Beschlagene Gläser, schmutzige Linsen, oder das ewiges Suchen  nach der Sehhilfe. Jeder Brillenträger kennt diese lästigen Alltagsprobleme – doch das frisch an der Börse in Hong Kong notierte Unternehmen EuroEyes bietet eine Lösung. Von Timothy Veigel

In einem kleinen dänischen Dorf, knapp nördlich der deutschen Grenze wuchs Jørn Slot Jørgensen auf; nun hat er sein Unternehmen in Hong Kong erfolgreich an die Börse gebracht. Dem Gründer und CEO von EuroEyes wurde Unternehmertum durch seine in der Schifffahrtsbranche tätigen Eltern bereits  in die Wiege gelegt. Doch zunächst schlug er einen anderen Weg ein – er wollte Arzt werden. Nach einem Medizinstudium in Hamburg und einigen Aufenthalten als Arzt im Ausland erkannte er bald schon einen Bedarf an Sehkorrekturen. Er dachte dabei jedoch nicht an die herkömmliche Form einer Brille, sondern an eine dauerhafte Heilung. So verband Jørgensen seine Leidenschaft mit der Wirtschaft und eröffnet im Jahre 1993 die erste EuroEyes Augenklinik in Hamburg. Schon damals wurde dort die LASIK-Methode angewandt, um die Sehkraft zu verbessern und die Notwendigkeit einer Brille völlig zu beenden.

Laser-Op to go

Die erste Besonderheit seines Konzepts war, dass die Klinik ihre Patienten ausschließlich ambulant behandelte. Für einige Kollegen undenkbar – wie Jørgensen in den Medien berichtete, verglichen manche den Chefarzt ohne Betten sogar mit einem Kaiser ohne Reich. Doch die effiziente ambulante Methode bewährte sich und EuroEyes expandierte bereits 1997 nach Dänemark. 16 Jahre später ergründete Jørgensen dann als erste westliche Klinik mit Zulassung in China auch das Reich der Mitte. Inzwischen fasst das Unternehmen weltweit 25 Standorte und beschäftigt über 400 Mitarbeiter. Der Fokus wird inzwischen auf die Erschließung des chinesischen Markts gelegt; dies wurde unter anderem durch die Wahl des Standorts Hong Kong für den Börsengang bekräftigt. In China soll nämlich ein starker Bedarf an Augenkliniken vorliegen, da die Brillenträgerrate dort besonders hoch ist. Die Breite des Marktes wird durch eine Studie aus Taiwan deutlich: diese besagt, dass 84% aller chinesischen Kinder kurzsichtig seien und knapp 90% der Studenten eine Brille trügen. Die durch das IPO erworbenen liquiden Mittel sollen dementsprechend vor allem für die Expansion in weitere chinesische Großstädte verwendet werden.

Made in Germany

Das Alleinstellungsmerkmal der Augenklinik, was auch gerne beworben wird, ist nach eigenen Angaben – neben der langjährigen Erfahrung – die deutsche Qualität. Mit dem Preis kann Jørgensen nach eigener Aussage nämlich nicht konkurrieren, mit der Qualität jedoch schon. Deshalb bietet EuroEyes eine individuelle Rundumbetreuung durch die sich die Patienten durchgehend wohlfühlen sollen. Um eine professionelle und angenehme Atmosphäre zu gewährleisten, werden auch die nicht medizinischen Mitarbeiter regelmäßig in den Bereichen Medizin und Service geschult. Zu den Kunden gehören bereits einige prominente Namen, die gerne einen Aufpreis für die damit verbundene Wohlfühlatmosphäre bezahlen. Unter anderem lagen schon Christian Lindner, Olivia Jones oder der frühere TV-Moderator Thomas Gottschalk bei dem Premiumanbieter unter dem Messer. Letzterer war sogar so begeistert, dass er sich mit knapp 0,7% an dem Unternehmen beteiligte.

Auch in China kommt das Aushängeschild „Made in Germany“  sehr gut an. Dort setzt EuroEyes ausschließlich europäische Ärzte ein, da sie angeblich eher Vertrauen suggerieren als die heimischen Fachkräfte. Vertrauenswürdigkeit bewies der CEO Jørn Jørgensen besonders im September, bei der Eröffnung einer neuen Klinik in Beijing: dort operierte er seinen eigenen Sohn Jannik Jørgensen live vor laufender Kamera. Durch Aktionen wie diese und bereits über 500.000 erfolgreich durchgeführte Operationen überzeugt EuroEyes seine Kunden. Gepaart mit Professionalität und Kompetenz kann das Unternehmen den Aufpreis im Vergleich zu herkömmlichen Augenkliniken so rechtfertigen.

Die Zukunft des Unternehmens ist allem Anschein nach bereits gesichert: mit seiner nun verbesserten Sehqualität, könnte Jannik Jørgensen später in die Fußstapfen seines Vaters treten. Er hat seine Medizinerausbildung bereits beendet und Erfahrungen im Bereich Marketing in Hamburg und China gesammelt.

Geschäftsentwicklung

Im Kalenderjahr 2018 generierte EuroEyes einen Umsatz von knapp 43 Mio. EUR, was eine Steigerung von rund 16% gegenüber dem Vorjahr bedeutete. 63% des Umsatzes generierte das Unternehmen in Deutschland, 28% in China. An der Börse konnte das Unternehmen am ersten Handelstag mehr als überzeugen: Der Erstpreis lag mit 14,20 HKD (1 EUR = 8,5HKD) fast doppelt so hoch wie der finale Angebotspreis von 7,50 HKD. In den folgenden Wochen sank der Kurs zwar wieder, notiert jedoch immer noch über dem Angebotspreis.

Es sieht so aus als hätte EuroEyes im großen chinesischen Wachstumsmarkt Fuß gefasst, was eine vielversprechende Aussicht für die Zukunft mit sich bringt. Ob dieses Geschäftsmodell im Luxus-Segment weiter so laufen wird, wird sich zeigen müssen – die Konkurrenz schläft sicherlich nicht. Den Premiumanbieter für Sehkorrekturen sollte man dennoch im Auge behalten.

Interview mit Dr. Jørn S. Jørgensen; Gründer, Vorsitzender und CEO von EuroEyes

GoingPublic. Wo liegt das Alleinstellungsmerkmal von EuroEyes – wie heben Sie sich von der Konkurrenz ab?

Jørgensen: Unsere Langzeiterfahrung, ich habe EuroEyes vor über 25 Jahren gegründet, sowie unsere Expertise. Weltweit haben wir die meisten Zeiss Trifokallinsen implantiert, europaweit die meisten ICL-Linsen implantiert und deutschlandweit die meisten ReLEx smile Augenlaserkorrekturen durchgeführt. Außerdem beschäftigen wir bei EuroEyes High-Volume-Operateure, die jährlich mindestens 1.000 Operationen selbstständig durchführen.

Viele Familienunternehmen scheuen die Börse – was hat Sie überzeugt, den Schritt zu wagen?

Unser zukünftiges Wachstum liegt hauptsächlich in China. Diese Expansion wollen wir mit dem Börsengang finanzieren.

Was sind ihre mittel- und langfristigen Wachstumsziele?

Aktuell haben wir bereits sechs Kliniken in China. Zukünftig planen wir zwei bis drei neue Klinikeröffnung in China – pro Jahr. Für Europa sind zukünftig Mergers & Acquisitions geplant.

Herr Jørgensen, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Timothy Veigel.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserem aktuellen Magazin