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Die Schockstarre nach dem Facebook-Debakel scheint der Markt inzwischen überwunden zu haben, und so findet das IPO-Geschäft allmählich zu einer gewissen Normalität zurück.

Fast jede Party geht am nächsten Tag mit einem Kater zu Ende. So war es auch im Falle Facebook. Auf den Milliarden-Börsengang, der die hohen Erwartungen zu keiner Zeit erfüllen konnte, folgte die große Leere. Investoren zeigten sich verunsichert und verärgert. Besonders Firmen aus dem Social-Media-Umfeld wie das Reiseportal Kayak bekamen die negativen Reaktionen auf das Facebook-IPO zu spüren. Immerhin sorgte Mark Zuckerberg mit seinem Unternehmen für eine knapp 10%-ige Steigerung der Emissionsvolumina im Vergleich zum Vorjahr. Rechnet man den Facebook-Effekt jedoch heraus, so zeigt sich, dass das Börsenjahr bislang nicht an die Vorgaben aus dem Jahr 2011 heranreicht. Erfreulicher ist da schon die Entwicklung bei den Zeichnungsgewinnen und der Post-IPO-Performance. Die Steigerung im Underpricing um immerhin zwei Prozentpunkte deutet auf eine insgesamt maßvolle Preisgestaltung hin.

*) Stand: zum 1.7.2012; **) ohne Facebook Quelle: GoingPublic Research

Durststrecke nach Facebook-IPO geht zu Ende

Fünf Wochen nach dem missglückten Börsengang des sozialen Netzwerks Facebook erlebten die US-Börsen endlich die von vielen ersehnte Wiederaufnahme des IPO-Geschäfts. Den Anfang des Quartetts aus recht unterschiedlichen Neuzugängen (ein Energieunternehmen, ein Softwareentwickler, ein Biotechunternehmen und ein IT-Dienstleister) machte das Spin-off des Gasversorgers EQT. Gegründet als „limited partnership“, platzierte die Tochter EQT Midstream 12,5 Mio. Anteile bei Investoren, und das zu einem durchaus respektablen Preis am oberen Ende der Zeichnungsspanne. Die gesamten Einnahmen summierten sich dadurch auf 263 Mio. USD. EQT Midstream betreibt ein rund 900 km langes Pipeline-System aus den Appalachen, über das hauptsächlich dort gefördertes Gas weitergeleitet wird. Die Gesellschaft verspricht ihren Aktionären für die Zukunft hohe Ausschüttungen. So errechnete sich beim Ausgabepreis von 21 USD eine attraktive Verzinsung von 6,7% (Quartalsdividende: 0,35 USD). Zeichner können sich zudem über einen Kursgewinn von zwischenzeitlich über 15% freuen.

*) Maximal, auf Basis der Bookbuildingspanne; alle Angaben in USD Quelle: GoingPublic Research, IPOhome.com

Halbjahresbilanz mit Licht und Schatten

Bei einer Betrachtung des ersten Halbjahres ergibt sich ein durchwachsenes Bild. Nach einem schleppenden Start nahm das Emissionsgeschäft ab Februar spürbar an Fahrt auf. Im März fanden schließlich 20 Neulinge den Weg an die Börse – so viele waren es zuletzt im Mai 2011. Selbst die erneuten Turbulenzen, die von Europa ausgingen, konnten dem Markt zunächst wenig anhaben. Erst Facebook sorgte mit seinem verpatzten Debüt für einen wenig erfreulichen Stimmungsumschwung bei vielen Anlegern. In den ersten fünf Wochen nach dem größten Technologie-IPO aller Zeiten wagte sich kein anderer Emittent aus der Deckung. Zu groß war die Sorge, dass man in den Strudel der Negativschlagzeilen geraten könnte. Gleichwohl dominierten auch abseits von Facebook vor allem Technologiefirmen das Emissionsgeschäft. 26 der 72 Neuzugänge des ersten Halbjahres stammten aus dem Tech-Umfeld. Anleger zeigten sich vor allem für Neulinge mit großen Wachstumsambitionen aufgeschlossen. Fündig wurden sie zumeist bei Software- und Internet-Unternehmen (Yelp, Splunk, Demandware). Die Zahl der „Filings“ entwickelte sich indes klar rückläufig. Mit nur 86 Anträgen, die bei der SEC bis Mitte Juli eingingen, liegt das Jahr bislang fast 50% unter dem entsprechenden Vorjahreswert.

*) Stand: 1.7.2012

Discount-Kette zum Premium-Preis

Besser hätte es für den Discount-Einzelhändler Five Below an seinem ersten Handelstag kaum laufen können. Nachdem die Aktie bereits mit einem Aufschlag von 53% auf den Ausgabekurs startete, baute der Wert im weiteren Verlauf seine Gewinne sogar nochmals leicht aus. Anleger zeigten sich begeistert von der ehrgeizigen Expansionsstrategie des Unternehmens. Demnach will das Management im laufenden Jahr 50 neue Filialen eröffnen. 2013 möchte man an 60 neuen Standorten an den Start gehen. Bislang ist die Kette, die Merchandising-Artikel und andere vor allem auf Kinder und Teenager zugeschnittene Produkte zu einem Preis von  – wie der Name schon vermuten lässt – unter 5 USD verkauft, erst in 17 Bundesstaaten mit insgesamt 199 Läden vertreten. Die Einnahmen aus dem Börsengang von rund 160 Mio. USD flossen dabei jeweils zur Hälfte an die Altaktionäre aus dem Private-Equity-Umfeld und in die Kassen des Unternehmens. Neben der Rückführung der Schulden will Five Below mit den Geldern das Filialwachstum vorantreiben. So sieht der Vorstand allein in den USA ein Potenzial von 2.000 Geschäften. Bereits beim Emissionspreis von 17 USD brachte es das Papier auf einen satten Bewertungsaufschlag zur Peergroup. Dieser hat sich mit dem fulminanten Börsenstart nochmals deutlich vergrößert.

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