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Im 132. Jahr des Firmenbestehens knackte ElringKlinger 2011 die Rekordmarke von 1 Mrd. EUR Umsatz. In über einem Jahrhundert Firmengeschichte machte der Automobilzulieferer dabei so einige entscheidende Veränderungen durch. Am bedeutsamsten für die Wachstumsstory war dabei die Fusion zweier Familienunternehmen – sowie der Gang an die Börse im Jahr 2000.

Der Weg beginnt getrennt

Bemerkenswert ist, dass ElringKlinger bis heute unter der Kontrolle der Gründerfamilie Lechler geblieben ist. Daran haben weder Fusionen noch die Kapitalmarktnotierung etwas geändert. Der Ursprung der heutigen AG geht zurück auf das Jahr 1879: Damals eröffnet Paul Lechler in Stuttgart ein Handelshaus für technische Produkte und Dichtungen – die spätere Elring GmbH. Sechs Jahre danach entsteht in Wien die Konstruktionswerkstatt von Richard Klinger.

*) in Mio., sämtliche Angaben in EUR; Quelle: GoingPublic Research

Bereits um die Jahrhundertwende belieferte die Lechler OHG die Automobilindustrie mit Dichtungen, die sie ab 1914 dann auch selbst produziert. Die Produktion der ersten Klinger-Zylinderkopfdichtungen startet 1930. Der Geschäftsbereich Dichtungen (Spezial- und Zylinderkopfdichtungen) macht auch heute noch rund ein Drittel des Konzernumsatzes aus. Mitte der 1960er Jahre werden Produktion und Vertrieb der Lechler-Dichtungen von Stuttgart nach Dettingen verlagert. Das Unternehmen firmiert nun unter dem Namen Lechler Elring Dichtungswerke KG. In den folgenden Jahren unternehmen beide Firmen Schritte in Richtung Internationalisierung in Europa, Asien und Afrika. 1994 schließlich findet die Fusion der Elring GmbH mit dem Unternehmensbereich Automotive der Richard Klinger GmbH zur ElringKlinger GmbH statt.

Ein Mitarbeiter prüft eine mehrlagige Metall-Zylinderkopfdichtung. Quelle: ElringKlinger

Gemeinsam weltweit wachsen

Mit dem Zusammenschluss beschleunigt sich die zuvor getrennt angeschobene Internationalisierung. Neben weiteren Standorten in Europa kommen auch die USA, Mexiko und Brasilien hinzu. Außerdem wird die Elring Kunststoff-Technik GmbH gegründet. Heute trägt der Geschäftsbereich Kunststofftechnik ca. 8% zum Konzernumsatz bei. Durch den Börsengang im Jahr 2000 erhält das internationale Wachstum zudem einen weiteren Schub: Mittlerweile ist ElringKlinger mit zahlreichen Tochterunternehmen und Joint Ventures weltweit bereits in 18 Ländern vertreten. Seinen Hauptumsatz macht das Unternehmen nach wie vor in Europa (Deutschland 31%, Rest 33%), gefolgt von Nordamerika (16%), Asien und Australien (14%) sowie Südamerika (6%). Aufgrund der anhaltenden Euro-Schuldenkrise und der schwächelnden US-Wirtschaft dürfte allerdings in Zukunft besonders der asiatische Markt an Bedeutung gewinnen. Hier sieht sich ElringKlinger mit zwei großen Produktionsstätten in China und einem Werk in Indien gut positioniert.

Walther H. Lechler, Aufsichtsratsvorsitzender, ElringKlinger AG

Zwölf Jahre Börsenerfahrung

Seit dem Gang an die Börse im Jahr 2000 ist das Unternehmen beträchtlich gewachsen und gehört heute zu den bedeutendsten Automobilzulieferern Deutschlands. Lag der Umsatz damals noch bei rund 312 Mio. EUR, konnte im letzten Jahr die erwähnte Schallmauer von 1 Mrd. durchbrochen werden. Die erste Börsennotierung erfolgte damals als „Cold-IPO“ unter dem Börsenmantel der ZWL Grundbesitz- und Beteiligungs AG, an der Familie Lechler seit Anfang der 70er Jahre über 90% der Anteile besaß. Nachdem zwischen 1997 und 1999 die drei anderen Gesellschafter der ElringKlinger GmbH ausgekauft werden konnten, befand sich die Firma zu 100% im Besitz der bereits börsennotierten ZWL. „Es lag auf der Hand, das Unternehmen über eine Mutter-Tochter-Verschmelzung an die Börse zu bringen, da es auch der deutlich einfachere und kostengünstigere Weg gegenüber einem klassischen IPO war“, beschreibt der Aufsichtsratsvorsitzende Walther H. Lechler gegenüber dem GoingPublic Magazin die damalige Situation.

2002 wurde die ElringKlinger AG dann als Namensaktie an den Börsenplätzen Frankfurt und Stuttgart notiert. Schon 2003 folgte die Aufnahme in den SDAX und 2009 schließlich der Aufstieg in den MDAX. Im Zuge der Börsennotierung wurden Bekanntheitsgrad und Transparenz des Unternehmens erhöht. So legt ElringKlinger großen Wert auf die Kommunikation mit seinen Aktionären. Das belegen zahlreiche Auszeichnungen für die Investor-Relations-Arbeit. Zudem wurde das Controlling professionalisiert: „Die Börsennotiz diszipliniert und erzieht“, so Lechler zu den internen Effekten. „Darüber hinaus schafft man sich eine Finanzierungsmöglichkeit über den Kapitalmarkt“, beschreibt Lechler einen weiteren Vorteil. So ist ein Going Public seiner Gesamteinschätzung nach auch für Familienunternehmen sinnvoll, solange man die langfristigen und für den Erfolg wesentlichen Perspektiven nicht aus den Augen verliere.

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