Bildnachweis: Andreas Thümmler.

Das GoingPublic Magazin im Gespräch mit Andreas Thümmler, Gründer und Managing Partner von Acxit Capital Partners, über Investment Banking, den Standort Deutschland und seine liebste Nebenbeschäftigung: Single Malt Whisky als Kapitalanlage. Natürlich alles made in Germany.

GoingPublic: Andi, Ende der 90er Jahre hast Du deine Tech M&A Boutique Corporate Finance Partners in Frankfurt gegründet. Heute bist Du Teilhaber und Managing Partner von Acxit Capital Partners. Wie kam das?

Thümmler: Nach 15 Jahren Unabhängigkeit als kleine, fokussierte Tech M&A Boutique und ca. 200 Deals in diesem Segment sah ich zusammen mit meinen Partnern von Acxit Capital Partners die Chance, ein signifikant größeres und breit gefächertes M&A Haus zu etablieren und weiter auszubauen. Der Markt in Deutschland brauchte eine Konsolidierung und größere Units, um gegen internationale Player konkurrenzfähig zu sein. Die Strategie ging auf: Wir haben seit 2015 ca. 100 weitere, teils auch sehr signifikante M&A-Transaktionen abgewickelt und sind heute um die 60 M&A-Berater bei Acxit. Es gibt zahlreiche erstklassige Dealmaker bei uns, wir betreuen neben Tech und Healthcare auch etliche weitere Industriesegmente und spielen sogar bei größeren Public Takeovers als Berater eine Rolle. Das ist eine sehr gute Ausgangsbasis.

„Frankfurt hat die beste und interessanteste Investment-Banking-Infrastruktur in Deutschland und in Kontinentaleuropa“
Andreas Thümmler

Wie siehst Du eigentlich den aktuellen Hype um den Tech-Standort Berlin? Gerechtfertigt oder übertrieben?
Ich selbst bin ja 2003 nach Berlin gegangen und habe da viele Jahre als Investment Banker im Tech-Bereich gewirkt und die Szene aufgemischt. Das war eine spannende Zeit: Wir haben deutsche Startups dort finanziert und an Google, eBay und PayPal verkauft. Heute ist die Szene in Berlin weitestgehend institutionalisiert. Natürlich ist Berlin nach wie vor ein wichtiger Tech Hub, aber Tech Cluster, Startups und Unicorns gibt es auch in München, Hamburg, Stuttgart, Dresden, Köln Leipzig, Mainz. Unicorns kommen in Deutschland sogar aus Montabaur. Der Punkt ist: Im Gegensatz zu anderen Ländern ist bei uns die Szene relativ gleichmäßig über das Land verteilt. Ein gesunder Zustand.

Immer mit der Perspektive im Blick

Was bedeutet das jetzt und in Zukunft für Frankfurt als Investment-Banking-Standort?
Frankfurt hat die beste und interessanteste Investment-Banking-Infrastruktur in Deutschland und in Kontinentaleuropa. Es ist ohne Zweifel die Finanzhauptstadt. Hier sitzen die EZB und die Deutsche Börse. Seit der BrExit-Entscheidung hat Frankfurt zudem einen enormen internationalen Zulauf von Banken aus Asien und vor allem China. Eine sehr spannende Entwicklung gerade auch für junge Leute, die hier ihre internationale Investment-Banking-Karriere starten.

„Wir sollten in Deutschland das Investment Banking nicht nur ausländischen Playern überlassen“
Andreas Thümmler

Deutsche Banken schwächeln in diesem Umfeld allerdings. Selbst aus einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank käme derzeit im internationalen Vergleich ein relativ überschaubares Institut heraus.
Das ist leider nicht zu leugnen, birgt aber auch enorme Chancen für neue, wachstumsträchtige Player wie uns. Wir brauchen wieder mehr „Investment Banking – Made in Germany“: Das kommt bei den Kunden in der DACH-Region sehr gut an und ist nach wie vor ein internationales Siegel für absolute Qualität. Viele kleinere Banken wurden von Franzosen oder Chinesen übernommen, etliche M&A-Boutiquen haben sich Amerikanern angeschlossen. Berenberg als eine Ausnahme hat sich, wie auch wir in unserem Bereich, erfolgreich dagegengestemmt. Wir sollten das Banking bzw. Investment Banking hier nicht nur ausländischen Playern überlassen. Viele von denen haben hier nur kleine lokale Teams und sind daher nicht so nah am deutschen Kunden dran. Die meisten sitzen doch eher in London oder haben ihre Experten in den USA. Dutzende Conference Calls mit sechs oder neun Stunden Unterschied in der Zeitzone: Da kenne ich viele, die das nervt. Nicht nur die Mittelständler. Es ist zu bezweifeln ob die deutsche Unternehmenskultur, gerade des Mittelstandes, in London oder NY überhaupt verstanden wird. Und wenn dann der Managing Director aus Übersee kurz mal per Fallschirm landet und vom lokalen Team als Industriespezialist vorgestellt wird, befremdet das doch sehr. Da brauchen wir mehr auf die deutschen Verhältnisse zugeschnittene Expertise und Kundenverständnis.

Finanzplatz Frankfurt – der Blick auf den wohl bekanntesten Doppelturm der City

In letzter Zeit gab es einige Personalabgänge bei Acxit. Bereitet Dir das aktuell Sorgen?
Für ein Unternehmen in unserer Größenordnung ist das keine ungewöhnliche Entwicklung. Von Zeit zu Zeit wird es immer Abgänge im Mittelbau geben und neue, gerade auch junge hochmotivierte, intelligente und talentierte Mitarbeiter stoßen zu uns wieder hinzu. M&A ist im Investment Banking die Königsdisziplin: Man berät CEOs, Unternehmer und Startup Founder, steht also als Relationship Banker of Trust in vorderster Reihe. Hier gilt das Prinzip „up or out“. Nicht jeder schafft es, nicht alle können bei einer Premium M&A Boutique wie Acxit Managing Director oder Partner werden. Unser Partnerkreis besteht aus gestandenen Top-Investment-Bankern und erstklassigen Dealmakern und Sektorspezialisten. Das erreicht man nur durch Selektion.

„Es gibt keine bessere und sicherere Verzinsung als Whisky“
Andreas Thümmler

Privat hast Du in letzter Zeit auch mit Deinem Whisky-Hobby für Furore gesorgt und mit St. Kilian Distillers außerhalb von Frankfurt eine der größten Single-Malt-Destillerien in Kontinentaleuropa aufgebaut. Lohnt sich ein Whisky-Investment?
Ich sammle seit über 20 Jahren seltene Whiskys und habe privat die ganze Welt bereist, um Whisky-Destillerien zu entdecken. Da war das irgendwann einmal eine logische Konsequenz. Langfristig gibt es keine bessere und sicherere Verzinsung als Whisky, das beweisen die Statistiken. Das gute alte Sparbuch bei der Volksbank oder Sparkasse hat sowieso längst ausgedient. Bei St. Kilian arbeitet eines der besten Teams weltweit daran, Single Malt Whisky – Made in Germany global zu etablieren und in die Champions League zu katapultieren. Insofern gibt es hier durchaus Parallelen zu Acxit und unserem M&A-Geschäft. Ein Besuch in und seine Umgebung lohnt sich also in jeglicher Hinsicht.

Das Frankfurter Büro des GoingPublic Magazins setzt schon längst auf liquide Assets.

Im Frankfurter GoingPublic-Büro sind wir schon längst gut ausgestattet – sind die Whiskys nur zum Anschauen, also tabu?
Versuchs mit einem Kompromiss: Der rötliche, Batch #5, ist unglaublich lecker aus italienischen Amarone-Fässern, den könntest Du Gästen anbieten, sie vielleicht beindrucken. Den Batch # 1 würde ich mal lieber aufheben: Der kostet auf eBay schon jetzt das 4-5fache des Originalpreises. Am Ende ist alles ausverkauft. Wir müssen mehr produzieren. „Made in Germany“ kommt überall gut an!

Andi, dann bei beiden Projekten weiterhin viel Erfolg!

Interview: Falko Bozicevic

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