Die drei Geschäftsführer der BDT Media Automation GmbH (v.l.n.r.): Friedhelm Steinhilber, Rolf Ritter und Dr. Holger Rath

Den ersten Schritt in den Kapitalmarkt setzt die württembergische BDT Media Automation GmbH mit einer Anleihe, deren Volumen bis zu 30 Mio. EUR ausfallen kann. Der weltweit führende Hersteller von Anwendungen zur Datenarchivierung sowie zum Papierhandling bei Druckersystemen will Verbindlichkeiten ablösen und seine erfolgreiche Produktpalette weiterentwickeln. Im Gespräch mit BondGuide erläutern Friedhelm Steinhilber, Geschäftsführer CTO und Inhaber, Rolf Ritter, Geschäftsführer CEO, sowie Dr. Holger Rath, Geschäftsführer CFO, ihr Geschäftsmodell sowie Details zur Anleihe.  

BondGuide: Herr Ritter, Sie emittieren jetzt erstmals eine Anleihe, was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Ritter: Wir haben uns intensiv mit verschiedenen Finanzierungskonzepten beschäftigt. Die Anleihe bietet die Möglichkeit, unsere Finanzierung breiter aufzustellen. Mit ihr können wir unser zukünftiges Wachstum stabiler und unabhängiger von einzelnen Kreditformen gestalten und so noch schneller in lohnende Projekte investieren.

BondGuide: Sie sind weltweiter Marktführer im Bereich Storage Automation und führender Technologielieferant im Geschäftsfeld Paper und Media Handling. Könnten Sie kurz erläutern, welche Dienstleistungen Sie anbieten und wie Ihr Geschäftsmodell konkret aussieht?

Ritter: Unser größtes Geschäftsfeld ist die Langzeit-Datenarchivierung mit Magnetbändern. Hier entwickeln wir Automationssysteme für acht bis 100 Magnetbänder, die vorwiegend in Rechenzentren eingesetzt werden und vollautomatisch die Datenspeicherung verwalten und kontrollieren. Abnehmer sind führende IT-Hersteller wie Dell, IBM, Hewlett Packard oder Fujitsu. Der Ursprungsbereich von BDT liegt in der Entwicklung von Komponenten für die Papierhandhabung bei digitalen Druckersystemen. Wir entwickeln die passenden Systeme zur Verarbeitung von Papier, Plastik oder Blech, die dann in Druckern oder Druckmaschinen eingebaut werden. Dies unterscheidet uns von den Herstellern der Offset-Druckmaschinen wie MAN Roland.

BondGuide: Wozu wollen Sie die Finanzmittel aus der Anleihe verwenden?

Rath: Die eine Hälfte soll zur Refinanzierung, die andere zur Wachstumsfinanzierung eingesetzt werden. Mit 15 Mio. EUR werden wir ein Mezzanine-Darlehen ablösen. Mit den übrigen 15 Mio. EUR wollen wir unser künftiges Wachstum finanzieren. Das betrifft unsere beiden wichtigsten Geschäftsfelder, die Papierzufuhranlagen für Digitaldrucker und die Datenarchivierung. Hier werden wir etwa 6 bis 7 Mio. EUR Mio. investieren, um den Markenherstellern eine neue Produktgeneration anbieten zu können. Die restlichen Finanzmittel werden wir in die Weiterentwicklung der LTFS-Systeme investieren. Hier geht es um eine kostengünstige Bandtechnologie zur Datenspeicherung ohne teure Software. Solche Produkte planen wir zusammen mit Anbietern von Videoüberwachungssystemen.

BondGuide: Ihr Kupon von 8,12% ist überdurchschnittlich. Warum haben Sie diese attraktive Verzinsung gewählt?

Ritter: Ein Grund ist sicherlich der geringe Bekanntheitsgrad am Kapitalmarkt, da dies unsere erste Anleihe ist. Zudem fehlt ein bekannter Markenname. Auch wenn wir Weltmarktführer in unseren Marktsegmenten sind, unsere Anwendungen sind nur dort bekannt, wo sie eingesetzt werden.

BondGuide: Wie haben sich Ihre Geschäfte im 1. Halbjahr 2012 entwickelt?

Rath: Der Umsatz war mit 58 Mio. EUR gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2 Mio. EUR geringer, da Handelsware von HP zu geringeren Preisen verkauft wurde. Darüber hinaus fielen Entwicklungskosten von 1 Mio. EUR für neue Produkte an. Dennoch verbesserte sich das EBTDA gegenüber dem 1. Halbjahr 2011 von 3,9 Mio. EUR auf 4,4 Mio. EUR. Auch wegen des Verkaufs von Produktionsrechten in China fiel ein Halbjahresergebnis von 1,5 Mio. EUR an. Wir liegen voll im Plan, da das 2. Halbjahr traditionell besser als das 1. Halbjahr verläuft.

BondGuide: Wo sehen Sie das größte Wachstumspotenzial in Ihren Branchen?

SteinhilberEin wichtiger Trend ist die Ablösung der Offset-Druckmaschinen durch digitale Drucksy

steme. Unsere neuste Entwicklung ist die so genannte Tornado-Technologie. Auf der Fachmesse drupa war das Interesse aus dem In- und Ausland groß. HP Indigo, führend im industriellen Digitaldruck, musste seine Orderbücher für Tornado-Geräte wegen der großen Nachfrage vorzeitig schließen. Bei anderen Projekten geht es um mehr Flexibilität bei der Datenspeicherung. Hier entwickeln wir mit unseren Kunden neue Lösungen, die sehr flexible Rechenleistungen im Datenzentrum möglich machen.

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