Bildquelle: © Czechoslovak Group
Der tschechische Rüstungskonzern CSG will Freitag (23.01.2026) an die Börse gehen und einen Marktwert von 25 Mrd. EUR erreichen. Damit wäre das Unternehmen mehr wert als Renk und Hensoldt zusammen. Von Gian Hessami
Der tschechische Rüstungskonzern Czechoslovak Group (CSG) strebt den wohl größten Börsengang der Branche an. Der erst Dienstag angekündigte IPO an der Amsterdamer Börse Euronext ist für Freitag, den 23. Januar 2026, geplant. Das in Prag ansässige Unternehmen wird bis zu rund 15 % seiner Anteile anbieten. Der Angebotspreis liegt bei 25 EUR pro Aktie, was einem Börsenwert von rund 25 Mrd. EUR wert entspräche. Damit wäre CSG an der Börse deutlich mehr wert als die beiden deutschen Rüstungsunternehmen Renk (rund 6 Mrd. EUR) und Hensoldt (rund 10 Mrd. EUR) zusammen.
Große Nachfrage vor dem IPO-Start

Eigentümer Michal Strnad will bei dem IPO eigene Aktien im Umfang von 2,55 Mrd. EUR verkaufen. Außerdem plant CSG die Ausgabe neuer Aktien im Volumen von 750 Mio. EUR. Sollte die Nachfrage besonders groß sein, könnte Strnad im Zuge einer Mehrzuteilung weitere Papiere für bis zu 500 Mio. EUR verkaufen. Die Emissionsbanken erwarten, dass der Börsengang weltweit das größte IPO-Volumen eines Rüstungsunternehmens erreichen könnte.
Bereits kurz nach Beginn der Zeichnung hat laut Bloomberg die Nachfrage ausgereicht, um das Angebotsvolumen vollständig abzudecken. Zwischen Verkündung des geplanten IPOs (Dienstag) und dem möglichen Handelsstart (Freitag) liegen nur wenige Tage. Dies ist ungewöhnlich schnell, da Börsengänge dieser Größenordnung in der Regel über Wochen oder Monate Vorlauf benötigen. Das Handelsblatt berichtete darüber, dass sich CSG bereits Zusagen von Ankeraktionären über insgesamt 900 Mio. EUR gesichert habe. Zu den Investoren gehören demnach große institutionelle Vermögensverwalter wie Blackrock und der Staatsfonds von Katar.
Das Geschäft boomt
CSG ist einer der am schnellsten wachsenden Rüstungskonzerne rund um den Globus. Das Unternehmen stellt Munition, Radarsysteme und schwere Militärfahrzeuge her und expandiert in das Geschäft mit Flugzeugtriebwerken. Michal Strnad ist Besitzer des Unternehmens. Sein Vater hatte in den 1990er Jahren begonnen, mit altem Militärgerät aus Sowjet-Beständen zu handeln. Michal Strnad gehören derzeit (vor dem Börsengang) 99,98 % des Unternehmens. Nach Ausübung der vollen Mehrzuteilungsoption würden dem 33-jährigen CEO noch rund 85 % der Aktien gehören.
Im Jahr 2024 erwirtschaftete CSG einen Umsatz von rund 4 Mrd. EUR und einen Gewinn von 633 Mio. EUR. In den ersten neun Monaten 2025 lag der Umsatz bei 4,5 Mrd. EUR. Etwa ein Viertel davon entfiel auf Lieferungen an die Ukraine. Für das komplette Jahr 2025 werden 6,4 Mrd. Umsatz erwartet. Laut CSG soll der Erlös in diesem Jahr auf 7,4 bis 7,6 Mrd. EUR steigen. Das Unternehmen will ab 2027 Dividenden von 30 bis 40 % des Nettogewinns zahlen.
Steigende Verteidigungsausgaben sprechen für den Sektor
„Der geplante Börsengang der Czechoslovak Group (CSG) steht exemplarisch für den Boom im europäischen Rüstungsmarkt“, sagt Maximilian Wienke, Marktanalyst beim Neobroker eToro. Allerdings sei die Verteidigungsstory nicht neu, sondern bereits seit rund vier Jahren intakt. Die Trendphase der Branche sei damit schon weit fortgeschritten. Strukturell steigende Verteidigungsausgaben in Europa sprechen laut Wienke dennoch langfristig für den Sektor und für CSG. Das Unternehmen gewinne deutlich an Bedeutung und werde zunehmend als potenzieller Konkurrent etablierter Player wie Rheinmetall wahrgenommen. „Regional ist das Unternehmen breit aufgestellt. Rund 50 % der Umsätze stammen aus Europa – ohne Ukraine, weitere 18 % aus den USA, und 26 % entfallen auf die Ukraine.“ (Die Zahlen beziehen sich auf die ersten neun Monate 2025.)
„Steigende globale Verteidigungsausgaben werden den Sektor weiterhin stützen“, zitiert Reuters Barclays-Analyst Afonso Osorio. Und weiter: „Jahrelange Unterinvestitionen in Europa liegen längst hinter uns, und die jüngste Eskalation zwischen den Verbündeten (in Bezug auf Grönland) sollte lediglich als Mahnung verstanden werden, dass Europa weiterhin sinnvoll investieren muss.“
Fazit
Der 2022 durch den Ukraine-Krieg ausgelöste Boom der Verteidigungsindustrie hält schon länger an. Gleichwohl sprechen die aktuellen geopolitischen Spannungen und der Nachholbedarf des europäischen Rüstungssektors dafür, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Der Börsengang von CSG bietet Anlegern Chancen, auf ein weiteres, breit aufgestelltes Unternehmen aus dem Verteidigungssektor zu setzen. Zugleich nehmen Anleger mit Rüstungspapieren eine hohe Volatilität in Kauf, wie bereits die deutschen Beispiele Rheinmetall, Renk und Hensoldt gezeigt haben.
Autor/Autorin

Gian Hessami
Gian Hessami ist freiberuflicher Finanzjournalist und schreibt für GoingPublic Beiträge rund um Aktien und den Kapitalmarkt. Dabei stehen die Perspektive des Anlegers sowie die Chancen und Risiken der Investments im Vordergrund. Mit den Finanzmärkten beschäftigt sich der gelernte Zeitungsredakteur bereits seit 2004. Bei Investments fokussiert er sich auf Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Rohstoffe. Darüber hinaus hat er sich auf Derivate wie Zertifikate und Hebelprodukte spezialisiert. Hessami Corporate Publishing





