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innoscripta gilt als Vorreiter der digitalen Forschungsförderung und hat sich seit dem Börsengang im Mai 2025 als ­wachstumsstarker Börsenneuling präsentiert. Auch wenn die Bewertung beim Börsengang (1,2 Mrd. EUR) und heute ­immer noch über 900 Mio. EUR auf den ersten Blick ambitioniert erscheint, hat das Unternehmen doch einiges zu bieten. Dieser Beirag ist auch in GoingPublic 4/25 erschienen. 

Die Bayern, Unternehmenssitz ist München, haben sich auf cloud­basierte Softwarelösungen für die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung spezialisiert. Die Plattform „Clusterix“ digitalisiert den gesamten Prozess von der Projektidentifikation über die Antragstellung bis zur rechtskonformen Dokumentation. Nach eigenen Angaben ­reduziert das System den administrativen Aufwand um bis zu 80%. Statistisch erzielen Kunden durch den Einsatz der ­innoscripta-Lösungen demnach im Schnitt rund 40% höhere Fördersummen.

Viele europäische Staaten, darunter auch Deutschland, setzen zunehmend auf steuerliche Förderung, um Innovationen zu stärken. Während im Jahr 2016 noch ­direkte Zuschüsse dominierten, machen steuerliche Anreize mittlerweile rund 60% der staatlichen F&E-Unterstützung aus.
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist das Forschungszulagengesetz (FZulG) von 2020: Es erlaubt Unternehmen, einen Teil ihrer F&E-Aufwendungen über eine Steuergutschrift zurückzuerhalten – unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße.

Wachstum mit hohen Margen avisiert

Die Umsatzerlöse stiegen im dritten ­Quartal des laufenden Geschäftsjahres auf 70,7 Mio. EUR, was einem Wachstum von 80,3% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Für das Gesamtjahr sollen rund 100 Mio. EUR Umsatz erwirtschaftet werden. Das operative Ergebnis (EBIT) legte auf 40,8 Mio. EUR zu – eine Steigerung von 96,3% im Vergleich zum dritten Quartal 2024. Die EBIT-Marge lag bei 57,8%. Die Analysten von Warburg Research erwarten für das laufende Jahr 2025 einen Nettogewinn von 36,9 Mio. EUR, für 2027 sollen es bereits 65 Mio. EUR sein.

Während Deutschland weiterhin im ­Fokus steht, forciert man die Expansion nach Frankreich und Großbritannien. Derzeit betreut innoscripta rund 2.100 Kunden in über 20 Branchen mit einer durchschnittlichen Vertragslaufzeit von knapp drei Jahren. Warburg Research rät zum Kauf der Aktie und nennt ein Kursziel von 210 EUR, was auf dem derzeitigen Niveau mehr als einer Verdoppelung entspricht. „Mit einem rein organischen Umsatzwachstum von durchschnittlich 40% pro Jahr im Zeitraum 2024 bis 2027 dürfte innoscripta sein starkes operatives Momentum nahtlos fortsetzen“, heißt es in der Analyse.

Fazit

Auf der Chancenseite stehen die anhaltende Expansion in Europa, die fortschreitende Automatisierung im Förderwesen und eine wachsende Kundentreue. Sollte es ­innoscripta gelingen, seine Software­lösungen auch in weiteren Märkten zu etablieren und das Produktportfolio für international unterschiedliche Fördersysteme zu adaptieren, dürfte das Wachstum noch lange nicht zu Ende sein. Ein wesentliches Risiko könnte darin bestehen, dass das Unternehmen in hohem Maße von der steuerlichen Förderpolitik einzelner Länder abhängt – rechtliche Anpassungen könnten die Nachfrage daher unmittelbar beeinflussen. Sollte sich die Ergebnis­dynamik wie von den Warburg-Analysten bescheinigt fortsetzen, wird innoscripta in seine Bewertung hinein wachsen. Aktuell ist die Aktie rund 25% günstiger zu ­haben als beim Börsengang im Mai.


Sebastian Schwertlein

„Die Marktchancen für starkes organisches Wachstum sind hervorragend“

COO Sebastian Schwertlein über innoscriptas Börsengang, Deutschlands Vorbildrolle und die Balance zwischen Wachstum, Expansion und Profitabilität

 

 


GoingPublic: Herr Schwertlein, ­innoscripta hat im Mai den Schritt
an die Börse gewagt. Wie fällt Ihr Zwischenfazit nach den ersten ­Monaten aus?

Schwertlein: Der Gang an die Börse war die richtige Entscheidung für innoscripta. Wir haben unsere Sichtbarkeit als SaaS-Pionier für die Unterstützung von steuer­lichen Förderungen für F&E damit noch einmal deutlich erhöht. Mit der Börsennotiz können wir unser erfolgreiches Geschäftsmodell transparent am Markt aufzeigen. Anfang November haben wir mit der Veröffentlichung unserer starken Zahlen für das dritte Quartal überzeugt. Für uns ist eine langfristige Wert­entwicklung an der Börse wichtig, denn die Börsennotiz ist für uns eine Langstrecke und kein Sprint.

Welche Rolle spielt Deutschland in Ihrer Expansionsstrategie – und ­welche Länder stehen als Nächstes im Fokus?

In Deutschland existiert seit dem Jahr 2020 das Forschungszulagengesetz, ­wodurch steuerliche Vergünstigungen durch Projekte im F&E-Bereich klar definiert werden. Seit der Gesetzeseinführung hat sich die Anzahl der Anträge für steuerliche Förderungen für diese Projekte versechsfacht, weshalb unser Heimatmarkt Deutschland selbstverständlich ein wichtiger Markt ist. Deutschlands Regulatorik ist international eine Blaupause für andere Länder, die teilweise noch nicht über einen entsprechenden Rahmen verfügen. Unsere cloudbasierte Plattform setzt genau da an, denn durch diese wird Transparenz in den F&E-­Projekten der Unternehmen geschaffen. Wir planen zudem, neben Deutschland im ersten Schritt auch nach UK und Frankreich zu expandieren.

Welche strategischen Ziele verfolgen Sie in den kommenden drei Jahren, insbesondere im Hinblick auf Internationalisierung und Produktentwicklung?

Neben dem geplanten weiteren Wachstum in Europa und der Erschließung neuer Märkte wollen wir auch die Produktentwicklung weiter ausbauen und unseren Kundenstamm erweitern. Derzeit haben wir über 2.000 Vertragskunden aus mehr als 20 Branchen und wollen weitere, umsatzstarke Großkunden gewinnen. Unsere innovativen Produkte sollen so weiterentwickelt werden, dass wir neue Up- und Cross-Selling-Möglichkeiten für weitere Anwendungsfälle schaffen. Zudem wollen wir unsere cloudbasierte Plattform generell weiter optimieren und den Fokus auch verstärkt auf die internationale Projekt­dokumentation legen.

Wie stark ist die Konkurrenz im Bereich steuerlich geförderter F&E-Digitalisierung – und worin liegt Ihr entscheidender Wettbewerbsvorteil?

Wir sind das einzige Unternehmen weltweit, das die Zeiterfassung, das Projektmanagement, Compliance-Lösungen und die ­Mitarbeiterverwaltung für F&E-Projekte ganzheitlich digital abbildet. Wir bieten dafür unsere hochinnovative und digitale SaaS-Plattform, während viele Unternehmen noch ineffiziente Excel-Listen für diese Punkte verwenden. Damit haben wir eine einzigartige Stellung am Markt, was sich auch im starken Kundenwachstum zeigt. So ist unser Kundenstamm 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 57% gewachsen. Der hohe Transparenz- und Dokumenta­tionsgrad unserer Plattform Clusterix schafft Effizienz und Sicherheit für Unternehmen bei der Planung von F&E-Projekten und vor allem auch bei F&E-Steuer­gutschriften. Für die Unternehmen ist
die Transparenz auch wichtig mit Blick
auf Haftungsthemen für die Vorstände.

Ihre Margen sind außergewöhnlich hoch für ein ­wachsendes Softwareunternehmen – wie nachhaltig ist diese Profita­bilität?

Unsere bereits skizzierte einzigartige Marktstellung führt zu beträchtlichen Margen. Mit steigendem Umsatzniveau können sich Skaleneffekte sogar zusätzlich positiv auf die Margen auswirken. Unsere Analysten sehen auch keinerlei Margenerosion in den kommenden Jahren – ganz im Gegenteil. Unser Pricing-Modell ist übrigens sehr fair. Nur bei ­einer Förderung kommt es zu einem ­Entgelt in Relation zur Fördersumme. Unternehmen haben demnach kein ­Risiko, uns frühzeitig einzubinden.

Welche Rolle spielen organisches Wachstum und potenzielle Übernahmen in Ihrer Expansionsstrategie?

Wie bereits erwähnt sind wir seit unserer Gründung im Jahr 2012 erfolgreich organisch gewachsen, ohne Übernahmen und Fremdfinanzierung. Sollten sich geeignete Marktopportunitäten für M&A ergeben, werden wir diese bei ­Gelegenheit ergreifen. Doch im Moment sehen wir keinen Grund, von unserem Erfolgskurs abzuweichen. Die Marktchancen für starkes organisches Wachstum sind hervorragend.

Sehr geehrter Herr Schwertlein, vielen Dank für diese interessanten Einblicke.

Das Interview führte Christian Euler.

Autor/Autorin

Christian Euler

Christian Euler ist seit rund 20 Jahren Redakteur im Bereich Wirtschaft und Finanzen. Für die Redaktion der Kapitalmarktplattform GoingPublic beleuchtet er seit 2025 Kapitalmarktthemen und interessante Aktien.