Bei der hyperspektralen Bildverarbeitung etwa, die die Auswertung von Spektralbildern ermöglicht und Auskunft über die chemische Zusammensetzung eines Materials gibt, stellte das Unternehmen jüngst ein neues System vor, das z.B. in der Lebensmittelindustrie, im Maschinen- und Bergbau oder in der Pharma- sowie Recyclingindustrie zum Einsatz kommt. Im Anwendungsgebiet der Embedded Vision (eingebettete Bildverarbeitungssysteme), in dem verstärkt kleine energieeffiziente Prozessoren zum Einsatz kommen, will Stemmer softwareseitig wachsen und stockte hier jüngst bereits das Personal auf. Auch der 3D-Machine Vision-Trend gewinnt verstärkt an Bedeutung: Stemmer ist hier einer von nur zwei Lizenzpartnern für Intel-3D-Sensoren in Europa.

Marktumfeld

Stemmer erwartet sich vom weltweiten Machine-Vision-Markt auch weiterhin deutliches Wachstumspotenzial. Gemäß VDMA hatte dieser zuletzt durchschnittliche Wachstumsraten von 9% p.a. aufgewiesen, die globale Marktgröße schätzt der Verband 2017 auf gut 20 Mrd. EUR. In Deutschland betrug die Wachstumsrate sogar von 11%, dabei ist der Markt aber stark fragmentiert. Der VDMA schätzt etwa 150 kleine und mittlere Unternehmen dazugehörend. Nicht darunter sind z.B. bekannte Firmen wie ISRA Vision, Leuthold oder Cairos. Diese siedeln sich eher im Bereich Systemintegrator/OEM an und zählen zu Stemmers Kunden. Zu den direkteren Wettbewerben gehören etwa die Rauscher AG, Framos Group, iS2, die Maxxvision GmbH, Fabrimex Systems AG oder Clearview Images. Gegenüber seinen direkten Wettbewerbern ist Stemmer jedoch deutlich größer kann dadurch auch Vorteile aus Skaleneffekten und Einsparungen in Beschaffungswesen, Logistik und Forschung & Entwicklung erzielen. So erzielt der nächstgrößere Wettbewerber Rauscher nur gut ein Drittel von Stemmers Jahresumsatz.

Management und Eigentümer

Das Management-Team der Gesellschaft setzt sich zusammen aus CEO Christof Zollitsch, der seit 1996 im Unternehmen und seit 2001 Geschäftsführer ist, dem CFO Lars Böhrnsen, seit 2014 Leiter Finanzen & Controlling, und dem Vorstand Technik Martin Kersting, der seit 1991 im Unternehmen ist und maßgeblich an der Entwicklung der CVB-Software beteiligt war und ist. Das Management ist auch in Verbands- und Gremienarbeit involviert und wirkt aktiv am Setzen von Industriestandards mit. Im Aufsichtsrat sitzen u.a. Klaus Weinmann und Stefan Kober, die einst mit Raymond Kober das IT-Unternehmen Cancom gründeten und vor kurzem den jetzigen Mehrheitseigentümer Primepulse SE aus der Taufe hoben, der im Umfeld von Automotive, Elektronik, Cloud Computing und weiteren investiert ist. Beide verfügen sowohl über Erfahrung bei M&A, IPOs und Kapitalmarktumfeld allgemein als auch über Expertise in IT-Themen wie Industrie 4.0 oder dem Internet der Dinge.

Chancen & Risiken

+ Marktführer in einem dynamisch wachsendem Markt
+ gute Rendite auf das eingesetzte Kapital von 35%
+ Kapitalmarkt- und IT-Know-how der Primepulse SE-Gründer eröffnet zusätzliche Wachstumsperspektiven
+ hohe Markteintrittsbarrieren aufgrund von Spezial-Know-how und strenger Lizenzvereinbarungskriterien seitens der Lieferanten
+ geringe Kundenfluktuation, da Kunden bei einer Neuimplementierung der Systeme von Mitwettbewerben ein hohes Ausfallrisiko fürchten
+ gute Kapitalmarktkommunikation des Managements

– Stark fragmentierter Markt / intensiver Wettbewerb
– geistiges Eigentum und Knowhow Stemmers ist nur begrenzte Zeit geschützt

Fazit

Angesichts der progressiven Entwicklung der digitalisierten Industrieproduktion sollte der Machine Vison-Markt weiter von einer dynamischen Nachfrage bestimmt sein. Da gleichzeitig die Markttiefe und-fragmentierung zunimmt, kann sich STEMMER auf Basis seines Spezial-Knowhows als Lieferant des theoretischen Unterbaus der Systemintegratoren und OEMs und seiner flexibel einsetzbaren Software vertikal in verschiedenen Märkten an strategischen Wertschöpfungspunkten positionieren. Eine hervorragende Synergie zwischen Kapitalmarkt- und IT-Erfahrung sollte zudem auch die neue Obhut unter Mehrheitseigentümer Primepulse bieten. Sicherlich sind in diesem wettbewerbsintensiven, dynamischen Markt auch Risiken vorhanden. Der Börsengang ist sicherlich einer mit einem der solidesten Geschäftsmodelle in der letzten Zeit und dürfte den Machine-Vision-Spezialisten eine signifikante zusätzliche Möglichkeit bieten, seine Marktposition sogar noch auszubauen.

Text: Ike Nünchert

Stemmer Imaging – Emissionsparameter:

WKN A2G9MZ
Zeichnungsfrist 12.-22.Februar
Erstnotiz 27.Februar
Preisspanne 32,00 bis 36,00 EUR
MarketCap 208 Mio. bis 234 Mio. EUR
Marktsegment Frankfurt/Main (Scale)
Emissionsprospekt ja
Emissionsvolumen 96 Mio. EUR  bis  108 Mio. EUR  (inkl. Greenshoe-Option)
Konsortium Hauck & Aufhäuser  (Sole Global Coordinator, Sole Bookrunner)
Free Float 46,0%

Fortsetzung nächste Seite ⇒ zum Interview mit CFO Lars Böhrnsen

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