauen wir jeweils schlanke, partnerschaftsbasierte Strukturen mit lokalen Distributoren und medizinischen Netzwerken auf, während die Kernprozesse – Qualitätskontrolle, Produktentwicklung, Sourcing – zentral bei Canify bleiben. So können wir relativ kapitalschonend expandieren und gleichzeitig unsere Marke und unsere Margen schützen.

Welche operativen Meilensteine und welche Kennzahlen muss Canify erreichen, damit das IPO erfolgreich durchgeführt werden kann?

Für einen erfolgreichen Börsengang haben wir einen klaren Zielkorridor definiert: Erstens wollen wir bis dahin den Jahresumsatz auf rund 75 Mio. Euro erhöhen. Dies bedeutet eine nochmalige Vervielfachung im Vergleich zu den voraussichtlich knapp unter 20 Mio. Euro in 2025. Zweitens wollen wir skalieren und unseren Gewinn überproportional steigern. Drittens soll unser Umsatzmix deutlich breiter werden. Dazu wird die Internationalisierung beitragen. Und einen weiteren großen Umsatzschub erwarten wir durch den Launch unseres Inhalators.

Im Zusammenhang mit dem Inhalator sprechen Sie von einer Revolution. Was meinen Sie damit?

Er ähnelt optisch einem Asthmaspray und hat das Potenzial, die therapeutischen Möglichkeiten von medizinischem Cannabis zu revolutionieren. Für Ärztinnen und Ärzte ist die richtige Dosis oft eine Herausforderung und ein Grund, Cannabis nicht zu verschreiben. Wir werden mit unserem zertifizierten Inhalator ab 2027 eine echte Therapieoption bieten. Unser Ziel ist es, ähnlich schnelle Wirkung wie bei der Inhalation von Blüten zu erreichen, aber klar dosierbar, reproduzierbar und von Krankenkassen anerkannt. Mit der aktuellen Kapitalerhöhung wollen wir unter anderem die Zulassung, die Produktion und den Vertrieb finanzieren.

Abschließend, warum soll man sich jetzt bei Canify beteiligen?

Weil Anleger die Chance haben, frühzeitig bei einem profitabel wachsenden Unternehmen im vielleicht spannendsten Bereich des Pharmamarktes dabei zu sein. Wir fangen gerade erst an, unser skalierbares Geschäftsmodell auszurollen und werden mit innovativen Produkten Maßstäbe in der Branche setzen. Zudem gibt es mit dem Börsengang ein klares Exitszenario. Wenn wir unsere Ziele erreichen, sollte der IPO auf Basis einer deutlich höheren Bewertung erfolgen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Christian Euler.
Die Titelgeschichte von GoingPublic 4/25 beschäftigt sich mit der Frage „Cannabis – eine Kapitalmarktstory“. Hier geht’s zum E-Magazin.


Zum Interviewpartner

Sascha Mielcarek

Sascha Mielcarek verfügt über mehr als 20 Jahre Führungserfahrung in der internationalen Gesundheitsbranche. Seit seiner Übernahme als CEO von Canify 2023 entwickelte er die Firma innerhalb eines Jahres zu einem profitablen Cannabis-Unternehmen.

 

 


Daten und Fakten zur Kapitalerhöhung

Emittentin Canify AG
ISIN: DE000A3EBXZ1
Zeichnungsplattform: www.canify-invest.de
Zeichnungsfrist: 10. November 2025 – 15. Oktober 202
Ausgabepreis: 148 Euro (bis 31.12.2025) / 165 Euro (ab 01.01.2026)
Emissionsvolumen: 36.698 Aktien
Mindestzeichnung: 20 Aktien
Begleitung: Hinkel & Cie. Vermögensverwaltung AG, Düsseldorf

 

Rechtlich maßgebliches Wertpapier-Informationsblatt (WIB) unter www.canify-invest.de zum Download.

Autor/Autorin

Christian Euler

Christian Euler ist seit rund 20 Jahren Redakteur im Bereich Wirtschaft und Finanzen. Für die Redaktion der Kapitalmarktplattform GoingPublic beleuchtet er seit 2025 Kapitalmarktthemen und interessante Aktien.