Bildnachweis: GECCI GbR

Die Baubranche hat sich vom Coronaimpact erholt; Familienhäuser verzeichneten jüngst gar einen Rekordanstieg. Die ­Anbieter von bezahlbarem Wohnen haben derzeit mehr als Rückenwind – inzwischen müssen aber auch ESG-Kriterien ­berücksichtigt werden. GoingPublic sprach aufs Neue mit Gerald Evans, Gründer und Geschäftsführer der GECCI Gruppe.

Herr Evans, seit unserem letzten Gespräch hat sich einmal mehr viel getan. Die Statistik meldet einen Rekord­anstieg für Familienhäuser in Deutschland. Ist das Wasser auf Ihre Mühlen oder hat es auch Schattenseiten, da schließlich auch die Baukosten steigen?

Evans: Zurzeit können wir eine hohe Nachfrage bei uns feststellen, weil die KfW-Förderung für private Bauherren erst einmal so gut wie abgeschafft worden ist. Zudem kommt die neue Bankenrichtlinie Basel IV, und das bedeutet für die Verbraucher noch höhere Anforderungen für den ­Erhalt eines Kredits. Es werden daraus ­resultierend mehr Kreditabsagen an Verbraucher kommen.

Was bedeutet das für GECCI?

Evans: In diesem Zusammenhang wird eine deutlich höhere Nachfrage an die GECCI Gruppe erwartet. Die Baukosten für Baumateria­lien sind übrigens nur geringfügig und die Löhne für Handwerker in den letzten drei Jahren um ca. 8% angestiegen. Wir haben in unserer Kalkulation dies alles längst ­berücksichtigt und werden erst im Jahr 2023 die Preise unserer Haustypen um 4,5% erhöhen.

Wie ich hörte, stand/steht dieser Tage auch das Richtfest bei Ihrem Leuchtturmprojekt in Bockenem an. Ist das ein Meilenstein, der nur für die Eigenheimbesitzer von Interesse ist, oder auch für GECCI und Sie?

Evans: Wir haben Anfang März in der Tat ein schönes Richtfest gehabt und sicherlich ist es ein Meilenstein für unser Unternehmen. Die Baukostenkalkulation hat sich positiv für uns entwickelt, indem wir die Kosten durch unsere Einkaufsstrategie sogar ­senken konnten und damit das Proof of Concept erreicht haben.

Auf der anderen Seite gab es die Nachricht der vergangenen Wochen, die KfW-Förderung für das EEH-55 zu stoppen. Ist das ein Non-Event, da ja der Aufschrei so groß war, dass die Förderung sicherlich in anderer Weise fortgesetzt werden wird?

Evans: Zurzeit trifft es überwiegend die Privatpersonen und ich glaube auch nicht wirklich, dass die Förderungen für Neubauten von Privatpersonenhäusern sich wesentlich verbessern werden. Zudem ist der Leerstand von Bestandsgebäuden signifikant angestiegen, da es im Allgemeinen bekannt ist, dass sich die Sanierungen von Häusern häufig deutlich teurer gestalten als ein Neubau. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung beschlossen, mehr Förderprogramme für Bestandsimmobilien zu generieren.

Wie weit sind Sie mit Ihren Kapitalmarktaktivitäten? Der erste Bond mit 5,75% ist praktisch platziert, der ein Jahr länger laufende mit 6,0% p.a. und auch 8 Mio. EUR läuft fast parallel. Klappt es mit dem Kapitalmarkt?

Evans: Wir sind mit unseren Anleihen sehr zufrieden. Wir haben deutlich über unsere Erwartungen platzieren können und wir danken sehr für das Vertrauen unserer Anleger.

Wäre es vielleicht eine Idee, sich für künftig eine Green-Bond-Zertifizierung zu holen, um am Kapitalmarkt niedrigere Coupons anbieten zu müssen?

Evans: Wir bauen bereits jetzt unsere Häuser mehr als energieautark sowie mit einer Energieeffizienz von mindestens 40% BEG, sodass wir durch unsere Fotovoltaikanlagen auf dem Dach 60% mehr Strom produzieren, als im Haushalt benötigt wird. Wir haben die fossilen und klimaschädigenden Energieträger aus unserem Programm herausgenommen. Unsere Haustechnikanlagen bestehen aus Wärmepumpen und bei Bedarf aus Wärmekollektoren. Aus diesem Grund sind unsere Häuser bereits nach wenigen Jahren klimaneutral. Wir sehen daher keine Veranlassung, eine Green-Bond-Zertifizierung durchführen zu lassen. Ebenso sehe ich den Trend kommen, dass die Coupons von Anleihen eher steigen werden, und stelle dabei fest, dass unsere Coupons gerechtfertigt und attraktiv sind.

Herr Evans, ganz herzlichen Dank für das neuerliche Update in der wohl wichtigsten Branche Deutschlands!

Das Interview führte Falko Bozicevic.