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Obwohl die Aktienmärkte 2012 wieder deutlich an Fahrt gewannen, war die Situation bei den IPOs unverändert schwierig: Talanx und O2 konnten nicht in die Rolle von Eisbrechern schlüpfen. Auch für das nächste Jahr bleibt der Ausblick verhalten. Viele Marktkenner rechnen mit einer ähnlichen Entwicklung wie 2012. Im Gegensatz dazu haben sich Anleihen mittelständischer Unternehmen mittlerweile als Alternative bei der Fremdfinanzierung etabliert. Nach der Sommerflaute zog die Anzahl der IBOs wieder deutlich an. 2013 wird allgemein mit einer weiter steigenden Tendenz gerechnet.

Vor allem die Fortschritte bei der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise im Herbst waren eine Vitaminspritze für die Kapitalmärkte. „Im Wesentlichen hat die Entspannung bei der Eurokrise die Trendwende an den Aktien- und Staatsanleihen-Märkten der Eurozone seit Mitte des Jahres herbeigeführt“, meint Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. Da jedoch die politischen Probleme die Märkte bis zum Herbst verunsicherten, hat es den großen Durchbruch bei Neuemissionen in diesem Jahr (noch) nicht gegeben. „Die Befürchtungen der Vorstände potenzieller IPO-Kandidaten waren sehr groß, dass sie ihr Unternehmen in einer unsicheren Marktlage nur mit einem Abschlag an der Börse einführen könnten“, so Halver. „Zugleich scheuten die an IPOs beteiligten Banken das Risiko, bei einer ungünstig verlaufenden Börseneinführung Kurspflege durch umfangreiche Übernahmen von Aktien des börseneingeführten Unternehmens betreiben zu müssen.“ Trotz gestiegener Präferenz für den Sachwert Aktie behielten Risikoscheu der Anleger und ihre Skepsis gegenüber Unternehmen ohne überzeugende Erfolgsbilanz in diesem Jahr noch die Oberhand. „Die teilweise schlechte Kursentwicklung der IPOs nach der Erstnotiz trug zu diesen Vorbehalten bei“, beobachtete Axel Mühlhaus, Geschäftsführer der auf Kapitalmarktthemen spezialisierten Kommunikationsagentur edicto.

Damoklesschwert Euro-Schuldenkrise
Die ernsten Probleme der Euro-Schuldenkrise bleiben auch im nächsten Jahr ein Unsicherheitsfaktor für die Kapitalmärkte: „Zumindest in der ersten Jahreshälfte 2013 werden uns die ‚alten Themen‘ Schuldenabbau, Haushalte der europäischen Kernländer und die zunehmende Arbeitslosigkeit in der EU weiter in Atem halten“, befürchtet Herbert Schuster, Vorstand der mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG. „Dies macht es für Emittenten wie begleitende Institute nach wie vor schwer, unter planbaren Voraussetzungen ein IPO zu wagen.“ Auch andere Marktbeobachter sind skeptisch, ob es 2013 deutlich mehr Neuemissionen geben wird. „Leider ist von einer Aufbruchstimmung am deutschen IPO-Markt nichts zu spüren“, sagt Fabian Lorenz, Berater der Agentur IR.on. „Es fehlen die Signale, dass das IPO-Jahr 2013 erfolgreicher als 2012 wird. Ich erwarte fünf bis zehn Börsengänge deutscher Unternehmen.“

Gerald Diezel, Managing Director der equinet Bank, sieht zudem die Gefahr, dass dunkle Wolken am Konjunkturhimmel aufziehen. „Auch wegen der etwas eingetrübten Wachstumsaussichten ist für 2013 keine Trendwende erkennbar“, meint Diezel. „Inwieweit Großemissionen wie Osram, LEG oder Evonik als Türöffner wirken können, bleibt abzuwarten. Wichtig wäre ein erfolgreiches Mittelstands-IPO im ersten Halbjahr mit fairem Pricing, vollständiger Platzierung und positiver Sekundärmarkt-Performance, damit weitere Unternehmen den Sprung an die Börse wagen.“

Liquiditätspolitik beflügelt Aktienmärkte
Gründe für mehr Hoffnung benennt die Baader Bank: „Belebend für IPOs dürfte sich die unverändert üppige Liquiditätspolitik der weltweit großen Notenbanken auswirken, die Aktienmärkte und IPO-Stimmung an den Börsen stützt. Für 2013 ist zumindest eine Verdopplung der IPOs von 2012 zu erwarten“, betont Halver. Und sein Kollege Thomas Geppelt, Leiter Capital Markets, ergänzt: „Die positive Entwicklung an den Sekundärmärkten führt zu einem Anstieg der Kurs-Gewinn-Verhältnisse und damit zu höheren realisierbaren Bewertungsniveaus. Und die Einführung von Basel III liefert gute Argumente für die Aufnahme von Eigenkapital über den Kapitalmarkt“, betont Geppelt. „Darüber hinaus erwarten wir einen steigenden Abgabedruck bei Private-Equity- Unternehmen. Insgesamt rechnen wir mit zehn IPOs in Deutschland.“

Unternehmensanleihen wieder gefragt
Am Rentenmarkt kam es in diesem Jahr zu einer Art Paradigmenwechsel, und viele Anleger entdeckten die Unternehmensanleihe zunehmend als Alternative zu Staatsanleihen. „Staaten dominieren noch immer das gesamte Handelsaufkommen, da sie naturgemäß ganz andere Volumina bewegen“, erläutert Sabine Traub, Leiterin Primary Market Group der Börse Stuttgart. „Der 2012 anhaltende Anlagenotstand nötigt noch immer manchen institutionellen Investor, in ‚teure‘ Anleihen zu investieren.“ Davon profitierten besonders die großen Emittenten von Staatspapieren mit guter Bonität – die zahlreichen Rekordstände des Bund-Futures in diesem Jahr sprechen für sich. Auf der anderen Seite sind viele Staatspapiere derzeit nur bedingt attraktiv, da sie entweder zu teuer oder zu risikoreich sind. „In den Augen der Anleger bieten Unternehmensbonds noch halbwegs ordentliche Renditen bei überschaubarem Risiko“, weiß Traub. „Wegen der höheren Nachfrage stieg die Emissionstätigkeit von Konzernen mit guter Bonität 2012 weiter an. Damit konnten sich Unternehmen nicht zuletzt wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase am Kapitalmarkt so günstig refinanzieren wie schon lange nicht mehr.“

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